Midnight - Let There Be Witchery

Review

Nach dem bisweilen irritierenden, experimentellen „Sweet Death And Ecstasy“ fand MIDNIGHT-Mastermind Athenar mit „Rebirth By Blasphemy“ zur von den ersten beiden Alben gewohnten Form zurück. Etwas mehr als zwei Jahre später steht der Nachfolger „Let There Be Witchery“ ins Haus – und liefert zehn neue Hymnen für satanische Wohnzimmerrituale.

MIDNIGHT auf Abwegen?

Ein wenig dreht Athenar wieder an den Stellschrauben seines Black-Metal-Punks. Aber eben nur genau so viel, dass die neuen Songs ein frisches Gefühl vermitteln, ohne den gewohnten MIDNIGHT-Spirit vermissen zu lassen.

Nach dem für die Band typischen Höchstgeschwindigkeits-Opener „Telepathic Nightmare“ drücken MIDNIGHT das Gaspedal nämlich nicht ganz so oft durch, wie manche Fans es sich vielleicht wünschen. Doch dafür agiert die Band auf „Let There Be Witchery“ so eingängig wie nie zuvor.

„In Sinful Secrecy“ steht stellvertretend dafür mit Gitarrenmelodien, die zeitweise beinahe an Melodic Rock grenzen sowie einem Mitgröl-Refrain, der live die Bude zum Kochen bringen wird. „Devil Virgin“ wiederum setzt auf Disco-Beats, die AOR-Assoziationen hervorrufen. Ähnliches gilt für den pumpenden Bass mit „Rocky“-Rhythmus in „Villainy Wretched Villainy“. Da läuft die Trainingsmontage direkt vor dem geistigen Auge vorbei.

„Le There Be Witchery“ hält an alten Tugenden fest

Aber keine Angst, trotz aller Eingängigkeit, verlieren MIDNIGHT nichts von ihrem rotzigen Charme. Dafür sorgt die sägende Produktion im Alleingang. Zudem tragen Songs wie das vorpreschende „Let There Be Sodomy“ mit seinem Rasiermesserriff das wohlig-asoziale Gefühl der frühen MIDNIGHT-Tage mit vor stolz geschwellter Brust voran.

Trotzdem wäre es nach „Let There Be Witchery“ nicht verwunderlich, wenn MIDNIGHT-Shows zukünftig in größeren Locations als gewohnt stattfinden. Durch die neu gewonnene Zugänglichkeit dürfte sich Athenar die ein oder andere zusätzliche Fanschicht erschließen, denen der Sound seiner Band bislang vielleicht zu wild war.

Wer MIDNIGHT seit jeher liebt und mit ein bisschen mehr Melodie in seinem rotzigen Metal-Punk klarkommt, wird mit „Let There Be Witchery“ zweifellos glücklich. Aufgrund der leichten Kurskorrektur können Fans traditionellen Metals ebenso gut reinhören. Ein klein wenig mehr Songs im höheren Tempobereich hätten der Platte gutgetan. Doch alles in allem ist der Triumphzug von MIDNIGHT auch im fünften Albumanlauf nicht aufzuhalten.

27.02.2022

"Irgendeiner wartet immer."

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