EMP - 4 Decades Of Passion
1986 - Das Sodom-Shirt

Special

Nineteeneightysix: Als Kassetten noch pures Gold waren

Die 80er werden heute immer noch mit dem „Tape-Trading“ in Verbindung gebracht. Ganz ohne Internet und auf Smartphones vorinstallierter Recording-Software, mussten Musikschaffende alle Ressourcen ausschöpfen und ihre Kunst auf Tonträger speichern. Damals wurde das über eine elektromagnetische Aufzeichnung auf einem Tonband erledigt, das wiederum in einem Plastikgehäuse aufgewickelt wurde. Kurz: Die Kompaktkassette.

Künstler:innen brachten ihre Musik unter die Leute, indem die Kassetten dann an Labels, andere Bands und Freunde versendet wurden. Je nach verfügbarem Kleingeld konnten sich Bands dadurch sogar auf anderen Kontinenten einen gewissen Bekanntheitsgrad verschaffen. Je größer das eigene Netzwerk wurde, desto höher wurden die Chancen, von einem Label entdeckt zu werden.

Auch von sogenannten „Ochsentouren“ erzählen heute Dabeigewesene immer noch gern. Bands reisten auf eigene Kosten, eingepfercht in viel zu kleine Fahrzeuge, durch die Lande, um vor kleinem Publikum für eine bescheidene Bezahlung aufzutreten. Mit der richtigen Dosierung aus Durchhaltevermögen, Entschlossenheit und Talent sind daraus später beispiellose Karrieren entstanden.

Aber wie war das damals eigentlich für die Fans? Alben wurden wiederum auf Kassetten überspielt, vielgeliebte Mix-Tapes mit persönlichen Song-Highlights im Freundeskreis in Umlauf gebracht und Platten ausgeliehen (und manchmal nicht zurückgegeben). Um neue Bands zu entdecken, war ein Netzwerk oder eine gewisse Risikobereitschaft erforderlich. Vinyl und CDs mussten nämlich oft umständlich aus Übersee geordert werden.

Wollte man der Loyalität mit den Lieblingsbands ein Gesicht verleihen, führte kein Weg am liebsten Gewand der Metal-Szene vorbei: Dem Band-Shirt. In Zeiten, als unsere Eltern selbst noch fast Kinder und Webshops noch vage Visionen von Zukunftsdeutenden waren, blieben die Möglichkeiten an das gewünschte Stück Baumwolle zu gelangen, begrenzt.

EMP-Katalog 1988

Sicher, auf Konzerten wurden auch damals schon Tour-Shirts angeboten. Ansonsten mussten unzählige Metalheads selbst zu Kunstschaffenden werden, indem sie zum Edding, dem weißen Fruit-Of-The-Loom-Rohling und einem Plattencover griffen. Selbstbemalte Oberbekleidung, die oft nicht einmal gut gelungen war, konnte man in den 80ern noch häufig beim Streifzug durch Plattenläden oder auf Konzerten entdecken.

Das Phrasenschwein gerät in Verzückung, denn: „Von Fans für Fans“

Lethmate muss einer dieser Metalheads gewesen sein, denn als passionierter Vinylsammler, kannte er die Probleme bei der Beschaffung und Verbreitung von Musik und den dazugehörigen Utensilien sicherlich nur zu gut. Eine zentrale Anlaufstelle für deutsche Metalheads war dringend nötig und so wurden seine eigenen vier Wände zum EMP-Headquarter umfunktioniert, in dem Lethmate in einer Art Zwei-Schicht-System arbeitete. Tagsüber ging er einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann nach, abends gab er sich seiner Passion hin und versorgte das Metal-Deutschland mit Musik und Merchandise.

Die frühen Kataloge tippte Lethmate noch eigenhändig auf der Schreibmaschine ab. Anschließend wurden die Seiten nicht etwa gebunden. Nach einem langen Arbeitstag im Ausbildungsbetrieb, griff Lethmate zum Tacker und klammerte den Katalog in Fanzine-Manier zusammen. Die Marke-Eigenbau-Ästhetik schwappte also bis in alle Ecken der Szene. Für die deutsche Heavy-Metal-Gemeinde war die Gründung von „Exclusive Merchandise Products“ ein wahrer Segen, denn der ausgetrocknete Edding konnte endlich an den Nagel gehängt werden.

Der Katalog ging schnell viral, indem er kopiert, verliehen oder reihum weitergereicht wurde und viele Bands aus Übersee fanden erste Aufmerksamkeit in Deutschland. Eine gewisse Thrash-Metal-Band aus Gelsenkirchen namens SODOM war dann die erste, die Shirts über EMP in Auftrag gegeben hat. Die exklusiven Vertriebsrechte blieben bei Felix Lethmate – ein sinnvoller und cleverer Schachzug. TANKARD, HELLOWEEN und DESTRUCTION folgten. Der Grundstein war also gelegt.

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27.02.2026

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