Nytt Land - Ritual

Review

Soundcheck August 2021# 19

Auf ganze fünf Alben in den letzten fünf Jahren hat es die sibirische Folk-Formation NYTT LAND gebracht. Eine ziemlich beeindruckende Schlagzahl, auch wenn die Gruppe um das Ehepaar Natasha „Baba Yaga“ Pakhalenko und Anatoly „Shaman“ Pakhalenko damit zumindest hierzulande noch nicht allzu viel Aufmerksamkeit erregen konnte. Napalm Records ist allerdings sehr wohl auf NYTT LAND aufmerksam geworden, nahm diese unter Vertrag und bewirbt das in den Startlöchern stehende sechste Album „Ritual“ direkt als neues Futter für Fans von Dark-Folk-Hochkarätern wie HEILUNG, WARDRUNA oder RUNAHILD. Haben wir hier also wirklich einen neuen Stern am Folk-Himmel, oder wurde da ein wenig zu hoch gegriffen?

NYTT LAND – Sibirisch? Skandinavisch? Beides?

Musikalisch aber ganz besonders optisch ist eine Ähnlichkeit zu den genannten Bands, allen voran natürlich HEILUNG, tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Gerade die aufwändig inszenierten Videos machen ordentlich etwas her. Eines ist jedoch trotzdem ein wenig befremdlich. Zwar beschwört der Waschzettel die „authentische, uralte sibirische Kultur“, von der der Dark Folk von NYTT LAND inspiriert sei und dies mag wenigstens im Song „U-Gra“ sogar der Fall sein, der offenbar auf einer Legende um einen sibirischen Eingeborenenstamm basiert. Dennoch wird – mit Ausnahme von zwei Songs – auf altisländisch gesungen und sich auch weitgehend auf die Edda bezogen. Dabei soll den beteiligten Musikern ihre ehrliche Faszination für die Sagen des alten Skandinaviens gar nicht abgesprochen werden. Authentizität geht dennoch anders.

Aber wie steht es um die musikalische Qualität, wenn man das Songmaterial auf „Ritual“ einmal nur für sich betrachtet? Schamanin „Baba Yaga“ und ihre Mitstreiter schaffen es zumindest, eine düstere und zunächst auch spannende Atmosphäre zu erschaffen, wobei der Kehlkopfgesang der beiden Protagonisten natürlich als erster hängen bleibt. Dieser ist in ähnlicher Form zwar auch bei HEILUNG präsent, erinnert hier aber eher ein wenig an die mongolische Variante, wie sie THE HU einsetzen. Über kleine Pausen und Tempowechsel soll die Aufmerksamkeit des Hörers außerdem hoch gehalten werden. Leider gelingt dies bereits im eröffnenden Titeltrack nur bis zu einem gewissen Punkt, denn sowohl die monotonen Gesänge als auch die eher minimalistische Instrumentierung laden nicht gerade zum Betätigen der Repeat-Taste ein.

„The Fires Of Ragnarok“ kann zwar mit donnernden Trommeln punkten, diese sind aber tatsächlich das einzige Highlight in einem ansonsten verdammt eintönigen Track, der außerdem von eher unpassend wirkenden Elektronik-Spielereien durchzogen wird. „The Birth of a Shaman“ bietet erstmals zumindest einigermaßen einprägsame Gesangslinien, erneut sind aber die eingesetzten Synthesizer ein gewisser Störfaktor, da durch sie teilweise auch die anderen Instrumente und der Gesang verzerrt werden. Während das eher balladeske „Dead Man’s Dance“ absolut in Ordnung geht, ist das bereits angesprochene „U-Gra“ klares Highlight der Platte, da hier endlich einmal ein Hauptthema zum Einsatz kommt, dass es schafft über die volle Spielzeit zu faszinieren. Während „Gróttasöngr“ noch einmal einigermaßen überzeugen kann, ergehen sich „Svartravn“ und das abschließende Instrumental in endloser Wiederholung von bereits gehörtem in nur minimaler Variation.

Arm an Highlights – „Ritual“

Es fehlt auf der einen Seite das innovative und die Kauzigkeit von HEILUNG und auf der anderen die Authentizität und die Akribie eines Einar Selvik mit WARDRUNA. So bleibt NYTT LAND zwar handwerklich stellenweise gut gemacht und zumindest optisch gut umgesetzt. Unter dem Strich ist „Ritual“ aber ein wenig aufregendes, oftmals zu eintöniges Werk, das arm an Highlights ist und dem manchmal eben auch der fade Beigeschmack einer Kopie bekannter Formationen anhaftet.

Auch der Charme von Projekten wie EMPYRIUM oder WOLCENSMEN, die sich jeweils durch das Verschmelzen der ganz eigenen Ursprünge ihrer Mitglieder mit Neofolk auszeichnen, fehlt NYTT LAND über weite Strecken. „Ritual“ wirkt eher wie ein krudes Sammelsurium verschiedener Ideen, die nicht so recht zusammen passen wollen, als könne man sich nicht zwischen den verschiedenen Kulturen entscheiden, sei sich nicht sicher ob man nun lieber authentisch oder modern klingen möchte. Der letztlich entstehende Mix geht zwar noch okay, dürfte aber vermutlich nur die wenigsten eingefleischten Folk-Enthusiasten begeistern können. Wenn überhaupt.

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04.08.2021

Time doesn't heal - it only makes you forget.

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