Soundcheck Oktober 2026# 4
Galerie mit 17 Bildern: Mental Cruelty - Soldatenschicksale Tour 2026 in Stuttgart


Zugegeben, als MENTAL CRUELTY die Ankündigung von „Echoes Of A Forlorn Land“ machten, war unser erster Gedanke: „Oh je, noch ein Wikingeralbum.“ Da „Zwielicht“ im symphonischen Deathcore aber so ziemlich das Geilste neben den aktuellen Outputs von LORNA SHORE war, überwog die Neugier die Skepsis. Entsprechend gespannt gehen wir an die neue Platte der Band heran. Mal abgesehen davon versteht man die Texte in diesem Genre ohnehin eher selten.
MENTAL CRUELTY reisen in die neun Welten
Wie schon beim Vorgänger leiten die Karlsruher ihre neue Platte mit einem extrem stimmungsvollen Intro ein, das für sich genommen bereits ein Highlight darstellt. Die folgenden Songs liefern das genretypische Hochgeschwindigkeits-Geballer. Die Vocals unterscheiden sich allerdings vom allzu tiefen Gegurgel ihrer amerikanischen Kollegen und schielen eher in Richtung CALIBAN.
Zudem ist „Echoes Of A Forlorn Land“ kein reines Deathcore-Album. Die symphonischen Elemente sind weniger präsent als bei LORNA SHORE, aber durchaus vorhanden. Darüber hinaus bedienen sich MENTAL CRUELTY bei Metalcore, Melodic Death Metal und Melodic Black Metal. Manche Hooks, etwa die von „Helheim“, sind trotz ihrer Härte gefährlich eingängig. Das ist ausdrücklich als Qualitätsmerkmal zu verstehen, da es den Hörgenuss weniger sperrig macht.
MENTAL CRUELTY spielen ihre Vielseitigkeit subtil aus. Das zeigt sich sowohl in der Fähigkeit, schlüssige Tracks mit einer Länge von zweieinhalb bis sechs Minuten zu schreiben, als auch in den Farbtupfern, die sie mithilfe von Power-Metal-Keyboards im Stil der frühen 2000er-Jahre setzen. Eine Hochgeschwindigkeitsorgie wie „Draugar“ macht ebenso viel Spaß wie das abwechslungsreiche „Raise The Raven Banner“.
Dass MENTAL CRUELTY besonders gut darin sind, Intros mit epischen Stücken zu kombinieren, beweist der überlange Rausschmeißer „Ride Of The Valkyries“ samt Einleitung „Dämmerbruch“. Besonders fallen hier die Leadgitarren auf, die mehr können, als nur zu schreddern. Die Riffs des letzten Stücks könnten stellenweise auch von THE HALO EFFECT oder vergleichbaren Bands stammen.
„Echoes Of A Forlorn Land“ ist nicht das nächste Deathcore-Generikum
Dem Deathcore-Genre wird häufig vorgeworfen, dass jede Platte gleich klingt. Das mag auf viele, aber längst nicht alle Bands zutreffen. MENTAL CRUELTY entfernen sich jedoch zunehmend vom puristischen Ansatz und liefern mit „Echoes Of A Forlorn Land“ eine kurzweilige, vielseitige und trotzdem heftig ballernde Platte. Damit gelingt ihnen der nächste Schritt auf der Karriereleiter.

Jannik Kleemann































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