Synchronic -

Review

Hach, da war solche Vorfreude… und deswegen gleich ein Spoiler zu Anfang: Der Film geht nicht gut aus und ist auch nicht besonders gut. Schade, denn der Trailer zum Science-Fiction-Thriller „Synchronic“ sah nicht schlecht aus, das Zeitreise-Thema hatte die sogenannte Hoffnung des Kinos, „Tenet“ erst letzes Jahr wieder auf die Tagesordnung gebracht und auch das Konzept von „Synchronic“ liest sich auf dem Papier erst mal gut. Was hier mit zugegeben nicht ansatzweise vergleichsweisen Mitteln gegenüber genannten Blockbuster allerdings gemacht wurde, ist zwar einerseits auf tricktechnischer Seite beeindruckend, was den öden Plot aber keineswegs rettet.

„Synchronic“ hat vielversprechende Zutaten, macht aber nichts daraus

Die beiden Regisseure Justin Benson und Aaron Moorhead haben noch nicht viel auf ihrer Visitenkarte, aber konnten durchaus schon für ihre Produktionen „Resolution“ und „Spring: Love Is A Master“ Lorbeeren einheimsen. Mit Anthony Mackie und Jamie Dornan gibt es erstmals ein wenig „Star“-Power, auch wenn die zwei natürlich nicht mit den ganz Großen zu vergleichen sind. Für „Synchronic“ haben Benson und Moorhead eigentlich ein neues und interessantes Rahmenkonzept auf die Beine gestellt: Zwei Sanitäter, die auch ziemlich gute Freunde sind, immerhin ist Steve Patenonkel von Denny’s Tochter, werden zu skurrilen Mordfällen und Unfällen gerufen: Spontane Selbstentzündung, Schlangenbisse von nicht endemischen Arten, historische Schwerter. Als dann auch noch eine neuartige Designerdroge erscheint, die einen angeblich in der Zeit reisen lassen kann, Denny’s Tochter verschwindet und Denny und Steve noch ganz andere, persönliche Tragödien plagen, überschlagen sich die Ereignisse.

Auch „Starpower“ von Anthony Mackie rettet diesen Film nicht

Anthony Mackie als Schauspieler, der trotz anfänglicher Buddy-Movie Vibes in der zweiten Filmhälfte die eigentliche Hauptfigur verkörpert, ist immer schon ein wenig Hit or Miss gewesen. Neben seinen in der Regel überzeugenden Auftritten in großen Blockbuster-Produktionen wie „The Hurt Locker“ oder auch kurzen Auftritten in den „Captain America“-Ablegern, gibt er sich auch erstaunlich oft für sehr kleine Independent Produktionen her, in denen er nicht immer wirklich glänzt und seine Standardrolle des harten, aber immer noch irgendwo ein bisschen verletzlichen Machos, ausfüllt.

So ist es auch hier, die Leistung ist nicht sonderlich gut und trotzdem ist sein Schauspiel beinahe das einzige, was diesen Film sonst irgendwie in der zweiten Hälfte trägt. Über ein paar blasse Charakterzeichnungen mit absolut schrecklichen Dialogen, die derart gestelzt wirken, dass man sich fragt ob Menschen tatsächlich so reden, kommen hier auch die anderen Schauspielerinnen wie Katie Aselton oder Ally Ioannidis nicht hinaus. Weder die verzweifelte Ehefrau, die Teenie-Tochter im schwierigen Alter oder die Drogis wirken in diesem Film irgendwie überzeugend.

„Synchronic“ ist das Low-Budget anzumerken, was aber nicht das Problem des Films ist

Nolans „Tenet“ lässt die Rahmenhandlung als bloße Fassade stehen, konzentriert sich komplett aufs Konzept und macht das dem Zuschauer auch überaus deutlich (der Hauptdarsteller ist lediglich „Der Protagonist“, es heißt wortwörtlich im Film „Versuchen Sie es nicht zu verstehen, fühlen Sie es.“). Dadurch kann der Film sich aber auch ganz auf sein Gimmick konzentrieren und der Zuschauer verlässt den Kinosaal definitiv mit einem anderen Verständnis und einer Vorstellung von Zeit. Auftrag quasi erfüllt.

„Synchronic“ will alles auf einmal sein: Milieustudie, Buddy-Movie, Familiendrama, Mystery, Sci-Fi. Kein einziger Aspekt überzeugt hier. Die philosophische Tiefe, die manch anderer Kritiker hier sehen möchte (es gehe um das aktuelle Amerika, Rassismus, die Auswirkungen der Vergangenheit auf die Zukunft, die Unbeständigkeit des Subjekts usw.) sind hier beim besten Willen entweder gar nicht zu erkennen oder ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Da kann ich auch aus meinem morgendlichen Kaffeesatz Dinge rauslesen.

Aber gut, philosophische Tiefe braucht es für einen unterhaltsamen Sci-Fi-Thriller auch nicht zwingend. Jedoch überzeugt „Synchronic“ ebenfalls nicht auf unterhaltsamer Ebene, dazu braucht die Handlung zu lange, bis sie wirklich Fahrt aufnimmt. Das Zeitreisekonzept mithilfe von Drogen wird dann irgendwie esoterisch aufgelöst und am Ende ist man so schlau wie vorher. Eine Emotionalität, die uns am Ende des Films mitnehmen soll, entsteht nicht, vielmehr wirkt es beinahe tragikomisch.

Somit bleibt als einziges interessantes Feature das Making-Of als Bonusmaterial, welches zeigt, wie für einen Film mit so einem geringen Budget und ohne großes Storyboarding die für das Level gar nicht so schlechten CGI-Effekte aber auch Szenen zusammengeschustert wurden. Eine nette Dreingabe, aber zieht den Karren auch nicht aus dem Dreck. Schade, „Synchronic“ hat ein interessantes Konzept, fähige Menschen an und hinter der Kamera und trotzdem nicht viel zu bieten.

03.05.2021

"You can't spell Funeral without Fun!"

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