Turbonegro - Never Is Forever

Review

Das was hier inszeniert wird, ist weder neu, noch innovativ. „Never Is Forever“ ist ein so erfolgreiches wie konsequentes Unterbieten, was Songwriting, Sound, Hybris, Riffstärke und Arschtret-Faktor der fünf beleibten Norweger angeht. Die Behäbigkeit im Schaffen der Deathpunks anzuprangern, hieße, erzkonservativen Katholiken ihren Glauben vorzuwerfen. Ob nun auf ihrer zweiten Platte oder auf dem erst kürzlich veröffentlichten „Retox“, die einzelnen Bauteile wurden nur unmerklich variiert. Man weiß, was man bekommt. TURBONEGRO eben.

Die Geilheit hängt hier, wo sie hingehört. Zwischen den Beinen. Kein gestelzter und aufgeblasener Melody-Punk, aber auch kein verschlafener Rock, ihnen gelingt die Räudigkeit BLACK FLAGs mit einem unterschwelligen Pop-Appeal zu verschmelzen. Eine perfekte Symbiose. Anstatt sich ständig in den eigenen Schwanz zu beißen, beugt man der Wiederholung des Konzepts mit kleinen gelungenen Einaktern und Intermezzos vor: Disco-Beats hier, eine von Akustikgitarren getragene Hymne („I Will Never Die“), die geradezu zum Mitgröl-Duell einlädt, dort. Dass nicht alle Songs rundum gelungen sind, die Platte zum Ende hin ihre Hänger hat, muss man verzeihen. TURBONEGRO eben.

Titel wie „Suburban Prince’s Death Song“ oder „Pain In Der Arsch Pocket Full Of Cash“ weisen auf ihre Lust am Klischee hin, auf die Groteske des Banalen, zeugen von einem unnachahmlichen Humor. Wobei einem ein Titel wie „Übermensch“ oder die RAF-Illustration im Booklet bitter aufstoßen kann. Alles Kalkül? Natürlich, alles ein abgekartetes Spiel, das versteht sich von selbst. Und was wäre die Rock-Geschichte nur ohne ihre stumpfen Provokationen und Skandälchen. Das Fettnäpfchen, in das sie nicht treten, muss übrigens erst noch erfunden werden. Diesen plumpen Humor wussten sie schon immer als schelmische Schubdüse zu nutzen, um ihrem Prekariatsrock eine ganz spezielle Note einzuverleiben. TURBONEGRO eben.

25.11.2007
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