Papa Roach
Interview mit Drummer Tony Palermo zum Album "F.E.A.R."

Interview

Papa Roach

Tony Palermo, Drummer der Alternative-Metal-Band PAPA ROACH, war schnell bereit, uns einige Fragen zur aktuellen Platte „F.E.A.R.“ zu beantworten. Umgehend war absolut offensichtlich, dass die Kalifornier nicht nur über die entsprechende Erfahrung verfügen, sondern auch noch die nötige Portion Herzblut beisteuern. Es dreht sich viel um Emotionen und Leidenschaft, bei der Band generell und auch beim aktuellen Album, welches zwar die Angst im Titel trägt, aber eigentlich genau auf das Gegenteil lenken möchte.

Aus Spaß wurde Ernst

PAPA ROACH können auf eine lange Bandgeschichte zurückblicken. Dass es überhaupt soweit kommen durfte, liegt eventuell daran, dass man der Band genau das gegönnt hat, was heute so vielen Newcomern verwehrt wird – Zeit, um sich zu entwickeln. Drummer Tony Palermo erinnert sich „Was als harmlose Aktion zwischen ein paar Teenagern begann, hat sich zu einem richtigen, ernsthaften Job entwickelt. Und je mehr Songs man schreibt, umso mehr kann man letztendlich reifen. Nur so war ein stetiger Aufstieg in stilistischer, textlicher und musikalischer Hinsicht möglich. Der Anspruch, sich wirklich verbessern zu wollen, zahlt sich letztendlich durch Langlebigkeit aus. Deshalb werden wir auch niemals das gleiche Album nochmals schreiben, denn Entwicklung zeichnet einen Künstler aus.“

Selbst beim Songwriting legen sich PAPA ROACH nicht auf eine Vorgehensweise fest. „Am meisten mag ich es, wenn wir uns wirklich alle in einem Raum treffen und mit unseren puren musikalischen Emotionen um uns werfen, bis schließlich daraus ein Song entsteht“, verrät uns Tony im Interview. „Es kommt aber auch vor, dass wir verschiedene Schnipsel von Ideen auf dem Computer speichern und uns dann erst dazu inspirieren lassen, wie die Einzelteile zusammenpassen könnten.“ Lediglich eine Sache ist sicher: „Erst kommt immer die Musik und dann die Texte“.

Ohne Emotionen kein Song

An diesem Punkt kommt Sänger Jacoby ins Spiel. „Er muss von dem Songmaterial inspiriert werden, emotional ergriffen sein, um dann zu entscheiden welches Gefühl in den Song gepackt wird. Es kommt auch vor, dass sich definitiv nichts aus einer Song-Idee ergibt. Dann hilft es manchmal, sich eben nicht festzubeißen, sondern es einfach später nochmal mit dem Song zu versuchen.“ Die Definition, wann ein Song ein guter Song ist, trifft letztendlich jeder Musiker und Hörer für sich selbst. Für Tony Palermo gilt aber „Ein guter Song muss auf vielerlei Ebenen eingängig sein und diesen einen Haken haben, an dem man sich orientieren kann. Das ist am wichtigsten. Woher genau dieser Haken kommt, ist absolut zweitrangig. Es kann eine Gesangsmelodie sein, ein Gitarrenriff oder dieser eine Trommelschlag. Wenn ein Song mehrere Haken aufweisen kann, ist das natürlich optimal. Eigentlich ist jeder Song in sich ein kleines Musical, bei dem es gilt, Höhen und Tiefen sinnvoll zu verknüpfen, um den Hörer direkt anzusprechen – das ist die eigentliche Schwierigkeit!“

Hört sich ganz schön kompliziert an und steht im kompletten Gegensatz zu der These, dass radiotaugliche Songs einfach zu schreiben seien. Abgesehen vom Airplay glänzen PAPA ROACH aber auch stets mit einem konstanten Energie-Level während ihrer Bühnenshows. Selbst nach dem eigenen Auftritt verkrümeln sich die Musiker nicht zwangsläufig im Backstage, sondern tummeln sich meist jubelnd am Bühnenrand, um die Auftritte von anderen Bands zu genießen. Woran das liegt und ob echte Leidenschaft für Musik eventuell auch der Schlüssel zu einer langen Karriere ist, kann Tony beantworten: „In erster Linie sind wir Fans von Musik. Ich denke, wenn dir das verloren geht, dann ist es dir nicht mehr möglich, mit deiner Musik zu überzeugen. Leidenschaft für Musik und Spaß daran, auf der Bühne zu stehen, sind die zwei wichtigsten Voraussetzungen für einen Musiker. Andere Bands zu beobachten, von ihnen zu lernen und angesteckt zu werden, das ist ebenfalls sehr vitalisierend. Wenn ein Musiker dieses Feuer in sich trägt und dann noch andere Gleichgesinnte findet, dann stehen die Zeichen für eine Karriere gut.“

Wenn Bands sich anscheinend gegenseitig befruchten, dann stellt sich zwangsläufig die Frage, ob es denn im Musikgeschäft auch richtige Freundschaft gibt. Grundsätzlich sieht Tony dahingehend, eine gewisse Vorsicht vorausgesetzt, keinen Widerspruch. „Möglich ist das schon. Bei den Leuten, mit denen man täglich zu tun hat, sollte man sich schon gegenseitig eine gewisse Rückendeckung geben. Aber es gibt, wie in jedem Business, schwarze und weiße Schafe. Am wichtigsten ist, dass man sich nicht in zu starke Abhängigkeit begibt. Man darf sich aber auch nicht so sehr verschließen, dass man keine Menschen mehr in sein privates Umfeld lassen kann, um echte Integrität entstehen zu lassen.“

Hoffnung entsteht aus Angst

Wahre Worte und mit dem Albumtitel „F.E.A.R.“ haben PAPA ROACH ebenfalls einen Nerv getroffen, auch wenn das Akronym „Face everything and rise“ bedeutet. Dies geschah bewusst, denn eigentlich soll die aktuelle Platte nicht das Thema Angst zentralisieren, sondern einen Ausweg aus eben dieser aufzeigen. „Jacoby kam während der Aufnahmen auf diesen Titel. Seine persönlichen Erfahrungen führten in an den Punkt, an dem er erkannte, dass Angst auch immer in direkter Verbindung mit Hoffnung steht. Es ist also eine hoffnungsvolle Platte und Hoffnung ist eine der stärksten Waffen, die man Krieg und Terror entgegensetzen kann. Es ist beeindruckend Leute zu sehen, die stark unter Beschuss stehen und sich selbst mit Hoffnung aus diesem Tief herausholen.“

Sollte es für Hoffnung morgen zu spät sein, würde Tony sich allerdings ganz banalen Gelüsten hingeben. „Ich würde versuchen, meine komplette Familie zusammenzutrommeln und eine intensive Zeit mit ihnen verbringen wollen. Ganz abgesehen davon, würden wir uns alle mit gutem Essen und Trinken vollstopfen!“ Ein netter Vorsatz, trotzdem bleibt natürlich zu hoffen, dass die Apokalypse noch einige Zeit auf sich warten lässt. Um PAPA ROACH muss man sich bis dahin keine Sorgen zu machen, Drummer Tony ist sich durchaus bewusst, wie beneidenswert gut ihre Karriere bis jetzt verlaufen ist. „Wir sind dankbar, die Gelegenheit zu haben mit unserer Musik das Leben von Menschen zu verändern, denn das verändert wiederum unsere Leben.“

26.01.2015
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