Nail By Nail - Internal Inferno
Review
Die Karlsruher Black Metaller NAIL BY NAIL haben nur etwas mehr als ein Jahr nach ihrem Debüt „Embraced By Darkness“ schon ihr zweites Album in trockenen Tüchern. Dabei bezieht sich der Titel „Internal Inferno“ allerdings nicht auf Magenverstimmung nach dem übermäßigen Genuss zu scharfen Chilis, sondern wohl eher auf eine seelische und mentale Aufgewühltheit, was sich stellenweise auch musikalisch niederschlägt.
NAIL BY NAIL haben in Sachen Intensität zugelegt
Doch keine Sorge, NAIL BY NAIL gehen nicht mit ausufernden Post-Irgendwas-Geschichten oder schwelgerischer Schuhglotzerei hausieren. Zwar haben die Baden-Württemberger auf „Internal Inferno“ in Sachen emotionaler Intensität ein paar Schippen draufgeschaufelt, zerbrechlich oder verträumt ist daran aber nichts. Der Opener „Katharsis“ etwa reichert den Black Metal des Quintetts mit der Schwere und Melancholie des Doom-Death an und auch Frontmann Phil Heckel growlt hier eher leidgeplagt, als dass er schwarzmetallisch kreischt. Ein Einstieg, der direkt das Tor in den seelischen Abgrund offenbart.
Überhaupt brechen NAIL BY NAIL auf „Internal Inferno“ immer wieder deutlich aus dem musikalischen Korsett des Black Metal aus und tendieren sehr deutlich in Richtung Death Metal schwedischer Schule. Und dabei sind jetzt weder rödelnder HM-2-Elchtod noch die Göteborger-Melodiker gemeint, auch wenn Melodien durchaus nicht zu kurz kommen. Stücke wie „Ride The Beast“ und „Into The Dragon’s Mouth“ erinnern viel mehr streckenweise an die atmosphärische Brachialität früher AMON AMARTH und verbinden diese mit der düsteren Stimmung des Black Metal, was durchaus gut funktioniert. Bei letzterem Stück packt Phil zudem am Ende noch eine Klargesangseinlage oben drauf, die empfindlich an CATTLE DECAPITATION erinnert und dann doch von ein paar post-metallischen Anflügen begleitet wird.
„Above The Black Tower“ wiederum liebäugelt erneut mit doomiger Melancholie, ist aber deutlicher im Black Metal verwurzelt als „Katharsis“ und „Blades Ov Perdition“ widmet sich schließlich von allen Stücken am deutlichsten dem zeitgemäßen, atmosphärisch dichten doch gleichsam aggressiven Dunkelstahl. Bei „The Valley Of Sorrow“ gibt es sogar nochmal ein paar richtige Banger-Momente zu hören, die allerdings vom zutiefst melancholischen, mit unheilvollen Keyboards unterlegten Passagen und sich episch auftürmenden Riffs flankiert werden. Damit setzt einer der stärksten Songs des Albums einen würdigen Schlusspunkt.
„Internal Inferno“ interpretiert Black Metal undogmatisch
Mit „Internal Inferno“ haben NAIL BY NAIL also durchaus wieder ein abwechslungsreiches Album abgeliefert. Ihre Interpretation von Black Metal ist dabei einerseits relativ undogmatisch, andererseits dürfte man aber auch allein schon ob der stockfinsteren, emotional aufwühlenden Grundstimmung bei der Szene-Basis punkten.
Eine gewisse musikalische Nähe zu den Kollegen von IMHA TARIKAT lässt sich dabei nicht ganz verleugnen, deren feurigen Wahnsinn erreichen NAIL BY NAIL aber noch nicht ganz. Auch die Kritik des werten Kollegen zum letzten Album hinsichtlich des Fehlens richtig packender Hits bleibt teilweise bestehen, wobei man hier mit „The Valley Of Sorrow“ schon durchaus auf dem richtigen Weg ist. Wer zeitgemäßen Black Metal schätzt, der zwar nicht mit einem Übermaß an Hooks und den ganz großen Aha-Momenten um sich wirft, dafür aber auf so manche feine Melodie sowie eine in sich schlüssige Gesamtatmosphäre setzt und dabei auch mal über den Tellerrand schaut, ist hier gut bedient.
Nail By Nail - Internal Inferno
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Melodic Black Metal |
| Anzahl Songs | 8 |
| Spieldauer | 41:26 |
| Release | 25.09.2026 |
| Label | War Anthem Records |
| Trackliste | 1. Portas Aperio (Intro) 2. Katharsis 3. Ride The Beast 4. Into The Dragons Mouth 5. Fenestra Silens (Interlude) 6. Above The Black Tower 7. Blades Ov Perdition 8. The Valley Of Sorrow |
