Obscurity - Ascheregen

Review

Bei OBSCURITY steht mit „Ascheregen“ das zehnte Studioalbum ins Haus. Große Überraschungen waren gemessen an der bisherigen Diskografie nicht zu erwarten. Tatsächlich kredenzen OBSCURITY hier gut gemachten, dabei aber sehr herkömmlichen Pagan Metal. Das Substrat bildet weiterhin der Melodic Death; Einsprengsel aus dem Black Metal bleiben erhalten. In unserem Januar-Soundcheck ist „Ascheregen“ mit einer Durchschnittswertung von 5,4 Punkten auf einem der hinteren Plätze gelandet. Eine durchaus passende Platzierung, denn obwohl das Album definitiv seine Stärken hat, gibt es einige Kritikpunkte.

OBSCURITY setzen nicht nur ihre Stärken in Szene

Der Opener „Initium Dekadentiae“ beginnt mit etwas Vorgeplänkel, prügelt dann druckvoll los und hinterlässt einen guten Eindruck. Treibende Riffs und ein Gespür für Melodien sind zwei definitive Stärken, die die Band im Verlauf der Platte unter Beweis stellt. So überzeugen vor allem die schnellen Parts, während die Midtempo-Passagen und schleppenden Stellen hintanstehen. Mit eingängigen Refrains punkten OBSCURITY ebenfalls. Das Feature von MÅNEGARM-Sänger Erik Grawsiö bei „Rúnar Víg“ ist ein Bonbon nicht nur für die Hörer:innen, sondern auch für die Band, die sich damit einen großen Wunsch erfüllt hat.

Es hat sich jedoch – nicht zum ersten Mal – ein gewisser Gleichklang eingeschlichen. Zudem sind die Stücke recht simpel gestrickt, und das, obwohl der Begleittext „insgesamt gereiftere Songstrukturen“ verspricht. Beim Hören fällt ein Gewöhnungseffekt auf, der sukzessive das Interesse mindert und die Gedanken abschweifen lässt. Erst der Rausschmeißer „Dystopie und Schwanengesang“ lässt wieder aufhorchen, denn er bietet besonders beim Drumming und an den Gitarren nochmal interessante Momente.

Kein lyrisches Gold auf „Ascheregen“

Auch die Texte müssen hier kurz thematisiert werden. „Alberne Schlachtenromantik oder doch eher augenzwinkernd typisch Metal“, sinnierte der rezensierende Kollege bei „Streitmacht“. „[T]extlich viel zu peinlich“, heißt es deutlicher bei „Várar“. Die Lyrics sind in der Tat eine Gratwanderung. Wenn bei „Ketzerjagd“ mit viel Pathos „sterbe den Märtyrertod!“ proklamiert wird und Goethe sich auch sonst im Grab umdreht, werden die Texte der soliden Musik nicht gerecht. Andererseits bedienen OBSCURITY schlichtweg ihre Nische. Mit einer Kampfansage an die Christianisierung ist die Intention zudem löblich. Einen Punkt Abzug gibt es trotzdem. Wie bereits am Ende anderer Reviews zur Band stand: eingefleischte Fans können beruhigt zugreifen.

23.01.2026

headbanging herbivore with a camera

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