Nocturnal - Serpent Death

Review

Wer erinnert sich an „Storming Evil“ von NOCTURNAL? Gemessen an der Qualität sollten die Songs vom Vorgänger ordentlich nachhallen. Doch zwischen dem 2014er-Werk und dem neuen Album „Serpent Death“ liegen sieben Jahre. Eine satte Zeitspanne, in der auch ein Label-Wechsel stattfand: von High Roller Records zu Dying Victims Productions. Und noch mehr: Bis auf Gründungsdeibel Avenger, der die NOCTURNAL-Flagge im Jahr 2000 hisste und seitdem hochhält, ist niemand aus der vorherigen Ära an Bord.

NOCTURNAL schlängeln sich wieder nach oben

An die Speerspitze des dunklen Thrash Metal – zumindest in hiesigen Breitengraden – spielen sich NOCTURNAL problemlos. Kein unbekanntes Territorium, doch nach so langer Abstinenz und etlichen Wechseln im Gefüge muss sich eine Band auch neu beweisen. Das gelingt schon mit dem Opener von „Serpent Death“, der mit knapp acht Minuten die längste Spieldauer bereithält. Kann man durchaus als mutig verbuchen, den Teufelstanz mit so einem Stück zu eröffnen. Entsprechend wichtig ist der leichte Kurswechsel nach der Liedhälfte, denn ohne die andere instrumentale Facette hätte sich schon früh eine gewisse Eintönigkeit eingestellt. Gegen Ende legt „Black Ritual Tower“ noch einen schönen Sololauf hin.

Es ist immer wieder spannend, wie stimmungsvoll Black Thrash auftreten kann. Das zeigten die Chilenen DEMONIAC mit „So It Goes“ zuletzt eindrucksvoll. Und noch eine Ähnlichkeit ist zu verbuchen: Die Songs wandeln oft an der Grenze zur Verspieltheit. Wer „Serpent Death“ nicht genug Zeit widmet, könnte NOCTURNAL (zu) schnell als Band abstempeln, die nach sieben Jahre Pause einfach zu viel will. Die Gegenbeweise liegen in den Details. Im Nebenbei-Durchlauf fließen die Elemente zusammen und begraben einzelne Highlights. So roh und angriffslustig das Material auch ist, es möchte konzentriert gehört werden.

„Serpent Death“ ist richtig gut, aber nicht großartig

Das vierte Album von NOCTURNAL ist technisch ungeheuer versiert – vermutlich ist es innerhalb der Diskografie dahingehend am anspruchsvollsten. Auf Dauer kann dadurch aber die Griffigkeit leiden. Weil das hin und wieder geschieht und einige Passagen beim ersten und zweiten Hören sogar unrund tönen, sind es „nur“ acht Punkte. Keine Schande. Unterm Strich verströmt „Serpent Death“ genug Gift, um sich auf einem beachtlichen Niveau einzupendeln. In letzter Konsequenz hat die Schlange aber nicht zugebissen.

Fenriz ehrt NOCTURNAL

Schon 2008 haben NOCTURNAL etwas erreicht, wovon viele Bands sicherlich feucht träumen: Ihr Schriftzug landete auf dem DARKTHRONE-Cover von „Dark Thrones and Black Flags“. Auch an „Serpent Death“ dürfte Fenriz seine unheilvolle Freude haben. Immerhin trumpft das Album mit einem analogen Sound auf, der den Spagat zwischen Natürlichkeit und Klarheit gut meistert.

Damit hebt sich „Serpent Death“ klanglich von „Storming Evil“ ab – das war zwar nicht überproduziert, insgesamt aber doch sauberer. Trotzdem punktet das Vorgängeralbum mehr. Zum einen verleiht die Stimme von Tyrannizer den Songs etwas hörbar Eigenes, zum anderen sind die Riffs prägnanter und gleichsam originell. Doch wahrscheinlich wollen NOCTURNAL auch gar nichts vom Direktvergleich hören, sondern ein neues Kapitel aufschlagen.

24.09.2021
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