Demoniac - So It Goes

Review

So kann es gehen: DEMONIAC schielen mit “So It Goes” bereits im Januar in Richtung Thrash-Album des Jahres. Und wer hätte generell gedacht, dass heutiger Blackened Thrash Metal so viel Spaß machen und so aufregend sein kann.

Klar, dass unter dem eingängigen Band-Namen mehrere Gruppen rangieren. DEMONIAC stammen aus Chile und gründeten sich 2011. Im selben Jahr ging das erste Demo an den Start. Rund sechs Monate später erschien die EP „Judgement Of Death” und nach einem weiteren Demo („The Unacceptable Truth”, 2014) folgte mit „Intemperance” im Jahr 2017 das Albumdebüt.

Das sind DEMONIAC aus Chile

Zur aktuellen Besetzung gehören Javier Ortiz am Mikro und an der Rhythmusgitarre, Rodrigo Poblete am Schlagzeug, Nicolas Young an der Leadgitarre und Vicente Pereira am Bass. In der Konstellation haben sie schon die 2012er-EP veröffentlicht. Nicolas Young verließ die Band dann und kehrte nach “The Unacceptable Truth” zurück – das Demo kam unter dem Label Descarga Metálica als Tape raus. Davor war Luciano Leiton für kurze Zeit an der Leadgitarre, doch der Musiker musste sein Engagement aufgrund gesundheitlicher Probleme schnell wieder beenden.

“The Unacceptable Truth” stellt einen hörbaren Entwicklungsschritt dar. Während es davor an allen Ecken und Enden in “War Without End”-Manier oft todesmetallisch bolzte, fallen die Schnitte seit dem 2014er-Demo präziser und klarer aus. Auch ein gehobener technischer Anspruch bis hin zu progressiven Elementen kehren fortan in den Sound der Chilenen ein – der Vergleich mit WARBRINGER funktioniert.

“So It Goes” ist ein Meisterstück

Auf “So It Goes” treiben DEMONIAC ihre musikalische Entwicklung auf die Spitze. Schnell und wild sollen ihre Songs sein, so die Marschroute von Beginn an. Geändert hat sich daran nichts, aber es sind Facetten hinzugekommen. Schon auf den ersten Blick: Während der Vorgänger “Intemperance” drei Songs mehr umfasst, ist die Spielzeit von “So It Goes” länger. Maßgeblichen Anteil daran hat auch der finale Titeltrack. Verdient eine Band, die ein beinahe 20-minütiges Black-Thrash-Lied kreiert, eine Ohrfeige oder einen Pokal? Im Hause DEMONIAC bedeutet das nicht weniger als eine umwerfende Zusammenführung all ihrer Stärken.

Im Opener führen uns Breaks auf unerwartet stimmungsvolle Pfade und wieder zurück. Das Tempo ist in positiver Hinsicht überwiegend wahnwitzig und das Ideenspektrum liegt weit über dem ganzer Alben anderer Bands. Diese Abgrenzung ist hier nötig, denn DEMONIAC agieren in einem eigenen Bereich. Beispiel: “Extraviado” überrascht mit einem jazzigen Einstieg, der beim Gain-Einsatz nicht verstummt, sondern wie selbstverständlich mit dem extremen Metal verschmilzt und den Song schließlich beendet. Danach geht das Schnauzehauen fröhlich weiter.

Trotz eines weit ausschlagenden musikalischen Pendels – von Stakkato bis Klarinette und von melodisch bis brutal – kappen DEMONIAC nie ihre Wurzeln und bleiben grundlegend aggressiv – nicht zuletzt durch die fürs Subgenre so passenden südamerikanischen Vocals.

Experimentell, technisch versiert und gleichzeitig oldschool

Der Mut, mit dem die Chilenen “So It Goes” geschrieben haben, zahlt sich aus und gipfelt im Endstück. Also zurück zur Frage: Ohrfeige oder Pokal? Im Fall von DEMONIAC ganz klar Variante zwei. Gutes Gegenbeispiel: “At War With Satan” von VENOM. Neu ist das Ausreizen der Spielzeit wahrlich nicht. “Worshippers Of The Seventh Tyranny” von IMPIETY ist doppelt so lang und füllt ein komplettes Album. Die Frage lautet immer: Geschieht das nur als Mittel zum Zweck oder ist das Resultat ansprechend abwechslungsreich und mindestens gut?

DEMONIAC kredenzen ein fantastisches Ergebnis und bedienen den Abwechslungsaspekt auf einmalige Weise. Oder was passiert da kurz vor der 13-Minuten-Marke? Die Passage klingt wie eine leicht melancholische Zirkusmusik – also in der Theorie leicht Banane, aus den Instrumenten von DEMONIAC und im Kontext des bisher auf “So It Goes” Gehörten aber erstklassig.

Warum erhält das Zweitwerk von DEMONIAC nicht die Höchstnote? Es bleibt zu hoffen, dass die Band mit dem dritten Album selbst die Antwort liefert.

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22.01.2021

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