



Das sibirische Duo NYTT LAND ist sehr produktiv und haut fast jedes Jahr ein Album raus. „Aba Khan“ – mittlerweile über Prophecy Productions – ist Nummer 10 und das vierte seit „Ritual“, zu dem wir die Band zuletzt rezensiert haben. Da passt es gut, dass NYTT LAND mit „Aba Khan“ genau an dieses Album anschließen möchten. Sie bewegen sich irgendwo zwischen Nordic Folk und ihrer Heimat Sibirien. Diese haben sie laut Begleittext ein Jahr lang für das Album bereist und verschiedene indigene Gruppen besucht. Bei „Ritual“ waren dem rezensierenden Kollegen gewisse Inkongruenzen aufgestoßen. NYTT LAND nahmen Bezug auf Sibirien, sprachlich und inhaltlich dominierte aber das klassisch Nordische. „Aba Khan“ ist da einen Schritt weiter.
„Aba Khan“ passt in seine Nische
Der Opener und Titeltrack entpuppt sich als Intro, das mit reduzierter Instrumentierung und einer Rezitation eine Beschwörungsformel darstellen mag. Die entstehende düstere Atmosphäre wird uns später öfter begegnen, doch bei „Taiga“ geht es vorerst mit herkömmlichem Nordic Folk weiter. WARDRUNA-Vergleiche wurden bereits zu Genüge angestellt und sind sicher zutreffend. Hier lassen ebenfalls die französischen Kolleg:innen SKÁLD grüßen. Auch der obligatorische HEILUNG-Vergleich sei hiermit abgefrühstückt, allerdings channelt die Band diese erst später. So klingt ein Part mit Kehlgesang in „The Oath“ sehr ähnlich wie eine Stelle in „Alfadhirhaiti“ auf dem HEILUNG-Album „Ofnir“. Nicht mehr vorhanden sind Titel, die eindeutig der nordischen Mythologie entspringen.
NYTT LAND – authentisch oder verklärt?
Obwohl sich eine genrebedingte Monotonie eingeschlichen hat, überzeugen die meisten Stücke durch eine kontemplative Qualität. „Totem“ gelingt ein hypnotischer Effekt und vor allem der Rausschmeißer „Tygir Tayii (Heavenly Sacrifice)“ reißt mit. Nur „Uitag“, mehr Hörspiel als Song, dafür mit über fünf Minuten aber deutlich zu lang, fällt durch. NYTT LAND bedienen ihre Nische gekonnt, denn sie kreieren ein harmonisches Zusammenspiel der verschiedenen Gesangsstile und der Instrumentierung. Diese ist meist vielschichtig, ohne überladen zu wirken.
Insgesamt hätten es trotzdem ein paar Spannungsbögen mehr sein dürfen, denn stellenweise plätschert „Aba Khan“ vor sich hin. Ob die beabsichtigte schamanisch-ritualistische Wirkung rüberkommt, lässt sich nicht pauschal sagen. Etwas gimmicky wirkt das alles schon, doch darüber zu grübeln, was hier als authentisch gelten darf, ist ohne ein hohes Maß an fachlicher Expertise sowieso zwecklos. Zumindest die verklärte Version der ursprünglichen Naturreligion, wie wir sie heute kennen und die sogar zutreffen mag, haben NYTT LAND gut getroffen. Für Genrefans ein sicheres Geschäft; Zaungäste werden sich weiterhin an die großen Namen halten.

Angela































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