
Dymytry Paradox
"Fortschritt kann etwas Gutes sein – solange wir selbstständig denken und Mensch bleiben."
Interview
Wir haben mit DYMYTRY PARADOX über das neue Album „Born From Chaos“, den Entstehungsprozess und die Botschaften hinter den Songs gesprochen.
Herzlich willkommen hier bei metal.de. Heute sprechen wir mit Al über das neue DYMYTRY PARADOX Album „Born From Chaos“, welches Mitte Januar 2026 erscheinen wird. Wie groß ist die Vorfreude parallel zur Promotion auf den Release des neuen Werkes?
Sehr groß. Es passiert gerade extrem viel, es ist unglaublich viel Arbeit – aber genau so haben wir uns das ausgesucht und erträumt. Wir hoffen natürlich, dass es weiter wächst und noch mehr Leute Interesse am neuen Material haben. Wir haben uns richtig ins Zeug gelegt und wollen, dass das auch wahrgenommen wird.
Das kann ich nur bestätigen, denn ich hatte bereits die Gelegenheit, das Album zu hören, und es hat mich wirklich sehr überzeugt.
Das freut mich natürlich sehr.
Du hast einmal gesagt, dass euch eure eigene Identität in der Musik extrem wichtig ist, gerade in einer Zeit, in der viele neue Alben sehr ähnlich klingen. Wie schwer ist es heute, wirklich eigenständig zu bleiben?
Aus künstlerischer Sicht ist es immer das Beste, eine eigene Identität zu haben und die eigenen kreativen Gedanken zusammenzuführen, um daraus etwas Neues entstehen zu lassen. Niemand von uns kann das Rad neu erfinden. Angesichts der riesigen Anzahl an Bands wird es immer schwieriger, sich abzuheben.
Aber genau darin liegt auch die Herausforderung. Ich finde, das gelingt uns mittlerweile immer besser, weil wir nicht mit dem Strom schwimmen wollen. Das ganze Konstrukt, das wir aufziehen – visuell, musikalisch und auch lyrisch – formt unsere eigene Identität. Und genau das ist unser Anspruch.
Wie entsteht bei dir ein Song? Beginnt alles mit einer Idee, einer Stimmung oder eher technisch?
Wir haben kein festes Rezept. Durch die räumliche Distanz und unsere Online-Konnektivität schicken wir uns ständig Ideen hin und her. Wir können nicht immer gemeinsam in einem Raum schreiben, was heutzutage ohnehin nur noch die wenigsten Bands machen.
Ich bekomme regelmäßig Riffs, musikalische Skizzen vom Produzenten, von der Band oder anderen Beteiligten. Jeder bringt etwas ein. Mein Fokus liegt dann stark auf den Lyrics, der Thematik und auch auf Hooklines. Bei uns darf jeder seine Meinung äußern – wir funktionieren wie eine Demokratie. Natürlich mit Reibung, aber genau das ist wichtig, um am Ende das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.
Woran merkst du beim Schreiben selbst, dass ein Song eindeutig DYMYTRY PARADOX ist und nichts Austauschbares?
Vor allem an der Performance und an den Vocals. Ich will Sänger nicht überhöhen, aber die Stimme macht oft den Unterschied – gerade in diesem Meer aus ähnlichen Gitarren-, Drum- und Bass-Sounds. Mit der Stimme können wir dem Ganzen einen Unikatsstempel aufdrücken.
Während des Einsingens frage ich mich immer: Glaube ich mir selbst gerade? Bin das wirklich ich oder ist es aufgesetzt? Ein Teil von mir muss immer darin stecken, um ehrlich zu bleiben – mir selbst gegenüber, der Band und den Hörern. Wir sind nicht im People-Pleasing-Business. Wir wollen unsere Gedanken und unser Herz ausschütten und hoffen auf Resonanz.

Hast du ein bestimmtes Vocal-Setup, dem du besonders vertraust?
Für Demos in meinem Home-Studio nutze ich meist ein Slate ML-1 oder ein Shure SM7B. Technik ist für mich mittlerweile zweitrangig. Mir geht es mehr um das Feeling und darum, den Song zu transportieren. Ich bin kein großer Gear-Nerd. Wenn es gut klingt, benutze ich es. Gitarristen und Drummer sind da meist etwas verkopfter.
Die Reaktionen auf „Sun Of A Broken God“ waren extrem positiv. Hat euch dieses Feedback bestätigt oder auch überrascht?
Beides. Bestätigt, aber auch überrascht. Es war meine Idee, den Song als zweite Single zu veröffentlichen, obwohl er anders ist – mit einem sehr langen Intro, das Konzentration vom Hörer verlangt. In Zeiten kurzer Aufmerksamkeitsspannen ist das ein Risiko.
Der Song kommt ohne frühe Hookline aus, ganz entgegen dem berühmten „Don’t bore us, get to the chorus“. Trotzdem war das Feedback unglaublich stark. Der Song ist mir sehr wichtig, weil er unsere Warnung an die Menschheit sehr klar und kompakt ausdrückt. Umso mehr freut es mich, dass er so gut angekommen ist.
Spürt man heutzutage als Künstler mehr Druck durch direkte Fan-Reaktionen, etwa über Social Media?
Für uns ist Engagement grundsätzlich etwas Positives. Kritik gehört dazu, solange sie respektvoll bleibt. Wir machen das, woran wir glauben, und diese Ehrlichkeit transportiert unsere Message am besten.
Das viele positive Feedback gibt uns Rückenwind und Mut, diesen Weg weiterzugehen. Es ist ein harter, komplexer Prozess, den wir uns aber bewusst ausgesucht haben – und wir gehen ihn gerne.
Welche Songs funktionieren Live besonders gut?
Von den neuen Songs haben wir bisher vor allem „Red Sky Remains“ gespielt, was Live sehr gut funktioniert. Natürlich reagieren Festival-Publika anders, weil nicht alle die Songs kennen.
Auch ältere Songs wie „Touchdown“ funktionieren interaktiv sehr gut, genauso wie „Hope“, unsere Halbballade, bei der das Publikum komplett mitgeht. Es ist großartig, das von der Bühne aus zu sehen.
Heizt du live auch entsprechend an?
Absolut. Es ist der beste Job der Welt, Menschen positiv anschreien zu dürfen. Die Leute wollen diese Reise, diese Interaktion. Wer nicht mitmachen will, ist auch völlig okay – das Ticket ist bezahlt. Jeder darf das Konzert so erleben, wie er möchte.
„Grave With No Name“ ist ein sehr persönlicher Song über Verlust. Wie schwer war es, dieses Thema musikalisch zu öffnen?
Sehr schwer. Der Song ist für mich ein Abschluss, ein stilles Nicken in Richtung verlorener Menschen. Er passt perfekt zur Grundidee von „Born From Chaos“, sich selbst zu reflektieren – Stärken wie Schwächen.
Wir zeigen darin bewusst eine verletzliche Seite. Wir sind nicht nur diese martialische, schwere Band, sondern auch Menschen mit Emotionen, Verlusten und Erinnerungen.
Glaubst du, dass Verlust einen Menschen ehrlicher mit sich selbst macht?
Ja, definitiv. Verlust zwingt zur Konfrontation. Die Zeit heilt Wunden, aber man muss ehrlich mit sich bleiben und darf seinen Kurs nicht verlieren. Das Leben ist eine Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen – der wahre Charakter zeigt sich in den dunkelsten Momenten.
„Born From Chaos“ behandelt sowohl innere Konflikte als auch globale Themen. Wie findest du die Balance?
Kontrolle endet für mich außerhalb meines Wirkungsbereichs. Wir können globale Konflikte nicht lösen, aber wir können Empathie fördern – in unserer eigenen Bubble. Gerade wir, die das Glück hatten, in Deutschland geboren zu werden, sollten das nicht als selbstverständlich ansehen.
Wir dürfen nicht vergessen, wie gut es uns im Vergleich zu vielen anderen Menschen geht. Diese Perspektive ist mir extrem wichtig.
Wie schaffst du es, mental gesund zu bleiben angesichts von Social Media und Nachrichtenflut?
Ich muss bewusst abschalten. Wir Menschen sind nicht dafür gemacht, permanent Informationen zu konsumieren. Doom-Scrolling verändert uns mental – das spüre ich selbst.
Mental Health ist ein globales Thema, und genau deshalb fließt das auch in unsere Musik ein. Niemand ist allein mit diesen Problemen. Wir müssen lernen, mit Technologie umzugehen, ohne uns von ihr überrollen zu lassen.
KI ist dabei ein großes Thema. Wie blickst du darauf?
Es wird immer schwieriger, Realität und Fiktion zu unterscheiden. KI steckt noch in den Kinderschuhen, aber sie entwickelt sich rasant. Ich hoffe, dass wir als Gesellschaft rechtzeitig eine Art Notbremse einbauen, bevor es außer Kontrolle gerät.
Ich bin trotzdem Optimist. Fortschritt kann etwas Gutes sein – solange wir selbstständig denken und Mensch bleiben.
Die Maske erinnert viele an Science-Fiction-Welten. Wie ist sie entstanden?
Die Grundidee entstand gemeinsam mit der Band. Für mich war es Zeit für eine neue Identität. Die Maske wurde nach unseren Design-Ideen von einem sehr talentierten Maskenbauer umgesetzt. Ich habe ihm viel kreative Freiheit gelassen – und das Ergebnis ist genau das, was ich mir vorgestellt habe. Nach kleinen Anpassungen funktioniert sie auch live problemlos.

Zum Abschluss: Wenn „Born From Chaos“ eines erreichen soll – was wäre dir wichtiger: verstanden zu werden oder etwas auszulösen?
Mir ist wichtiger, etwas auszulösen. Eine Diskussion, einen Gedanken, ein kurzes Innehalten. Einfach wieder mehr Mensch sein. Wenn sich jemand wirklich in der Musik wiederfindet, ist das der Optimalfall – aber dafür gibt es keinen Plan.
Was würdest du deinem Jüngeren Ich raten?
Mach weiter so. Hab Vertrauen, sei neugierig und hab keine Angst vor Fehlern. Fehler lassen uns wachsen. Wichtig ist, bis zum letzten Atemzug das zu tun, woran man glaubt – und positiv nach vorne zu blicken.
Vielen Dank für das Gespräch.
Danke euch. Hört euch unbedingt unser neues Album an.
Und kommt zur „Born From Chaos“-Tour ab Januar – wir freuen uns auf jeden Einzelnen.
Galerie mit 18 Bildern: Dymytry - Summer Breeze Open Air 2024

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|---|---|
| Stile | Modern Metal |
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| 15.01.26 | Dymytry Paradox - Born From Chaos Tour 2026Dymytry Paradox und Space Of VariationsForum Trier, Trier |
| 16.01.26 | Dymytry Paradox - Born From Chaos Tour 2026Dymytry Paradox und Space Of VariationsKulturquartier, Stuttgart |
| 17.01.26 | Dymytry Paradox - Born From Chaos Tour 2026Dymytry Paradox und Space Of VariationsL.A. Eventhalle, Cham |
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Leon Plett
































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