Avantasia - Ghostlights

Review

Sie sind zurück: Unter Mastermind Tobias Sammet haben AVANTASIA eine neue opulente Rockoper am Start! Nach dem kommerziell beachtlichen Erfolg der letzten Platte liegen hohe Erwartungen auf dem neuen Silberling „Ghostlights“. Inhalt: Ein Zirkel wahnsinniger Okkultisten, die das individuelle Zeitempfinden des Menschen manipulieren und die Gesellschaft gleichschalten wollen, einen jungen agnostischen Wissenschaftler in der moralischen Zwickmühle, das Streben nach Entwicklung und Fortschritt; Spiritualität und der Sinn des Lebens – guter Stoff also, um ordentlich zu philosophieren. Sämtliche Lyrics und Musik gehen auf Tobias Sammets Konto, der in dem Konzeptalbum mehr als nur eine fantastische Geschichte sieht: „Das Konzept behandelt mehr oder weniger alltägliche Fragen, die mich und sicher auch einige andere Menschen da draußen beschäftigen.“

Auf zwölf Song mit einer Gesamtspielzeit von 70 Minuten nehmen AVANTASIA ihre Fans auf eine musikalische Reise der Superlative mit – allerhand Gastmusiker inklusive. Stilistisch erwarten den Hörer Genre-treuer Power Metal und ausgefeilte Arrangements. Schon der Opener „Mystery Of A Blood Red Rose“, das bereits im Dezember als erster Vorgeschmack erschien, gibt die Richtung des Albums vor: Dynamische Wucht, harmonisch eindrucksvolle Übergänge, traumhafte Klaviermelodien, melodischer Rock, voller Sound durch Gospelchöre im Background – eingängig und qualitativ hochwertig!

Das zwölfminütige „Let The Storm Descend Upon You“ überzeugt mit einem eingängigen unheimlichen Klavierthema, düsteren Chören, epischen Gitarrensoli und einem satten Orchesterarrangement – live bestimmt der absolute Hammer! Unterstützend steuern hier Jørn Lande und (wieder einmal) PRETTY MAIDS-Gründer Ronnie Atkins Vocals bei, beide werden auch auf der „Ghostlights“-Worldtour ab März mit am Start sein. Wunderschön auch „The Haunting“ (wieder tolle Klaviermelodie!), gesanglich dominiert von TWISTED SISTER-Sänger Dee Snider.

Mit Geoff Tate bestreitet Sammet das düstere und aufbrausende „Seduction Of Decay“, dieser unglaublichen Kraft kann sich niemand entziehen! Beim Refrain wird man unweigerlich in den bedrohlichen musikalischen Sog gezogen, Wahnsinn! Der Titelsong „Ghostlights“ ist ein typischer AVANTASIA-Song: Eine Mischung aus Power und Speed Metal, melodisch und auf eine völlig andere Art mitreißend, als sein Vorgänger. Leider strengen die hohen Vocals hier mit der Zeit an. Halbzeit: Das etwas schwächere „Draconian Love“ beginnt mit seltsamen elektronischen Keyboards, poppig, der überladene Chorus hamoniert leider wenig mit der Strophe von Herbie Langhans.

Für „Master Of The Pendulum“ wurden noch einmal schwere Geschütze aufgefahren und NIGHTWISH-Bassist Marco Hietala engagiert. Hier wird noch einmal ordentlich in die Saiten gegriffen, was das Zeug hält! Ein rhythmischer, aber melodisch in der Strophe etwas unspannender Song. Der Refrain reißt einiges raus. Auch eine weibliche Duett-Partnerin wurde mit WITHIN TEMPTATION-Elfe Sharon den Adel für „Isle Of Evermore“ gefunden – wenn auch mit viereinhalb Minuten ein eher kurzes Intermezzo auf dem Album. Die Niederländerin entführt den Hörer mit Sammet in eine wahrhafte Fantasy-Welt, musikalisch gut umgesetzt, wenn auch nicht wirklich neu.

Gewohnt bombastisch geht es wieder in „Babylon Vampyres“ zur Sache:  Der bis jetzt innovativste Song auf dem neuen Rockoper-Album. Besonders gelungen ist der dynamische Wechsel in „Lucifer“, das von tragischer Klavierballade in hieb- und stichfeste Symphonic Metal-Hymne kippt. Yes!!! In „Unchain The Light“ schwingen sich AVANTASIA in gewohnte musikalische Höhen hinauf, für die sie alle Genre-Fans so lieben: Bei so viel Melodie und flotten Gitarren muss man einfach mitgehen! Den etwas kitschigen und eher durchschnittlichen Abschluss mit „A Restless Heart And Obsidian Skies“ kann man da verzeihen.

Kann man ein Mammutwerk von Tobias Sammet eigentlich kritisieren? Es gilt vielmehr, sich auf den Anspruch des siebten Studioalbums von AVANTASIA einzulassen. Musik, die in ihrer Komplexität schwer zu fassen und doch so eingängig ist, Texte, die so metaphorisch sind, dass man seine Zeit braucht, um sich seine Gedanken dazu zu machen – und das ist gut so! Die Welt braucht sie, diese vielschichtige Musik. Wir freuen uns schon auf das neue Live-Spektakel dieses Jahr!

 

20.01.2016
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