Imperium Dekadenz - Dis Manibvs

Review

IMPERIUM DEKADENZ – nicht viel Neues, das aber großartig!

Die große Frage ist doch immer: Was hat sich verändert? Für die einen wird es eine Freude sein, für die anderen Ernüchterung. Im Hause IMPERIUM DEKADENZ wurden die Möbel nicht wirklich umgestellt. Alles hat seinen bekannten Platz. Vielleicht sind ein paar Accessoires dazugekommen: etwas mehr Schwarz-Doom, vielleicht ein klein wenig mehr Geknüppel, noch mehr musikalisches Schwelgen. Aber summa summarum fühlen sich die beiden Herren Vespasian und Horaz scheinbar so wohl mit dem, was sie seit 2004 unter dem IMPERIUM-DEKADENZ-Banner machen, dass es aktuell keine hörbaren Entwicklungen gibt, die über die erwähnten Nuancen hinausgehen. Danke dafür, denn „Dis Manibvs“ ist ein richtig gutes fünftes Studioalbum geworden.

„Dis Manibvs“ startet mit einem Hit und hält das hohe Niveau

Dass Alben oft ein ausgeprägtes individuelles Entwicklungspotenzial aufweisen, hat vermutlich jeder Schreiberling schon bemerkt. Ebenso oft lässt sich das Phänomen auch auf einzelne Lieder herunterbrechen. Im Fall von „Dis Manibvs“ ist das „Only Fragments Of Light“. Da kommen dann wieder die Feinheiten ins Spiel, die einen Song weit über den Durchschnitt und sogar über den Gut-Bereich katapultieren. Hier ist es beispielsweise das unverschämt gelungen gesetzte Break, das einen zum ersten Mal nach knapp über vier Minuten aufhorchen lässt – eine dieser Stellen, auf die man sich auch noch freut, wenn der Track zum fünften Mal in Folge läuft. Auch in Sachen Abwechslung kann „Only Fragments Of Light“ punkten: mit Geknüppel, Midtempo, Epik, Doublebassteppich, Klar- und Krächzgesang. Selbst die etwas schiefe Textzeile „Only the dreams are free“ ändert nichts am Hit-Charakter und am großartigen Einstieg in ein großartiges Album.

Es wächst und wächst und wächst …

Warum hält man sich in einer Besprechung so lang an einem einzigen Lied auf? Weil es die Richtung des gesamten Werks gut zusammenfasst. Fast neun Minuten lang begeistert „Only Fragments Of Light“, und auch die anderen Nummern sind überwiegend überlang – das kennt man ja von IMPERIUM DEKADENZ, die auch mit „Dis Manibvs“ wieder atmosphärischen Black Metal spielen, der teils zum Schwelgen anregt, vereinzelt düster daherkommt und stets von dieser mysteriösen Aura umgeben ist. Dass man beim Hören eines IMPERIUM-DEKADENZ-Albums an THE COMMITTEE denken muss, gab es hingegen wohl noch nicht. Vielleicht stellt sich der Effekt auch nicht bei allzu vielen Hörern ein, Fakt ist aber, dass das Duo gezielter auf in schwarzen Rauch gehüllten Doom setzt – und dabei weitaus mehr als nur gute Melodien hervorbringt. „Vae Victis“ und „Volcano“ sind da exzellente Beispiele. Das Zwischenspiel „Somnia“ könnte hingegen kaum deutlicher nach ALCEST klingen. Und dass die Gitarren in „Pure Nocturnal Rome“ so ihre MGLA-Momente haben, wird wohl auch niemanden stören.

Wie war das mit dem Entwicklungspotenzial? Wer mag schon entscheiden, wann das ausgeschöpft ist. In dem Sinne kann es gut sein, dass „Dis Manibvs“ noch zum stärksten Studioalbum von IMPERIUM DEKADENZ heranwächst – so oder so ein fantastisches Werk, dem sich sowohl geradlinig als auch progressiv veranlagte Black-Metal-Freunde hingeben sollten.

19.09.2016
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