Metallica
Wer "Load" sagt, muss auch "ReLoad" sagen
Special
Wer „Load“ sagt, muss auch „ReLoad“ sagen. Wer die 1839 Minuten der im vergangenen Jahr erschienenen Deluxe-Box quergehört hat, muss das auch für den Folgerelease tun. Das bedeutet, dass wir auch den zweiten Teil der experimentelleren Phase von METALLICA gebührend beleuchten. Wem die Dreifach-CD nicht genug ist, der kann hier voll und ganz in den 90er-Kosmos der Thrash-Metal-Band eintauchen.
Das „ReLoad“-Boxset besteht – ähnlich wie sein Vorgänger – aus einem Haufen Datenträgern, bei denen man sich dieses Mal die Angabe der Laufzeit gespart hat. Sucht man im Internet, findet man 1758 Minuten als Referenzwert – eine ähnlich monumentale Spielzeit. Was steckt also in der „ReLoad“-Box, wie schlägt sich das Album im Vergleich zu seinem direkten Vorgänger – und sind da wieder Rinderblut und Ejakulat auf dem Cover?
METALLICA und „ReLoad“ – Entstehung, musikalische Ausrichtung und Cover
METALLICA haben „Load“ und „ReLoad“ in einem Rutsch geschrieben und die Veröffentlichungen um 15 Monate versetzt. Das ist sinnvoll, denn selbst die reinen Alben reizen die damalige Spielzeit einer Compact Disc nahezu vollständig aus.
Wie auf dem Vorgänger gibt es auch auf „ReLoad“ allerlei Experimente. Zwar eröffnet mit „Fuel“ ein straighter Metal-Song das Album, doch es finden sich ebenso ungewöhnliche Ideen. Marianne Faithfull singt den Background-Gesang auf „The Memory Remains“ und mit „The Unforgiven II“ bekommt eines der bekanntesten Stücke des schwarzen Albums eine Fortsetzung.
Konstant bleibt auch das Cover: Künstler Andres Serrano hatte offenbar genug davon, sich einen von der Palme zu wedeln und nannte sein Bild „Blood And Urine“ – ja, es ist genau das, was ihr denkt.
Die Inhalte der „ReLoad“-Box
Kollege Torsten Paßmann veröffentlicht ergänzend eine Rezension zur 3CD-Deluxe-Version, sodass wir uns dem Material der Box widmen. Neben dem Album auf zwei LPs und einer CD findet sich reichlich zusätzliches Material, das dem der ersten Box ähnelt.
Eine Fortsetzung finden die „Shadowcast“-CDs, auf denen sich Demos, einzelne Takes, unveröffentlichte oder seltene Mix-Versionen und andere Besonderheiten befinden. Für Die-Hard-Fans und Musiker:innen sind sie spannend, weil sie bei vielen Stücken den Werdegang und Reifeprozess dokumentieren. Ob man allerdings wirklich ein halbes Dutzend Rough Mixes oder Studio-Takes von „Fuel“ braucht, sei dahingestellt.
Deutlich spannender für alle Hörer:innen sind die Liveaufnahmen. 30 Jahre alte Setlists zu analysieren, Songs live zu hören, die heute meist hinten runterfallen, und den Zustand einer Band vor dem Zusammenbruch einzelner Mitglieder zu betrachten, ist interessant. METALLICA haben jedoch nahezu alles aus dem Nähkästchen geplündert, sodass man nicht nur die „ReLoad“-Songs in zahlreichen Livefassungen hört, sondern auch den Rest der Diskografie. Naja, „Master Of Puppets“ macht auch nach dem elften Mal noch Spaß.
Auf den DVDs – erneut stellt sich die Frage, warum man keine Blu-rays genommen hat – finden sich alle Musikvideos der „ReLoad“-Ära, Fernsehaufnahmen und weitere Liveauftritte. Sie runden das umfangreiche Paket ab.
Wer braucht die „ReLoad“-Box?
Es sieht wirklich schick aus, wenn die dicken Boxen der alten METALLICA-Alben nebeneinander im Regal stehen – es zeugt aber auch von finanzieller Unvernunft. Man sollte sich die Alben der Band zulegen, die einem am meisten bedeuten. Sind das „Load“ und „ReLoad“, bieten die beiden Boxen eine vollständige Sammlung von allem, was die Thrasher in dieser Zeit veröffentlicht haben.
Natürlich ist auch das Remaster des Albums ein Ohr wert. Wem es jedoch nur darauf ankommt, der ist mit dem normalen Digipak bestens bedient. Die „ReLoad“-Box richtet sich an Die-Hard-Fans, Komplettisten und alle, die nicht genug bekommen können.
