Summoning
Das meint die Redaktion zu "Old Morning's Dawn"

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Summoning

Seit einigen Wochen verzaubert SUMMONINGs neues Album „Old Morning’s Dawn“ jetzt Fans von fantasievollem Black Metal. Auch in unserer Redaktion ist das Comebackalbum der Österreicher nicht nur im Review gut weggekommen, sondern begeistert auch weitere Teile der black metal-affinen Schreiberschaft. Wer nie wirklich einen Bezug zu SUMMONING hatte, wer etwas enttäuscht ist und wen die Platte auf ganzer Länge umgehauen hat, könnt ihr im Folgenden lesen.

Zu Beginn eine kurze Klarstellung: Mit SUMMONING hatte ich nie wirklich viel zu tun, zum einen, weil es meinerseits nur bedingt Interesse gab, zum anderen, weil es sich auch nie so richtig ergeben hat. So habe ich bis heute nur die gitarrenlose „Lost Tales“-EP in meinem Besitz, die auch einige Male in meinem Player rotiert ist, sich aber nie zu einem Dauerbrenner entwickeln konnte; darüber hinaus habe ich lediglich immer mal wieder hier und dort was von der Band gehört. Dementsprechend kann ich das neue Werk der Band, „Old Mornings Dawn“, nur bedingt im Kontext ihrer älteren Veröffentlichungen beurteilen. 

Und so ist mir gleich zu Beginn klar, dass ich scheinbar durchaus etwas verpasst habe: „Old Mornings Dawn“ ist nicht nur ein atmosphärisches Black-Metal-Album mit epischer Ausrichtung, nein, „Old Mornings Dawn“ IST so sehr Epik und Atmosphäre, dass die Black-Metal-Anteile in den Hintergrund treten müssen. Das wird ganz bestimmt nicht jeder mögen, aber holla, mir gefällt’s. Im Großen und Ganzen zumindest. Denn auch, wenn der recht künstliche Klang der Keyboards sicherlich gewollt ist und zum Bandkonzept gehört, kann ich ihm nicht an allen Stellen etwas abgewinnen – aber hey, wenn dabei solche großartigen, epischen Songs mit Ohrwurmmelodien wie der Titelsong, „The White Tower“ oder – ganz besonders – „Caradhras“ (oder auch einfach das ganze Album) herauskommen, dann drücke ich dafür auch gerne ein Auge zu. 

„Old Mornings Dawn“ wird mit Sicherheit nicht jeden begeistern, da es durch die (alleine schon durch den Klang) deutlich in den Hintergrund gedrückten, „reinen“ Black-Metal-Anteile, den künstlichen Gesamtklang und die lyrische und musikalische High-Fantasy-Ausrichtung doch recht speziell ist – und gleichzeitig irgendwie sehr mainstream. Unter dem Strich ist „Old Mornings Dawn“ aber auch ein Album, dass – soweit ich das beurteilen kann – die Fans der Band, die immerhin sieben Jahre lang auf ein neues Lebenszeichen warten mussten, zufriedenstellen wird und mir persönlich gezeigt hat, dass da eine ganze Menge Nachholbedarf besteht …

7/10 (Stephan Möller)

So lange und so sehr sind SUMMONING meine absoluten Lieblinge gewesen, dass die erste Band, an der ich mitgewirkt habe, sogar eine fast hundertprozentige Kopie von „Minas Morgul“ war. Und das kann ich auch heute noch verteidigen, denn was die beiden Österreicher vor auch schon fast wieder 20 Jahren an musikalischer Magie versprüht haben, das sucht bis heute seinesgleichen. Noch vor sieben Jahren habe ich „Oathbound“, das letzte Album, in den Himmel gelobt, obwohl ich es rückblickend zwar noch immer als stark, aber nicht mehr als so überragend empfinde. Und im Vorfeld von „Old Morning’s Dawn“ habe ich gefiebert wie schon lange nicht mehr.

Und diesmal bin ich tatsächlich ein wenig enttäuscht. Natürlich ist „Old Morning’s Dawn“ ein lupenreines SUMMONING-Album. Natürlich klingt es richtig schön oldschoolig, indifferent produziert, mit schwammig rauschenden und immer ein bisschen verstimmt wirkenden Gitarren und völlig verhallten Ritual-Percussions als Schlagzeugersatz. Klar, die Keyboardmelodien sind immer noch völlig weltfern und fantasy-artig. Aber so fantastisch wie früher finde ich sie nicht mehr, nicht so packend, nicht so einprägsam, nicht so emotional. Der Titelsong oder „Earthshine“ sind irre gute Songs, ja, aber die restlichen fünf Tracks plus Intro tun sich verdammt schwer damit, in meinem Gedächtnis einen festen Platz zu finden. Das ist allerdings selbstredend meckern auf höchstem Genre-Niveau, denn nichtsdestotrotz klingen immer noch nur SUMMONING wie SUMMONING, auch, wenn eine Band wie CALADAN BROOD seit 2006 mehr als aufgeholt hat. Damit sprengen Protector und Silenius nicht mehr, wie früher, jede Bewertungsskala, sondern befinden sich „nur“ noch im oberen Drittel. Vielleicht werde ich auch einfach alt. Deshalb: Wer „Dol Guldur“ oder „Minas Morgul“ mag, muss „Old Morning’s Dawn“ trotzdem gehört haben.

8/10 (Florian Dammasch)

SUMMONING sind schon immer ein ganz besonderes Duo gewesen, und soviel vorab: Diesen Status, diesen Eindruck, ja diese Wahrheit werden sie auch mit ihrem neuen Output “Old Mornings Dawn“ behalten. Zwischen “Let Mortal Heroes Sing Your Fame“ und “Oath Bound“ lagen fünf Jahre, zwischen Letzterem und dem taufrischen siebten Album der Österreicher nun weitere Sieben. Für Schnellschüsse sind die Musiker Protector und Silenius also schon mal nicht zu haben, was sich stets in der Qualität der abgelieferten Platten positiv äußert. Zum siebten Mal darf der geneigte Hörer nun so authentisch wie bei keiner anderen vergleichbaren Band in die erzählerischen Untiefen von J.R.R. Tolkien und seiner dichten Fantasiewelt eintauchen. 

Eröffnet wird das erneut über eine Stunde lange Monsterepos von einer weichen, elbisch klingenden Frauenstimme, die flüsternd das Zentrum des kurzen Openers “Evernight“ bildet. Spätestens mit dem ersten eigenwillig schwarzmetallisch angehauchten Stück “Flammifer“ befindet man sich bereits vollkommen eingewoben in lange Äste atmosphärisch fantastischer Düsternis. Mit seinen teilweise hallend programmierten Drums und den keifenden Vocals mit leichtem Echo hat das Ganze von dem Durchlauf durch einen Höhlenpfad – quasi der Eintritt in SUMMONINGs Welt. Gewohntermaßen surren die Gitarren wieder vergleichsweise eher im Hintergrund, sind aber dennoch in ihrer zumeist monotonen, repetitiven Anlage gut vernehmbar. Das Schlagwerk hat durch seine nicht menschliche Form erneut eine ganz eigene Charakteristik, an die man sich womöglich erstmal gewöhnen muss.

Im Vordergrund stehen eigentlich die vielen Elemente abseits des “Wesentlichen“, die mittelalterlich anmutenden Keyboard-Elemente, die mystischen Samples und die dichten Klänge jenseits der gewohnten metallischen Ausstattung. Kompositorisch verfügt nahezu jedes der überlangen Stücke über eine charakteristisch hypnotische Dimension, die den Hörer aber nie einlullt, sondern tiefer in die so gänzlich andere Welt des Duos hinabzieht. Zusätzlich sorgen SUMMONING abermals für einige Höhepunkte wie etwa das unheimlich düstere “The White Tower“ oder, unbestritten DER Glanzpunkt der Scheibe, den melancholischen, beinahe verzweifelten Rausschmeißer “Earthshine“. Der schillernde Schlussknall erinnert in seiner außergewöhnlichen Machart und seiner klagenden stimmungstechnischen Ausprägung an “Shepherd“ von SECRETS OF THE MOON – dem Wahnsinnsstück auf “Privilegivm“.

Unterm Strich ist “Old Mornings Dawn“ ein typisches SUMMONING-Album mit den klassischen Stärken und ebenso den gewohnten Schwierigkeiten geworden. Die Zweier-Formation produziert eben keine für jede Situation geeignete Musik und baut sicherlich auch Barrieren auf. Etwa unter anderem aufgrund der instrumentalen Dominanzverteilung, die für die meisten Bands atypisch sein dürfte. Ich komme allerdings bestens damit zurecht und bin folgerichtig auch von dem siebten Album des Duos absolut begeistert.

9/10 (Patrick Olbrich)

Die Sieben ist nicht erst seit vorgestern eine magische Zahl. Ob im Mittelalter, in diversen Märchen oder auch in der Neuzeit liegt jener eine tiefere Bedeutung zugrunde – auch für eine Band aus Österreich  wird sie im Jahre 2013 eine große Tragweite darstellen. SUMMONING liessen sieben Jahre in’s Land ziehen, um im Juni mit „Old Morning’s Dawn“, dem siebten Album der Bandgeschichte, den Thronfolger von „Oath Bound“ zu veröffentlichen.

Über die Jahre hinweg gab es viele Spekulationen (die seitens der Band auch mit News genährt wurden) über persönliche Differenzen oder Probleme, welche sich in verschiedene Richtungen retardierten. Dabei haben sich Protector und Silenius schon nach „Let Mortal Heroes Sing Your Fame“ ordentlich Zeit gelassen, um 2006 mit besagtem „Oath Bound“ einen Mythos aus Wien fortleben zu lassen. Eine gewisse Ungewissheit liess sich im Vorfeld nach der Ankündigung von „Old Morning’s Dawn“ nicht kleinreden. In welche Richtung gehen die österreichischen Epiker: Nutzen sie modernere Produktionsmethoden? Werden ihre Songs melodischer? Nein und jein. Verwirrt? SUMMONING inszenieren sich nach wie vor ohne jegliche bestimmte Richtung, bestreiten ihren ganz eigenen Sound, den sie über Jahre etabliert und perfektioniert haben. Über die anderen Punkte wird Aufschluss erfolgen.

Zunächst einmal überwiegt die Vorfreude, die das Intro „Evernight“ mit wispernden Sprachsamples und zunächst bedächtigen Keyboard-Klängen, dann via Chören mit Spannung unterlegt. Ab „Flammifer“ wird aber noch deutlicher: Hier sind SUMMONING am Werk. Was zunächst durch die verwendete Kora und den Rythmus des Drumcomputers leicht exotisch anmutet, entwickelt sich zu einer für die Band untypischen, recht zügigen Nummer, die sich mehr auf die Gitarrenarbeit fokussiert und die ausdrucksvollen Klanglandschaften vorerst etwas in den Hintergrund rückt, nur um ihnen dann gegen Ende einen grandiosen Einstieg in’s Album zu gewähren. Erstaunlich ist dabei abermals, mit welch eigenwilliger Art es den Österreichern gelingt, Bilder im Kopf des Hörers zu erzeugen und diese Song für Song nachhaltiger auszuschmücken. Während das Intro zum Titeltrack zunächst an „The Passing Of The Grey Company“ (Album: „Minas Morgul“)aus vergangenen Tagen erinnert, lassen sich Silenius und Protector hier auch einige männliche Chöre entlocken, untermauern diese mit mittelalterlichen Flötenklängen inklusive Sprachsamples und schaffen damit eine packende Mischung.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird klar, dass SUMMONING sich soundtechnisch und musikalisch etwas geöffnet haben. Die einzelnen Instrumente erschallen differenzierter und geben sich gegenseitig mehr Raum, atmen dabei aber stets den ureigenen Charme, der ihnen bislang immer inne war. Gleichzeitig hat man es geschafft, sich etwas von dem Schema loszulösen, dass in jedem Stück primär die Tastentöne für die Atmosphäre zuständig sind. Nicht, dass es mich jemals gestört hätte, nein, aber schon mit „Beleriand“ (Album: „Oathbound“) hat sich gezeigt, dass eine geringfügige Rückbesinnung auf das „Lugburz“-Debüt absolut nicht schadet und zu einem gesunden Abwechslungsreichtum beiträgt. So fungiert auch „The White Tower“ auf „Old Mornings Dawn“, welches durch einen Fast-Alleingang der Gitarren eine ungeheuer bedrückende, zeitweilig sogar melancholische Stimmung erzeugt und nur geringfügig durch Tastenmelodien verfeinert wird. Diese erhalten dafür in „Caradhras“ wieder deutlich mehr Spielraum, müssen zunächst aber einer Schalmei weichen und bilden dann zum Abschluss mit erneuten männlichen Chören ein fantastisches Kunstwerk, welches kaum hätte besser gelingen können und für mich das absolute Highlight des Albums darstellt.

SUMMONING haben sich merklich entwickelt. Sie waren zwar nie besonders berechenbar, sind es mit „Old Morning Dawn“ aber noch weniger geworden. Vor allem die Variabilität, mit denen die beiden Ausnahmekönner hier zu Werke gehen, lässt mich häufig staunend zurück. Übertrieben formuliert ist das nicht, denn Silenius und Protector zeigen sich dazu in der Lage, mit vermeintlich ganz einfachen Methoden eine großartige Stimmung, in „Of Pale White Morns And Darkened Eyes“ zum ersten mal sogar einen trance-artigen Zustand zu erzeugen, dessen Bann man sich nur schwer entziehen kann. Leider erfährt „Old Mornings Dawn“ kurz bevor das Ende mit „Earthshine“ wunderbar leichtfüßig und heroisch eingeleitet wird mit „The Wandering Fire“ einen kleinen Dämpfer, welcher sich mit dem Rest des Siebtlings leider nicht ganz auf Augenhöhe bewegt.

Trotz dessen: „Old Mornings Dawn“ ist ein Meisterwerk und muss von jedem SUMMONING-Fan zumindest angetestet werden. Die österreichische Epic-Black-Metal-Formation hat ihren Sound um einige Nuancen erweitert, äußert sich in ihren Stücken häufig etwas melodischer und harmonischer, zeigt mehr Rythmus und gestaltet ihren Stil mittels dieser Charakteristika weitaus malerischer als noch zuvor auf „Oath Bound“. Besser kann man atmosphärischen Metal nicht in Szene setzen, sodass selbst „The Wandering Fire“ als kleiner Hänger nichts am Fluss des Werkes ändert. Achja: Album des Jahres. Wenn andere Truppen in diesem Zeitraum nur mal ein annähernd so gehaltvolles Exemplar kreiert hätten…

10/10   (Pascal Staub)

18.06.2013
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