Lex Legion - Lex Legion

Review

Aus der Kategorie “Wie geil, dass die noch mal zusammen Mucke machen”: Mikkey Dee, Hal Patino, Pete Blakk und Andy LaRocque sind die klassische KING-DIAMOND-Besetzung, die auf den Kultalben “‘Them’” und “Conspiracy” spielte. Gemeinsam mit Nils K. Rue von den schon länger ruhenden Progressive Metallern PAGAN’S MIND aus Norwegen machen die 5 nun unter dem Namen LEX LEGION wieder gemeinsam Musik. LaRocque und Blakk bereits seit 2008; der Rest schloss sich 2021 an. Mit MNRK Heavy als Label im Rücken und Andy LaRocque als erfahrenem Produzenten liegen beste Ausgangsbedingungen für ein super Debütalbum vor.

LEX LEGION: KING DIAMOND ohne den King

Bei einer derartigen Konstellation drängt sich natürlich die Frage auf, ob es musikalische Ähnlichkeiten zu KING DIAMOND gibt und falls, ob diese beabsichtigt sind. Obwohl die schlichte und gar nicht mal so gute Fotografie der in Würde gealterten Bandmitglieder natürlich unmissverständlich die Prominenz der beteiligten Musiker zur Schau stellt, die Airbrush-Artworks von Thomas Holm und Thorbjörn Jörgenson, die die frühen Alben von MERCYFUL FATE und KING DIAMOND zierten, wären allerdings schön gewesen und hätten gut zur Atmosphäre des Albums gepasst.

Denn LEX LEGION klingen – ob gewollt oder nicht – deutlich nach einem Tribut an die eigene Vergangenheit, nur eben erkennbar auf der Höhe der Zeit. Der Sound ähnelt “‘Them’” bzw. “Conspiracy” mit etwas mehr Punch und speziell die A-Seite klingt mit Songs wie “Gypsy Tears” und “Sleep Eternally” deutlich an bekannte Momente an. Ihr könnt ja mal raten, an welchen KING-DIAMOND-Song “Sleep Eternally” erinnert. Das ist keineswegs schlecht und wurde von den meisten Leuten sicher auch genau so erwartet.

Dazu ist es eine wahre Freude, endlich wieder ein so technisches und komplexes Drumming von Mikkey Dee zu hören, wie er es bei MOTÖRHEAD und SCORPIONS bekanntermaßen nicht einsetzen konnte und kann. Genauso ist es eine Freude, den Solo-Duellen von Pete Blakk und Andy LaRocque zu lauschen, zwischen denen auch Hal Patino gut zu hörende Kunststücke am Bass abliefern darf. Das alles wird durch die erdige, aber druckvolle Produktion hervorragend unterstützt.

Streitfall: Gesang

Bei allem Lob für die Musiker folgt ein ‘Aber’: Nils K. Rue. Man kann nicht bestreiten, dass er singen kann und eine grundsätzlich adäquate Wahl ist, weil er treffsicher mit dem Falsett umgehen kann. Ähnlich wie bereits das letzte EIDOLON-Album “The Parallel Otherworld” dafür kritisierbar war, wirkt sein Gesang meistens technisch unterkühlt und lässt den authentischen Wahnsinn des Horrorkönigs vermissen. Ohne Frage macht der Mann seine Sache gut – nur eben am Herz vorbei.

Außerdem muss man noch mal erwähnen, dass Bandfotos als Cover für Pop, volkstümliche Musik und Black Metal vorbehalten sind. Die vorliegende Arbeit sieht aus, als hätte das Ding ein Praktikant vor 20 Jahren auf einer Gratis-Testversion von Photoshop vollzogen. Da wäre mehr Liebe drin gewesen. Insgesamt 7,5 Punkte, die im metal.de-System auf 8 aufgerundet werden.

05.06.2026

Redakteur

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