XIV Dark Centuries
XIV Dark Centuries

Interview

XIV DARK CENTURIES haben mit "Skithingi" ein weiteres Mal eindrucksvoll bewiesen, wie deutscher Pagan Metal zu klingen vermag. Ein Zwiegespräch mit dem Gitarristen Tobalt Rotbart war daher Pflicht. Über Politik wurde ebenso gesprochen, wie über Religion und auch persönliche Wunschträume.

Moin Tobalt, „Skithingi“ hört sich wie eine Sushi-Sorte an, hehe. Was bedeutet der Titel eures neuen Albums tatsächlich?

Skithingi ist der althochdeutsche Name einer der wichtigsten Palisadenburgen zur Zeit des Thüringer Königreiches. Für die Geschichtsschreibung ein zweischneidiges Schwert, für die Archäologie ein nie wirklich lokalisierter, für die Legende eine Tatsache. Skithingi ist wie eben erwähnt ein Eigenname und läßt sich schwer übersetzen. Im groben Sinn wird die Bedeutung übersetzt mit: „Leute der hölzernen Burg“.

Wie sieht das lyrische Konzept hinter „Skithingi“ aus?

Skithingi berichtet von der Entstehung, dem Leben und Wirken des Stammes der Thüringer und vom Untergang ihres Königreiches. Für uns stand der Inhalt schon lange fest, sogar schon bevor wir unser Konzept Mini Album „Jul“ machten. Wir werden auch weiter Produktionen als Konzeptalben in Angriff nehmen.

Ich finde, dass sich „Skithingi“ wesentlich kompakter und auch teilweise geleckter anhört als „…Den Ahnen Zum Gruße“. Ein natürlicher Umstand wegen der besseren Produktion oder habt ihr gezielt darauf hingearbeitet?

Wir wollten einfach nicht nur unsere Komposition verbessern, sondern natürlich auch die Studioarbeit auf ein neues Niveau bringen. Da wir alles selbst mischen und veredeln, war für uns der Anspruch hoch, uns der Produktion mit besonderem Augenmerk zu widmen. Wenn du, wie in deiner Frage angesprochen, jedoch nicht „…den Ahnen zum Gruße“ zum Vergleich heranziehst, sondern den Nachfolger „Jul“, wird der Weg unserer Produktionsarbeit besser erkennbar. Wir hatten schon „Jul“ wesentlich transparenter und (wie du so schön sagst) geleckter produziert.

Teilweise finde ich diesen von einer weiteren Stimme überlagerten Gesang, den ihr gerne verwendet, etwas anstrengend. Kann man sagen, dass es mehr oder weniger ein Markenzeichen von euch ist? Was ist deiner Meinung nach das absolute Erkennungsmerkmal von XIV DARK CENTURIES?

Um es mal auf die prägnantesten Merkmale zu bringen, ist die Musik von uns geprägt durch vielfältigen Melodienreichtum, ausgewogenes Spiel zwischen Rhythmus- und Melodiefraktion, solides Schlagzeugspiel, orchestrale Keyboarduntermalung und seit „Skithingi“ nun auch chorale Vielfalt durch mehrstimmige Klargesänge, die sich mit den Kreischgesängen abwechseln und ergänzen.

Ok, kommen wir zum allseits beliebten Thema Politik. Du bist dir sicherlich auch des Problems des Rechtsrucks in der paganen Szene bewusst. Was denkst du, könnt ihr als Band dagegen machen, wie geht ihr persönlich mit dieser Sache um?

Wir können wohl niemandem in seiner Persönlichkeit verändern, aber wir können und werden immer wieder unseren Standpunkt klar machen, das wir nichts mit Politik egal welcher Strömung zu tun haben.

Ist bei euch Politik in der Band überhaupt ein großes Thema? Worüber wird bei euch im Proberaum bzw. im Studio am meisten diskutiert/gestritten?

Das Thema verfolgt uns nun schon seit vielen Jahre und ist für uns mittlerweile nicht mehr die Grundlage für ausgedehnte Diskussionen. Wir beschäftigen uns, wenn wir zum musizieren im Proberaum sind mit unserer Musik und das ist wohl auch die Hauptsache. Natürlich ist jeder von uns an aktuellem Geschehen interessiert und wir reden auch darüber, aber was den sogenannten Rechtsruck in der Pagan-Szene angeht, wurden bei uns schon genug Dispute geführt.

Was hältst du von der Aussage „Bands haften für ihre Fans“ im Sinne von „Eltern haften für ihre Kinder“?

Hör ich heute zum ersten Mal. (Kein Wunder, hab ich mir ja auch eben ausgedacht – Anm.d.Verf.)
Ist das ein neuer Trend? ;o)
Im Ernst: Das ist nicht machbar. Wir können keinem verbieten unsere Musik zu hören, oder sich für die Geschichten dahinter zu interessieren.

Ich weiß nicht, ob du Kinder hast, aber wenn ja, wie gehst du damit um, dass sie in der Schule christlichen Religionsunterricht haben?

Zwei von uns haben Kinder und die werden garantiert keinen christlichen Religionsunterricht haben. Wenn das so eingeführt würde, dann würde ich meinem Kind dafür eine schriftliche Entschuldigung schreiben, hehe. Mal ehrlich, in unseren Schulen ist das nach meinem Wissen kein Pflichtfach.

Würdest du einen polytheistischen Religionsunterricht befürworten?

Gegenfrage, was wölltest du dort unterrichten? (Gegenantwort: die kritische Auseinandersetzung mit allen wichtigen Religionen, deren Ursprung und Grundlagen – Anm.d.Verf.)

Die Schule ist ein gesellschaftlicher Apparat, der die Kinder auf „diese“ Gesellschaft vorbereitet. Ich halte das für nicht gut. Wenn die Kinder etwas über die Religion Ihrer Altvorderen lernen wollen, sollten sie zuerst mit dem absoluten Grundpfeiler dieser Lebensweise auseinandersetzen, „der Mutter Natur“. Wer sie begreift, begreift auch den religiösen Ansatz mehrerer Gottheiten.

Heute bezeichnet man die meisten historischen polytheistischen Religionen als Mythologie – auch die Germanische. Nur wenige Religionen des Altertums waren nicht polytheistisch, glaubst du, dass das Vielgöttertum nicht mehr zeitgemäß ist und von daher nicht die verdiente Zustimmung findet?

Ich glaube, das es natürlich noch zeitgemäß wäre, im Sinne einer Gesellschaft, die wirklichen Umweltschutz betreibt und ihn nicht nur politisch vorgaukelt.
Fakt ist, das unsere Götter nicht mehr schlafen, denn es gibt viele, die sie rufen. Die Frage ist nur, haben wir noch die Fähigkeit sie richtig zu rufen? Nur geschichtliches Interesse und Wissen bringt uns die alten Weisheiten und Rituale nicht zurück. Wir können nur mutmaßen, aber wir versuchen es weiter.

So, Themenwechsel. Ihr habt die Tour mit HELHEIM kurzfristig abgesagt, warum?

Zwei von uns haben neue Berufe und konnten deshalb keinen Urlaub bekommen.
Wir hätten schon gern mitgemacht, aber ging leider nicht. Ein kleiner Wermutstropfen war für uns die Teilnahme am Abschlußkonzert in Hollfeld.

Wann wird die Tour endlich nachgeholt? Und was steht in nächster Zeit so an?

Planungen für eine Tour im Herbst 2007 laufen. Mehr kann ich aber noch nicht sagen.

Wie wichtig ist euch ein authentisches Flair während eurer Gigs. Könntest du dir XIV DARK CENTRURIES ohne die Fellumhänge, die Hörner und den Met auf der Bühne vorstellen?

Mittlerweile nicht mehr. Es gehört dazu. Es werden zwar nicht alle absolut authentisch auf der Bühne stehen, aber das liegt daran, das einige nicht die Zeit haben sich intensiver mit der historischen Darstellung zu beschäftigen und bei den, die es tun, also bei mir, das ich nicht meine beste Gewandung auf der Bühne tragen will, weil ich es übertrieben fände und natürlich die gute Kluft schonen will. Steckt ja viel Arbeit drin.

Wenn ihr es euch aussuchen könntet, mit welchen vier anderen deutschen Heidencombos würdet ihr gerne durch die Landen ziehen? Finanzielle Erwägungen und zeitliche Unpässlichkeiten sollen mal hier keine Rolle spielen.

Ich spreche hier wohl nur für mich, denn meine Kollegen hätten vielleicht noch den einen oder anderen Bandwunsch. Also meine Favoriten wären, unter deinen genannten Voraussetzungen, Bands, mit denen wir allesamt gut befreundet sind. RIGER, HELRITT, THRUDVANGAR, MÅNEGARM (sind zwar Schweden aber egal).

Bitte beantworte unseren Lesern und mir noch die folgende letzte Frage: Was bedeutet für dich persönlich (Pagan) Metal?

Pagan Metal ist für mich die Musik, in der wir unsere Gedanken an eine längst vergangene Zeit bringen und diese Zeit lebendig werden lassen können. Lassen wir dann die Zeiten der Altvorderen lebendig werden, nehmen wir auch gern andere mit und lassen sie teilhaben an unseren Gedanken.

Ich danke dir für das Interview. Die letzten Worte gebühren selbstredend dir!

Danke für die Fragen.

Ein Gruß an alle Wodenstreuen.

Tobalt Rotbart

09.12.2006
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