Kreator - Endless Pain
Review
Die Essener KREATOR sind nicht nur eine der wichtigsten Thrash-Metal-Bands der Welt; sie sind auch eine der beständigsten Bands des Landes. Um ihre ungebrochen steile, inzwischen über 40 Jahre dauernde Karriere und ihre vor kurzem veröffentlichte Scheibe “Krushers Of The World” zu würdigen, werden wir nach und nach die bisher noch nicht erfassten Studioalben der Band beleuchten. Man mag es kaum glauben, aber zum legendären Debüt “Endless Pain” befindet sich noch keine Review in unserem Archiv.
KREATOR sind noch nicht immer KREATOR …
KREATOR durchlaufen zunächst mehrere Inkarnationen. Zunächst gründen die beiden fünfzehnjährigen Schüler Jürgen “Ventor” Reil (Drums und Gesang) und Miland “Mille” Petrozza (Gesang und Gitarre) mit diversen anderen Gitarristen, darunter der spätere Bassist Roberto Fioretti und der einstweilige SODOM-Klampfer Michael Wulf eine Band namens TYRANT, die wiederum in METAL MILITIA aufgehen. Beide Versionen werden nie ein Studio oder zumindest eine Bandmaschine aus der Nähe sehen.
Als sich die Besetzung auf den Nukleus aus Ventor, Rob und Mille reduziert und in TORMENTOR umbenennt, entstehen 1984 die beiden Demos “Blitzkrieg” und “End Of The World”. Beide bilden den Grundstein zum Debüt von KREATOR, wie sich die Band ab 1984 nennt. Wobei Mille und Co. 1985, als die Platte erscheint, ordentlich dazu gelernt haben. Sie klingen wesentlich rabiater und giftiger als noch auf den Demos. Außerdem schafften sie unter Einfluss von Produzent Horst Müller eine gewisse Tightness, obwohl die Band immer wieder betonte, dass Müller so gut wie jeden Take durchgewunken hat und den blutjungen Musikern kaum eine Hilfe war. Richtig tight klingen KREATOR sowieso erst ab “Terrible Certainty”.
Der Sound ist insgesamt nicht Müllers beste Arbeit – das ist natürlich “Morbid Tales” von CELTIC FROST – hat aber gemessen an seinem Alter und dem damaligen technischen Level der Jungs immer noch einen angenehmen Druck. Selbst wenn in den Schlagzeug- und Gitarrenspuren immer wieder Unsauberkeiten hörbar sind. Egal, so klingt guter Thrash von 1985!
“Feel the endless pain!”
“Endless Pain” ist objektiv vielleicht nicht die beste KREATOR-Scheibe, gewiss aber die kultigste. Einerseits präsentiert das Trio ohne Scham seine Vorliebe für SLAYER und VENOM, andererseits kommt auch heute kein Konzert der Band ohne den Titelsong, “Tormentor” oder “Flag Of Hate” aus. In der zweiten Reihe sind “Total Death” (schön deutsch als “total dässs!” intoniert), das punkige “Cry War” oder “Storm Of The Beast” ebenfalls gut geriffte Oldschool-Thrash-Perlen. Die hinten platzierten Stücke wie “Bonebreaker” sind hingegen nicht ganz so zwingend, verdeutlichen aber die spannende Entwicklung der Band: von jugendlichen Epigonen zu einer der originellsten Stimmen im Thrash.
Wobei KREATOR Anno 1985 zumindest dadurch originell waren, dass die Hälfte der Songs von Drummer Ventor und die andere Hälfte von Mille gesungen wurde, was noch bis einschließlich “Terrible Certainty” Bestand haben sollte. Mille klingt auf “Endless Pain” noch ganz anders als auf späteren Alben und dürfte einen großen Einfluss auf frühe Black-Metal-Vocalisten wie Dead (MAYHEM) gehabt haben.
Eines der wichtigsten Thrash-Alben aller Zeiten
Obwohl “Endless Pain” ein cooles Album mit jeder Menge Hörspaß ist, liegt seine Relevanz vor allem darin, dass es den Beginn der Karriere von KREATOR markiert. Bereits der Nachfolger ֧“Pleasure To Kill” spielt in einer ganz anderen Liga, ganz zu schweigen von dem, was danach kommen sollte. Gerade aber jene, die den Zeitpunkt der Veröffentlichung bewusst miterlebt haben, dürften dem Album wiederum mit viel stärkeren Emotionen begegnen …
Kreator - Endless Pain
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Thrash Metal |
| Anzahl Songs | 10 |
| Spieldauer | 38:40 |
| Release | Oktober 1985 |
| Label | Noise Records |
| Trackliste | 1. Endless Pain 2. Total Death 3. Storm Of The Beast 4. Tormentor 5. Son Of Evil 6. Flag Of Hate 7. Cry War 8. Bonebreaker 9. Living In Fear 10. Dying Victims |
