Stoned Jesus - Songs To Moon

Review

STONED JESUS offerieren „Songs To Moon“. „Songs To Sun“ kam vorher und folgen wird „Songs To Earth“. Und ja: Die Oden an den Mond tragen ihren Namen zurecht. Denn zwar existiert die laute Fuzz-Gitarre auch 2026 im Kosmos des STONED JESUS. Seine Musik hat aber abgesehen davon mit dem ursprünglichen voluminösen Wüstensound der Band kaum noch etwas zu tun. Sie ist dunkel leuchtend statt rotglühend, oftmals melancholisch-verträumt, mitunter durch verschachtelte Prog-Rhythmik geprägt und greift nur an ausgewählten Stellen im Sinne der Dynamik auf das verzerrte Riff zurück. Damit gleiten STONED JESUS großteils durch den weiten Nachthimmel des Post-Metal, eher noch: Rock. Teilweise streifen sie die leisesten, grüblerischsten Momente des Grunge. Die heißen Stoner-Dünen surfen andere.

STONED JESUS sind leise am besten

Und ehrlich: Vielleicht sehnt sich der Namensgeber der Ukrainer heute heimlich eher nach einer Steinigung denn einer Sportzigarette. Vielleicht sind die Zeiten einfach solche.
Wenn STONED JESUS reduziert agieren, sind die „Songs To Moon“ gar am packendsten. Das sprechend betitelte „One More Empty Day“ beschließt das Album mit Akustikgitarre und dem eindringlich-verzweifelten Gesang Igor Sydorenkos. Der Mann kommt zwar weder an das Pathos eines Eddie Vedder noch die existenzielle Schwere eines Layne Staley heran – wie auch –, das Stück hängt dem Auditorium zum Abschluss aber doch ein beträchtliches Gewicht an die Seele. „Window In My Room“ hatte das Lebenssinn-Lamento zuvor über gut acht Minuten rund um die zentrale Zeile „And when the sun goes down, it brightens up my mood …“ vorbereitet. Auch „Velvet“ sucht sein Heil weniger in den Dezibel, sondern blickt wie melodisch nicht ganz so brillante WEEZER of Doom enthusiastisch auf die eigenen Schuhe.

„Songs To Moon“ zielt nicht aufs Wohlbefinden

Härter ist das dramatische „Jackal“ angelegt: Zum Einstieg geben STONED JESUS eine diskret-düstere SABBATH-Andeutung, um dann über ein stampfendes QOTSA-Riff als Anlauf schließlich wie straighte MASTODON loszupreschen. Ohne allerdings deren erdrückende Kraft zu erreichen. „Under The Skin“ als Opener setzt ebenfalls auf die verzerrte Gitarre und zum Teil tribalartige Drums. Mit ein wenig Fantasie geben die Herren hier eine ausgekühlte Light-Version von NEUROSIS. Welche Assoziationen die abwechslungsreichen „Songs To Moon“ individuell auch wecken mögen – sie sind mit großer Wahrscheinlichkeit nicht schön im engeren Sinne. Empfehlenswert ist das Album gerade deshalb. Und hier womöglich noch unterbewertet.

09.10.2026
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