Imperium Dekadenz - When We Are Forgotten

Review

Soundcheck August 2019# 3 Galerie mit 20 Bildern: Imperium Dekadenz - Night Fest Metal X 2019

Was macht guten Black Metal eigentlich aus? Puristen verweisen gerne auf eine möglichst rohe Produktion, unerbittliche Blastbeats, misanthropische Texte oder lärmendes Gitarrengeschrammel, während andere dagegen die frühen Neunziger abhaken und das Genre avantgardistischen Ansätzen, ausgefeilten Melodien, stilfremden Elementen und gewagtem Ideenreichtum öffnen. Nein, eine wirklich „richtige“ Antwort gibt es auf diese Frage natürlich nicht. Diskussionen zu diesem Thema bieten ohnehin mächtig Zündstoff und driften auch gerne mal in elitäre Fachvorträge ab. Da zieht man lieber eine Grenze und einigt sich darauf, dass es doch tatsächlich einige Bands gibt, die – unabhängig ihrer Herangehensweise an das Genre – für exzellenten Black Metal stehen. IMPERIUM DEKADENZ ist fraglos eine dieser Bands, konnte mit „When We Are Forgotten“ im aktuellen Soundcheck bereits Teile der Redaktion für sich gewinnen und beweist: Auch das sechste Studioalbum ist alles andere als Ware von der Stange. Warum das so ist, lest ihr hier!

IMPERIUM DEKADENZ – Schwarzmetallische Komplexität

Was für ein Auftakt! Der knapp siebenminütige Opener (und Titeltrack) erweist sich nicht nur als atmosphärisches Black Metal-Meisterwerk, sondern präsentiert sich in einem anfangs vielleicht etwas eigenwilligen, aber vollends hervorragend durchkomponierten Soundgewand. Besonders der melodiöse Mittel- sowie der epische Schlussteil der Nummer sorgen für Gänsehaut. „Bis Ich Bin“ besticht mit seinem unfassbar melancholischen Intro, bevor sich der Sechsminüter in zwar durchweg gut geschriebenen, aber vergleichsweise unspektakulären Sphären verliert. Kein Problem, denn mit „My Solace I (Choirs of Solitude)“ fahren IMPERIUM DEKADENZ eine schwarzmetallische Atmosphäre-Dampfwalze auf, die es in sich hat: komplex, drückend, opulent – so geht Songwriting!

Überhaupt überzeugt das Schwarzwälder Duo auf „When We Are Forgotten“ mit überdurchschnittlich viel Kreativität. Der spannungsgeladene Stampfer „A Cave Called Wisdom“ hat ordentlich Wut im Bauch, „Transcendence“ punktet mit erfrischendem Abwechslungsreichtum und die Hymne „Absenz Elysium“ beeindruckt dank eisiger Old-School-Reminiszenzen. Phasenweise wirkt die Platte bei mehrmaligem Hören jedoch leider auch etwas langatmig. So kann das recht geradlinige „My Solace II (Paths of Perception)“ angesichts der Hitdichte zu Beginn des Albums nur schwer Akzente setzen. Dafür bietet „Frozen in Time“ zum Abschluss umso mehr kraftvollen IMPERIUM DEKADENZ-Sound wie man ihn sich wünscht. Insbesondere Atmosphäreliebhaber werden hier vor allem aufgrund des avantgardistischen Feinschliffs voll auf ihre Kosten kommen.

Imperium Dekadenz - 2019

Zwei wie Pech und Schwefel: Horaz und Vespasian von IMPERIUM DEKADENZ

„When We Are Forgotten“ – Durchweg gelungen, doch kein Meilenstein

Keine Sorge, wem die letzten Alben von Horaz und Vespasian zugesagt haben, der kann auch mit „When We Are Forgotten“ grundsätzlich nichts falsch machen. Das Album wartet mit dichter Atmosphäre, brillanten Riffs und stimmungsvoll-träumerischen Parts auf, die auch dieses Mal beweisen, dass es sich bei IMPERIUM DEKADENZ um begnadete Ausnahmemusiker handelt. Die Platte hätte sich vielleicht sogar noch ein Pünktchen mehr verdient, kommt an ihren herausragenden Vorgänger „Dis Manibvs“ aber dann doch nicht ganz heran und stolpert hier und da über die Langatmigkeit mancher Songs. Fällt das schon unter die Kategorie „Meckern auf hohem Niveau“? Vielleicht, doch gerade das zeigt, mit welcher Erwartungshaltung man dem talentierten Duo inzwischen begegnen muss. Immerhin besitzen IMPERIUM DEKADENZ grundsätzlich das Potential dazu, einen weiteren Genre-Meilenstein zu schaffen. Bis dahin ist man mit „When We Are Forgotten“ (und den grandiosen Vorgängern) jedoch soweit bestens bedient!

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28.08.2019

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7 Kommentare zu Imperium Dekadenz - When We Are Forgotten

  1. L@THERIVERFLOW sagt:

    Beim Lesen des Reviews hab ich irgendwie mit mehr als sieben Punkten gerechnet. Ist auf jeden Fall für ID Verhältnisse ein eher enttäuschendes Urteil. Das was ich bisher gehört habe war sehr melodisch… Vielleicht auch zu melodisch. Ich warte mal ab wie sich die Songs in das gesamte Werk einfügen.

  2. blizzardbeast sagt:

    Ich lasse mir doch von einem Heranwachsenden nicht erklären, wie Black Metal zu klingen hat! 🤣
    Zu ID: die bisherigen Songs waren mir eine Spur zu kitschig…

  3. ClutchNixon sagt:

    Bilde ich mir das ein, oder orientieren sich Song und Vid an Batushka?

    1. der holgi sagt:

      Ne, ich glaube die klingen einfach sehr aktuell mit ihrer Mucke, da ist eben auch ein bissel Saor drinnen, auch UADA, MGLA, sogar ein paar Momente Agalloch….aber sie machen das schon sehr geil finde ich, es klingt nicht nach zusammengewürfelt, es hat Authentizität.

      Muss ich mal ein bissel Hinhören investieren.

      1. nili68 sagt:

        Mir persönlich ist das ’ne Spur zu „harmlos“ für Black Metal, aber objektiv gesehen, gibt es nichts auszusetzen. Das ist gut gemacht und durchaus authentisch. Ich besitze die Procella Vadens, wo die grundsätzlich auch schon so klingen, also denke ich nicht, dass die aktuell irgendwen „nachmachen“ wollen. Wenn das ’ne Spur.. hmm mehr „Negativität“ besitzen würde, könnte das für mich richtig super sein, aber man kann’s auch so mal ganz gut hören. Wird auf jeden Fall in Gänze angetestet..

    2. deadhouse sagt:

      Ne, die machen im Video auf The Witcher 😉

  4. mr.cb sagt:

    Im Vergleich zu den beiden letzten Alben (jeweils 9 Punkte) sind 7 Punkte ein echter Witz.
    Was hätte denn passieren müssen für 8 oder 9 Punkte?! Ein Album des Jahres erscheinen? Zwei weniger für ein „weiter so“ kann ich nach zwei Wochen Dauerhören nicht unterschreiben.
    Von mir ebenfalls eine 9, da nicht weniger gut als die letzten VÖs…

    9/10