Stryper - Throne Of Thorns

Review

Wenn es um christlichen Metal geht, dann sind STRYPER aus Kalifornien nicht nur einer der ältesten und bekanntesten Vertreter, sondern angesichts ihrer Bandhistorie vielleicht auch einer der Kontroversesten. Die Gründe sind mehrdimensional und reichen von Bibelwürfen auf frühen Konzerten, über die zwischenzeitliche Auflösung mit Imagewechsel bis hin zur musikalischen Veränderung hin zu mehr Schmalzigkeit. Wer Abneigung sucht, der findet. Zugegeben, aus dem Fundus der zuletzt fast jährlichen Full-Length-Veröffentlichungen war nicht alles Gold, was glänzt, wenngleich die Kritiken manchmal in diesem besonderen Fall besonders vernichtend auszufallen schienen.

Prellbock der Szene

Beim sechzehnten Album der Westküstler mit dem Titel „Throne Of Thorns“ kann man den Vorwurf nach uninspirierter Vertragsarbeit jedenfalls nicht gelten lassen, denn STRYPER liefern die komplette Bandbreite ihres Fundus, und das in hoher Qualität. Natürlich loten Songs wie „Here In Your Heart“ oder „Waiting For You“ die Schleimgrenzen des AOR ziemlich weit aus, die himmlisch choralen Refrains haben ein bisschen was vom Singkreis der Konfifreizeit, und doch kann man sich dem Ganzen schwer entziehen. Außerdem sind die Kontraste durch die formidable Gitarrenarbeit von Michael Sweet und Oz Fox stets präsent und die virtuosen Soli holen den Hörer vom Bibelkreis in den Rockolymp.

Dazu sind etwa mit dem Titeltrack oder dem Abschluss „Shadowbreaker“, einer der besten STRYPER-Songs des letzten Jahrzehnts, auch ein paar dicke Kanten am Start, welche endlich wieder Heavy Metal atmen. Mit dem markant angestrengten Gesang von Sweet muss man natürlich auch auf „Throne Of Thorns“ klarkommen, die richtige Theatralik legt der 63-Jährige aber immer noch in die Stücke und schießt zielsicher auf die Tonleiter.

Messwein schmeckt auch

Während man sich zuletzt manchmal die Frage stellen musste, ob die Ideen bis zur Hälfte der Album-Setlist bereits mehrfach wiederholt wurden, gibt es auf „Throne Of Thorns“ einiges zu entdecken. Zum Beispiel den Kontrast aus brachialem Heavy-Riffing und einem Refrain von der Himmelspforte bei „Carry The Flame“ oder „Ashes To Roses“, was Jesse Katsopolis bei Full House hätte vorstellen können. Doch, doch, der Messwein in der Kirche schmeckt auch.

12.10.2026
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