
Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.
Obwohl bei DIABOLIQUE seit rund zwanzig Jahren Sendepause herrscht, landen die Alben dieser Band immer noch regelmäßig auf dem Plattenteller. Höchste Zeit, dem Debütalbum „Wedding The Grotesque“ von 1997 eine Würdigung zuteil kommen zu lassen, was auf dieser Seite (aus welchen Gründen auch immer) bislang unterblieben ist. Denn selbst wenn dieses Album seine Eigentümlichkeiten hat und manch einer unkt, die im Jahr zuvor veröffentlichte EP „The Diabolique“ sei ja sowieso besser (getreu der alten These, dass es nach dem Demo nur noch bergab gehen kann), ist die Scheibe auf ihre Art hoch originell.
Sendepause bei DIABOLIQUE
Wer beim Namen DIABOLIQUE nur fragend mit den Schultern zuckt: Nun, bei der Formation handelt(e) es sich um vier Musiker aus Göteborg und dem AT THE GATES/IN FLAMES-Umfeld, die sich ihre Sporen bei GROTESQUE, LIERS IN WAIT und SEANCE verdienten und von denen sicherlich Kristian Wåhlin der bekannteste ist, der als Necrolord viele Black-Metal-Alben seiner Zeit illustrierte. Dass er ein mehr als passabler Gitarrist und ein (etwas weniger begabter) Vokalakrobat ist, geht dagegen häufig unter. Zusammen mit Johan Österberg (Gitarre), Bino Carlsson (Bass) und Hans „Hasse“ Nilsson an der Schießbude ergab das aber eine schlagkräftige Formation, die – die Hochphase des Death Metal war langsam vorbei – nunmehr auf Gothic Metal setzte.
Der Ausgangspunkt für „Wedding The Grotesque“ liegt aber eindeutig im Death Metal: Dafür stehen nicht nur die schweren Gitarrenriffs, sondern auch das vehemente Schlagzeugspiel. Wenn der Vierer also wie in „Sacrificial Highway“ mal bei straighterem Gothic Metal landet, heißt das noch lange nicht, dass Hasse Nilsson den Rhythmus nicht doch mit allerlei Drumfills aufpeppen kann.
Verkappter Death Metal im Gothic-Gewand
Aber der Reihe nach: Die Scheibe startet mit dem langsam dahinschreitenden „Dark Man“, bei dem sich Gitarrenriffs und Schlagzeug kaskadenhaft überschlagen, während eine Kirchenorgel die Hauptmelodie begleitet und die Gitarre ein verzweifeltes Lead spielt. Ein verkapptes Death-Metal-Stück, dem der tiefe, stimmlose Gesang den passenden Gothic-Look verpasst.
Weiter geht es mit „Shaven Angel Forms“, dem experimentellsten Stück auf dem Album, das düster-dräuend mit Wah-Wah-Effekten startet und BLACK-SABBATH-Flair atmet, schließlich aber in eine immer wahnsinnigere Predigt mündet. Dagegen ist „Blood Of Summer“ fast schon konventioneller Gothic Metal mit jeder Menge Hitpotential, Kirchenorgeln und einem Metal-Solo. „Sacrificial Highway“ und „The Unchaste Bittersweet“ schielen auch in Richtung Gothic-Disco, wenn nicht Hasse Nilsson immer wieder bollernde Drumfills einfügen würde, die den Songs ein ganzes Stück Vehemenz verpassen.
Mit „Sorrows Piercing Art“ und „Beggar Whipped In Wine” kehren DIABOLIQUE aber wieder in die gleichzeitig vertrauten und unheimlichen Gemäuer der Kirche zurück, um ihre ganz eigene Messe zu lesen: Mit jubilierenden Orgeln und Heimtücke, bis alle Kreuze kopfüber stehen und der gesamte Rotwein geleert ist. „The Smiling Black“ setzt noch ein Stück mehr auf die Vehemenz des (Death) Metals und lässt zwischendurch die Peitsche zucken. Bleibt noch das abschließende „The Diabolique“, in dem die Band in knapp zehn Minuten nochmal alle Register zieht und zeigt, dass Gothic Metal anno 1997 noch eine ziemlich heftige Sache sein konnte.
Rotwein geleert, Peitsche gezückt
Überhaupt ist es doch das Schöne, dass „Wedding The Grotesque“ so herrlich zwischen den Stühlen Platz nimmt: Im Grunde ist DIABOLIQUE zu dieser Zeit eine Death-Metal-Band, die alles zwischen SISTERS OF MERCY und FIELDS OF THE NEPHILIM stark findet und inspiriert von CEMETARY es einfach selbst versuchen will. Allein das Wie, das ist den Musikern nicht so ganz klar. Gerade Hasse Nilsson agiert an seinen Kesseln gewohnt hyperaktiv. Dass der Gesang nicht gegrunzt werden soll, ist hingegen gesetzt. Stattdessen versucht Kristian Wåhlin so tief wie möglich zu singen, was ihm, bei allem Respekt, nicht so ganz tonrein gelingt. Man hört halt, dass das nicht seine ureigene Tonlage ist.
Trotzdem – oder gerade deshalb – ist „Wedding The Grotesque“ in seiner Kombination aus Death Metal und Gothic Metal so originell. Zwar befand sich die Band stilistisch noch auf der Suche, hat aber eine Handvoll starke Songs von der Kette gelassen, die sich in einem angemessenen Soundgewand präsentieren. Die Band hatte sich dafür in den Berno Studios verschanzt, was sich letztlich ausgezahlt hat.
„Wedding The Grotesque“ nimmt zwischen den Stühlen Platz
„Wedding The Grotesque“ ist nachweislich keine Platte für jedermann: Dass ein Teil der Fans die erste EP oder die späteren Gothic-Rock-Scheiben „The Black Flower“ und „The Green Goddess“ vorziehen, liegt in der Natur der Sache. Das schmälert aber nicht den Wert dieses Albums, das in seiner Unperfektheit perfekt ist und in seinem Suchen etwas äußerst Originelles gefunden hat.

Diabolique - Wedding the Grotesque
Eckart Maronde






























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