Mely
Interview mit Andreas Mataln

Interview

Das verflixte siebte Jahr haben MELY schon längst hinter sich gelassen, 2009 können die fünf Kärntner bereits auf zehn Jahre Bestehen zurückblicken. Dennoch ist MELY nicht nur hierzulande für viele sicher noch ein unbeschriebenes Blatt, auch mein Tiroler Kollege kannte die fünf Musiker aus dem beschaulichen Drautal (Kärnten, Österreich, Mitteleuropa, Planet Erde…), bis er ihr neues Album „Portrait Of A Porcelain Doll“ besprechen durfte, noch nicht. Höchste Zeit also, MELY – genauer gesagt Andreas Mataln, seines Zeichens Sänger und Gitarrist der Band -, die dieses Jubiläumsjahr mit ihrem vierten Album und der „Nachtreisen“-Tour mit DORNENREICH und AGALLOCH einläuteten, ein paar Fragen zu stellen.

Mely

Zehn Jahre MELY, zehn Jahre, in denen ihr sicher viele Erfahrungen im Musikgeschäft – gute wie weniger gute – sammeln konntet. Was waren rückblickend die prägendsten Erlebnisse für euch?

Hmm… im positiven Sinne die Songwritingsessions bzw. Aufnahmen zu den bisherigen Alben und die ganzen Gigs, die wir im Laufe der Jahre spielen durften. Marios (Mario Lochert, ML Productions, Anm. d. Red.) Auftreten als gute Managerseele und dann die zwei Touren, auf denen wir dabei sein konnten. Alles schöne Momente, die man nicht missen will. Es gab auch Schattenseiten, aber aus allen negativen Dingen ergaben sich dann wieder Chancen, alles in allem also nur positive Erfahrungen, die wir nicht missen wollen.

Ihr wart jetzt knapp zwei Wochen mit DORNENREICH und AGALLOCH auf Tour und hattet hauptsächlich neue Songs auf der Setlist. Wie war die Resonanz auf Eure Shows allgemein und (eventuell von Leuten, die Euch schon von früheren Konzerten kannten) auf die neuen Songs im Besonderen?

Die Entscheidung, fast nur neue Songs zu spielen, war auf der einen Seite etwas riskant, wir wussten aber bereits, dass die Fanbase auf das neue Zeugs steht, und auf der anderen Seite muss man auch sagen, dass wohl 95% des Nachtreisenpublikums gar keine Ahnung hatte, was wir machen bzw. was sie von uns erwarten sollen. Dementsprechend überrascht waren dann auch viele Leute, und so hörten sich auch die Resonanzen an, also „Ich hatte keine Ahnung, wer ihr seid, aber dann war’s einfach nur geil!“ So in etwa kam’s auch während den Shows zurück, die ersten zwei Songs meist etwas verhalten mit Kennenlernen usw., dann aber Party. Die Nachtreisentour war für alle Bands ein voller Erfolg, sag ich mal, ein Dank an alle fürs Vorbeischauen.

Als 2007 „… Leave And Enter Empty Rooms…“ veröffentlicht wurde, musstet Ihr Euch noch Sticheleien auf Grund der vier Jahre, die zwischen Eurem zweiten und dritten Album ins Land gezogen waren, anhören. Diesmal hat es nur knapp eineinhalb Jahre gedauert, die Devise „Qualität über Quantität“ habt Ihr aber offenkundig nicht über Bord geworfen, Euren „normalen“ Jobs geht Ihr auch noch nach. Was hat die Arbeit an „Portrait Of A Porcelain Doll“ beschleunigt?

Die Sticheleien sicher nicht! LOL War so, dass wir uns ganz gerne mal Zeit gelassen haben zwischen zwei Alben, am Songmaterial hat’s aber nie gelegen. Ich kann dir die Frage auch gar nicht wirklich beantworten, warum es diesmal schneller ging, es stellte sich wohl ganz einfach der vielzitierte „Flow“ ein. Wir haben das Songwriting Anfang Sommer 2008 so um Helmuts Ausstieg begonnen und dann auch relativ zeitig den Studiotermin festgelegt. Im September kam dann Hannes dazu, der noch mal ein Schäufelchen Spaßfaktor mitbrachte, so gesehen hat einfach alles super gepasst. (Helmut Waltl war bis 2008 Drummer bei MELY und hat am 15. November 2008 während der „Dawn Of A New Era“-Show offiziell die Drumsticks an Hannes Ganeider übergeben. Anm. d. Red.)

Aufgenommen habt Ihr „Portrait Of A Porcelain Doll“ in den Münchner Dreamscape Studios, während andere im Kreise ihrer Lieben Weihnachten und den Jahreswechsel 2008/2009 feierten. Lies sich der Termin nicht anders legen, um die ganze Band zusammen ins Studio zu bekommen, oder ist Euch Weihnachten einfach nicht melancholisch genug? 😉

Wie du schon vorher gesagt hast, arbeiten drei von uns Vollzeit, der Rest studiert. Termine wie Weihnachten gilt es wegen der ganzen Feiertage dann ganz einfach auszunutzen, um möglichst Urlaub für Touren usw. zu sparen, und ganz ehrlich, den Weihnachtsabend mit der Familie zu verbringen, ist eine feine Sache, der Truthahn am nächsten Tag auch noch, aber dann reicht’s auch schon wieder. (-; Der Jahreswechsel ist dann im Grunde auch nur eine Party von vielen anderen und auf jeder Party muss man auch nicht immer tanzen, vor allem, wenn du die Alternative hast, im Studio kreativ zu sein. So sind wir eben am 25. Dezember in München angetanzt und Mitte Jänner wieder heim.

Die Songs auf „Portrait Of A Porcelain Doll“ scheinen inhaltlich zusammen zu hängen, eine Geschichte zu erzählen, würdest Du diese etwas näher erläutern?

Etwas näher ok, aber ganz nicht, das überlassen wir mal lieber dem Hörer selbst! (-;
Behandelt wird das Thema häusliche Gewalt bzw. Kindesmisshandlung aus psychischer Sicht – was passiert auf lange Sicht mit einem Menschen, der davon betroffen ist/war. Hört der Schmerz irgendwann auf? Verblasst die Erinnerung irgendwann? Wie werde ich zu meinen Kindern sein, der Apfel fällt ja nicht weit vom Stamm? Leider nach meinen Erfahrungen eines der Tabuthemen schlechthin. Warum, ist klar, ein blaues Auge verheilt schnell UND man braucht ja nur wegschauen, dann ist das Thema sowieso nicht vorhanden. Es geht allerdings nicht darum aufzuzählen, wie Kinder auf dieser Welt „vermöbelt“ werden, es geht vor allem darum aufzuzeigen, dass Streit und Gewalt zwischen Eltern, oder gegen unsere Kleinsten direkt, im Kind Fragen aufwirft, Fragen die es meist nicht verarbeiten kann. Wie wir unsere Kinder behandeln und sie lehren zu leben, so wird die Welt bzw. unser Miteinander nach uns ausschauen, eine große Verantwortung wie ich meine.

Wodurch lasst Ihr Euch inspirieren, zieht Ihr bewusst Inspiration aus bestimmten Dingen?

Es gibt Themen, Momente, Stimmungen, die uns beeinflussen, meist privater Natur und meist auch im negativen Sinne. Diese versuchen wir zu verarbeiten und das gelingt uns am besten über das Werkzeug Musik. Andere Bands schöpfen aus positiven Dingen ihre Inspiration, bei uns waren es schon vor MELY meist die Schattenseiten des Lebens, die uns zum Denken und Schreiben anregten, und vor allem waren es auch eher traurige Songs, die uns ein gutes Gefühl gaben. Das hat sich bis heute nicht geändert und so machen wir auch, was uns am besten steht, denke ich.

Was ist für gewöhnlich zuerst vorhanden, Texte oder Musik? Sammelt Ihr eher spontane Ideen, die Ihr dann später zusammenfügt oder habt Ihr eine feste Vorgehensweise, wenn Ihr an Songs arbeitet (beispielsweise ein bestimmtes Umfeld, arbeitet Ihr eher zusammen oder einzeln an Songs)?

In den Anfängen war es eine instrumentale Idee, die zuerst da war, mittlerweile ist zuerst da, was zuerst kommt. Das kann mal ein Text, mal eine Gesangmelodie und dann wieder ein Riff auf irgendeinem Instrument sein. Eine Regel gibt’s da nicht. So verhält sich das mittlerweile auch mit dem Songwriting. Wir schreiben teils jeder für sich, teils im Proberaum zusammen, teilweise gibt es auch fertige Songs, die dann wiederum komplett umgekrempelt werden… einzige Regel ist wohl die, dass sich der Bauch nur dann gut anfühlt, wenn der Song auch gut ist.

Wer sind Euch die wichtigsten Kritiker, während Ihr an Songs arbeitet und an den endgültigen Versionen?

Für mich persönlich ist’s meine Freundin, die ich immer wieder mal zu Rate ziehe, wenn ich den Bezug zu einem Song verloren habe, was ja nach einigen Tagen Arbeit an einem Song unvermeidlich ist. Es gibt da aber auch ein paar Freunde, die immer wieder mal im Proberaum vorbeischauen und ihren Senf dazu abgeben. Auf alle Fälle ist das eine wichtige Sache solche Kritiker zu haben, sie kennen dich auch als Nicht-Musiker und sagen dir ohne Umschweife, was ihnen nicht passt.

Ist ein Song überhaupt irgendwann endgültig fertig, oder haltet Ihr für ein Album nur einen Moment/eine Version fest, entwickelt die Songs in der Folgezeit jedoch weiter?

CD-fertig ist er mit dem Mastertape, das ist dann auch die Version die du herzeigst und live spielst, ganz fertig ist ein Song aber wohl nie. Meist kommst du während Proben und Konzerten dann drauf, dass die eine Textphrase anders gesungen besser rüberkommt, ein Solo auch anders gut funktioniert usw., aber das sind dann auch die Dinge, die dem Fan vor der Bühne vorbehalten sein sollen. Immerhin will dieser die Band ja live sehen, zahlt auch dafür und dann kann es einfach nicht sein, dass er eine 1:1-Kopie der CD geboten bekommt. Das ist langweilig, dafür legt man sich ja auch die CD auf, sag ich mal. Natürlich nur meine Meinung, diesbezüglich trennen sich ja die Geister.

Inzwischen steht die Veröffentlichung von „Portrait Of A Porcelain Doll“ kurz bevor, die Kritiker geben ihr Urteil ab und auch live habt Ihr die neuen Songs schon gespielt. Hört Ihr Euch das Album zurzeit selbst an, oder braucht Ihr nun erstmal eine gewisse Zeit, bis Ihr Euch die CD selbst wieder anhört?

Für Europa und Japan ist das mittlerweile auch schon geschehen, Releasetermin war ja der 03. April. Für den nicht weniger wichtigen Rest der Welt ist der 05. Mai fixiert. Die Kritiken bisher können sich auch sehen lassen, wie wir meinen, was aber keinen Einfluss darauf hat, wie uns das Album gefällt. Uns gefällt’s nämlich nach wie vor sehr gut und bis zur Tour hab ich’s mir auch wirklich oft angehört. Eigenartigerweise war es diesmal so, dass dieser „Album-Hang-Over“ nicht kam. Wahrscheinlich deswegen, weil wir im Grunde bis zum Mixen hin täglich Sachen verändert haben und auch im Mix noch die Möglichkeit hatten, kreativ mitzuarbeiten. So hatten wir dann mit dem Master auch das erste Mal die Möglichkeit, wirklich die Gesamtheit dessen zu hören, was wir da in den Monaten davor „zusammengeschustert“ haben. Jetzt nach der Tour ist bei mir persönlich (kann hier aber nicht für den ganzen MELYhaufen sprechen) mal metalfreie Zeit, d.h. alles, was nicht rumst, ist gut! (-;

Statt der klassischen letzten Worte möchte ich Dich bitten, Eure Musik selbst zu beschreiben: Wie würdest Du jemandem, der noch nie etwas von MELY gehört hat, „Portrait Of A Porcelain Doll“ schmackhaft machen? (Ohne diese Person auf Eure MySpace-Seite zu verweisen!)

(Besucht unsere lastFM site! Hehehe) „Portrait Of A Porcelain Doll“ muss ganz einfach in jedes gut sortierte CD-Regal. Vorher anhören ist überflüssig, zugreifen, es wird zu gefallen wissen, Punkt und Aus! (-;

07.04.2009

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