Homicidal Violence
Homicidal Violence

Interview

Der deutsche Underground bietet mittlerweile sehr viel Masse, aber auch einiges an Klasse. Das Trio von Homicidal Violence gehört mit Sicherheit in letztere Kategorie und hat letztes Jahr mit seinem Album "Hatesongs" ein äußerst vielversprechendes Full-Length-Debüt abgeliefert, das garantiert nicht nur bei mir mehrere Ehrenrunden im Player gedreht hat. Grund genug, einmal bei Drummer und Bandmitbegründer Micha nach dem Rechten zu sehen.

Homicidal ViolenceStell doch mal kurz Eure Band vor. Wie kam es zu Homicidal Violence? Was waren bisher einschneidende Erlebnisse in der Bandgeschichte? Was treibt Ihr, wenn Ihr nicht gerade Musik macht?

Homicidal Violence wurde im Januar 2000 von Gary Kietz an der Gitarre und mir an den Drums in Hof gegründet. H.V. entwickelte sich eigentlich aus einigen Sessions heraus als eine Art „Projekt“. Da aber das Zusammenspiel derart gut klappte und wir fühlten, dass einiges an Potential vorhanden war, wurde beschlossen, das Ganze zu einer vollwertigen Band auszuweiten.

Ab diesem Zeitpunkt waren wir natürlich auf der Suche nach geeigneten Mitstreitern. Nach ein paar Monaten, so Mitte August 2000 beschlossen wir dann, ohne weitere Bandmitglieder gefunden zu haben, die Promo-CD „please wait while loading…“ komplett in Eigenregie aufzunehmen. Es folgten einige Samplerbeiträge (u.a. bei Morbid und Räudig Records) und recht gute Reviews in Ablaze und Legacy.

Seit Oktober 2000 war nun auch endlich ein Sänger mit von der Partie. Selbiger heißt Barney und ist dem einen oder anderen vielleicht noch von seinen früheren Aktivitäten bei Violation bekannt. Durch den Einstieg von Barney waren wir dann auch in der Lage live aufzutreten. Wir spielten also einige Konzerte, unter anderem auch mit Disbelief und Cryptic Wintermoon usw. Als nächstes erschien die 7“-Single (Anfang 2001) mit dem Titel „Deathmachine“ als erste „offizielle“ Veröffentlichung, welche sich sogar wesentlich besser verkaufte, als überhaupt erwartet. Im September des Jahres 2001 machten wir uns dann an die Aufnahmen zur ersten Full-Length-CD, welche den Titel „Hatesongs“ trägt. Wieder komplett in Eigenregie produziert. Enthalten sind 10 Tracks mit insgesamt über 40 min Spielzeit.

Wenn wir nicht gerade Krach machen fahren wir auf Konzerte oder in die Münchberger Bärenschänke und treffen uns mit den Kollegen von Violation, Cryptic Wintermoon und andern befreundeten Bands aus der Region.

Wie läuft Eure Eigenproduktion „Hatesongs“ bisher? Habt Ihr auch bei Labels angeklopft?

Also, wir können nicht klagen. Bis jetzt läuft „Hatesongs“ viel besser als erwartet. Wir haben eigentlich durchweg sehr gute Kritiken bekommen, sogar in Magazinen wie dem Hammer oder dem Rock Hard. Von denen kann man ja als „härtere“ Band mittlerweile nicht unbedingt erwarten, hoch gelobt zu werden. Haben anscheinend mal nen guten Tag gehabt. Bei Labels haben wir natürlich auch angeklopft, die üblichen halt. Sagen wir es so: Generell gab man sich interessiert, aber dass uns gleich hundert Labels unter Vertrag nehmen wollten, wäre übertrieben. Wir sind also noch auf der Suche.

Warum heißt das Album (zugegebenermaßen recht treffend betitelt) „Hatesongs“? Gegen wen richtet sich dieser Hass?

Wie du schon anklingen lässt, passt der Titel einfach wie die Faust auf’s Auge. Sowohl in Hinsicht auf die Musik, als auch auf die Texte. Der Hass richtet sich in erster Linie gegen Dummheit und Ignoranz, gegen Habgier und Ungerechtigkeit, eben gegen die ganzen Dinge die einen tagtäglich ankotzen, wenn man sich mit dem Geschehen auf dieser Welt auseinandersetzt.

Eure Texte sind sehr kritisch gegenüber der Welt, der Gesellschaft und den Medien. Was muss sich Deiner Meinung nach konkret ändern, damit z.B. das Intro Eurer Homepage nicht mehr so düster aussieht?

Naja, das ganz konkret sagen zu wollen ist schon ein bisschen schwierig. Dafür sind das zu viele unterschiedliche Probleme. Gute Ansätze wären mehr Toleranz, ein bisschen weniger Krieg, Hunger, Habgier, Ignoranz und vieles mehr. Ich schätze mal, dass das noch ein paar Jahrzehnte dauert, bis die ganzen Spinner auf dieser Welt das raffen. Und bis dahin sind die Aussichten düster, und solange bleiben auch die Texte kritisch und das Intro düster.

Ihr kritisiert u.a. auch das Internet. Glaubt Ihr nicht, dass es gerade für Undergroundbands sehr wichtig ist, um ihre Popularität zu steigern?

Nun, das hat ja nur entfernt miteinander zu tun. Der Text auf den du anspielst, zeigt eine Zukunftsvision, wie es vielleicht in der Zukunft aussehen kann, wenn die globale Vernetzung immer weiter zunimmt und irgendwann die Grenzen zwischen der Wirklichkeit und der virtuellen Welt verschwimmen. Das macht diese Sache unheimlich anfällig für Manipulation, etc… Das sind die Nachteile, die nach Möglichkeit nicht die Oberhand gewinnen sollten. Klar, bietet das www unheimlich viele Vorteile für Underground-Bands, von denen auch wir sehr profitieren. Ohne Netz wäre es weitaus schwieriger als Underground-Band zu bestehen und bekannter zu werden. Man muss ja unsere kritischen Texte nicht als ein Absolutum ansehen, wir wollen die Leute zum Nachdenken anregen. Über ihr eigenes Verhalten, die Welt, die Menschheit, etc…

Eure Musik wird oft als Mischung aus technischem Ami-Death Metal und schwedisch-melodischen Versatzstücken beschrieben. Würdet Ihr dem zustimmen? Wo liegen Eure Einflüsse?

Ja, diese Beschreibung trifft es eigentlich schon auf den Punkt. Wir wollten diesen Mix aus amerikanischem und schwedischem Deathmetal. Das macht die Musik einfach interessant. Wenn man sich im Stil zu sehr einengt, wird man eintönig, und eintönige Bands gibt’s ja mittlerweile genug, oder? Tja, unsere Einflüsse sind daher auch sehr vielfältig. Gary hört vorwiegend ziemlich harte Sachen: Malevolant Creation, Hate Plow, Aborted, aber auch The Haunted oder At the Gates. Ich kann mich neben Faves wie Illdisposed und Konsorten auch für Bands wie Sentenced oder Paradise Lost begeistern. Barney ist bei uns sozusagen der musikalische Allesfresser. Der zieht sich von Black über Thrash bis Death eigentlich alles rein.

Worin liegt für Euch die Faszination des Death Metal, sprich warum macht Ihr diese Art von Musik?

Wahrscheinlich einfach, weil sie uns am besten gefällt. Außerdem haben wir im Großen und Ganzen mit Black Metal beispielweise nicht viel am Hut. Das ist so eine Klischee-Scheiße, die irgendwie nicht ehrlich ist. Bei den meisten Bands zumindest. Man kann im Deathmetal viel abwechslungsreicher sein, als bei so manch anderen Stilrichtungen. Früher war das anders. Da klangen sehr viele Bands gleich, aber den heutigen Deathmetal kann man damit auch nur noch ansatzweise vergleichen. Da hat sich viel geändert und weiterentwickelt.

Auf „Hatesongs“ sind einige Filmsamples zu hören. Aus welchen Filmen stammen diese? Seid Ihr privat Filmfreaks? In welcher Richtung liegen da Eure Vorlieben?

Also Filmfreaks sind nur Gary und Barney. Die ziehen sich viel Horror- und Actionfilme rein. Die Samples sind zwischen die Songs geschnitten weil sie die Stimmung oder die Aussage des jeweiligen Songs untermalen. Das gliedert sich sehr gut in unser Konzept ein. Also die Samples stammen aus Filmen wie Predator, Soldat James Ryan, Tanz der Teufel und anderen.

Als ich Euch auf dem Bavarian Barbarians Festival live gesehen habe, wart Ihr nur zu dritt und ohne Bassisten. Hat sich daran mittlerweile etwas geändert oder plant Ihr, weiterhin als Trio zu fungieren? Wirklich vermisst hat man den Bass live nämlich nicht.

Wir sind mittlerweile nicht mehr ernsthaft auf der Suche nach einem Bassisten. Wir haben eine ganze Weile versucht einen zu finden aber na ja… Erstens funktioniert es live auch ohne sehr gut und zweitens spielt Gary bei den Aufnahmen den Bass selbst ein. Das ist insofern nicht weiter schlimm, da er früher jahrelang Bassist war.

Das Bavarian Barbarians ist ja für eine Undergroundveranstaltung sehr gut besucht gewesen. Es gibt aber auch Gegenbeispiele, wie z.B. das Banging The X-Mas Tree Part 3 gezeigt hat. Wie seht Ihr als Teil vom deutschen Underground dessen Lage und Zukunft?

Da siehts du’s wieder. Spielen wir nicht mit, kommt keine Sau. Nee, mal im Ernst, das mit der Entwicklung des Underground ist so eine Sache. So wie ich das sehe, gibt’s immer mehr Bands, die dank vorhin schon erwähnter, moderner Kommunikations- und Vertriebswege die Massen mit ihrem Material beglücken. Nicht unbedingt immer zur Freude aller. Das ist wie mit der Werbung, da wird man auch jeden Tag überflutet und kriegt nur 1-2% der Inhalte mit. So entwickelt sich das hier auch, vielleicht nicht so extrem aber in diese Richtung eben. Es wird also als Underground-Band immer schwieriger die Leute zu erreichen und dazu zu bewegen, auf ein Konzert zu kommen. Dafür gibt es mittlerweile zu viele dieser Konzerte und nach meinem Eindruck aber auch immer weniger Leute die sich dem Underground widmen. Weil es eben so viele Bands gibt, konzentrieren sich die Leute auf jene „großen“, die, z.B. bei Nuclear Blast sind und die man jeden Monat im Rock Hard, etc sieht. Traurig aber wahr.

Und wie seht Ihr Eure eigene Zukunft? Was wollt Ihr erreichen mit Homicidal Violence?

Wir machen einfach weiter die Musik, die uns gefällt und die uns Spaß macht. Wir brauchen nicht unbedingt ein Label um glücklich zu sein, wir werden wahrscheinlich unsere zweite CD auch selbst veröffentlichen. Es ist nur schön zu sehen, dass unsere Musik auch anderen gefällt, das gibt einem dann eine gewisse Bestätigung.

Gibt es schon etwas Druckreifes zu einem neuen Album oder künftigen Liveplänen zu berichten?

Für das nächste Album sind schon 6 von 9 geplanten Liedern fertig. Einen Titel (noch geheim) haben wir auch schon und fast alle Texte. Live werden wir uns nun erst mal etwas zurückhalten, damit wir das Album auch irgendwann fertig kriegen. Dann kriegt die Homepage noch einen Relaunch und alle sind glücklich…

Danke für das Beantworten meiner Fragen und natürlich viel Glück und Erfolg für Euren künftigen Weg. Die letzten Worte gehören Dir.

Besten Dank für das nette Interview! Und an all die Schlappschwänze da draußen: Geht auf mehr Konzerte und Stay heavy!

Foto by: INGO SPÖRL (WWW.SR-VISION.COM)

25.01.2003

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