In This Moment - Witch
Review
„Witch“ soll für Frontfrau Maria Brink ein persönliches Statement der inneren Transformation sein – ein Ringen zwischen Wut und Verletzlichkeit, Härte und Introspektion. Diese Idee verfolgen IN THIS MOMENT musikalisch konsequent, fallen aber in ein vorhersehbares Schema. Da dem Rezensionsexemplar keine Texte beiliegen, lässt sich die inhaltliche Ebene nur anhand von Brinks eigener Erklärung beurteilen.
IN THIS MOMENT beschwören auf „Witch“ ihre Gegensätze
Optisch zeigt sich ein kleiner Wandel: Das überarbeitete Logo wirkt metallischer, während das Cover weiterhin der Weiblichkeit huldigt. Musikalisch startet das Werk gewohnt stark. „Shame“ liefert die bewährte Formel aus modernem Metal mit Metalcore-Wucht, großen Melodien und industrieller Schlagseite. Auch „Crawl“, „Sleeping With The Enemy“ und das gemeinsam mit KIM DRACULA eingespielte „Heretic“ schlagen treffsicher in diese Kerbe. Brink wechselt gewandt zwischen klarem Gesang und aggressiven Shouts, getragen von drückenden Gitarren und atmosphärischer Elektronik.
Dazwischen nimmt die Band regelmäßig das Tempo heraus. „I Want To Believe“ mit DAYSEEKER eröffnet die ruhigere Seite, gefolgt von weiteren getragenen Stücken. Für sich genommen funktioniert der Kontrast gut und verleiht Brinks Stimme Raum. In der Abfolge liegt jedoch die Schwäche der Platte: Auf den ersten acht Positionen wechseln sich harte und sanfte Nummern schematisch ab. Was zunächst Dynamik erzeugt, nimmt dem Ablauf bald die Spannung. Die balladesken Songs funktionieren einzeln meistens gut – auch das THE-POLICE-Cover „Wrapped Around Your Finger“. In der Summe bremsen sie aber stärker aus, als dass sie echte Tiefe stiften.
Im letzten Drittel bricht die Band dieses Muster auf, verschiebt das Gewicht jedoch in Richtung der getrageneren Stücke. Einen gelungenen Akzent setzt die düster-harte Interpretation des PINK-FLOYD-Klassikers „Another Brick In The Wall“ mit KAT VON D. Das Finale mit dem NINE-INCH-NAILS-Cover „Something I Can Never Have“ trifft zwar die Vorlage, bleibt damit aber ein nicht enden wollendes Intro.
Mehr Wut hätte „Witch“ gutgetan
Die druckvolle Produktion setzt Instrumente und Gesang hervorragend in Szene. Wer Brinks Konzept der Dualität sucht, findet es musikalisch wieder. Reduziert auf die Brecher, ein oder zwei ruhige Momente sowie weniger Coversongs wäre „Witch“ ein bedeutend fokussierteres Werk geworden. So stehen hörenswerte Einzelstücke einer zähen Dramaturgie gegenüber. Hochwertig produziert und ambitioniert ist das Album definitiv – ein kräftigerer Besen zum Ausmisten hätte Maria Brink jedoch gutgetan.
In This Moment - Witch
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Metalcore |
| Anzahl Songs | 11 |
| Spieldauer | |
| Release | 28.08.2026 |
| Label | Better Noise Music |
| Trackliste | 1. Shame 2. I Want To Believe (featuring Dayseeker) 3. Crawl 4. Into The Dark 5. Sleeping With The Enemy 6. Wrapped Around Your Finger (The-Police-Cover) 7. Heretic (featuring Kim Dracula) 8. Father 9. Without Me There's No You 10. Another Brick In The Wall" (featuring Kat Von D, Pink-Floyd-Cover) 11. Something I Can Never Have (Nine-Inch-Nails-Cover) |
