Capud Draconis - Musica Nova

Review

Im Bereich der mittelalterlichen Musik ist eigentlich schon längst alles wichtige gesagt worden. Kein Wunder also, dass es in diesem Genre inzwischen üblich ist, die traditionellen Klänge mit moderner Rockmusik zu paaren, um abseits der überlieferten Wege seinen eigenen Pfad zu finden. „Echte“ Mittelalter-Marktmusik-Alben beschränken sich in der Regel auf das reine Nachspielen alter Traditionals oder Imitieren deren Songwriting so gut, dass sich zwischen einer Neukreation und einem zufällig wiederentdeckten historischen Stück nicht unterscheiden ließe. Umso mehr ist es der Verdienst von CAPUD DRACONIS, dass es ihnen gelingt, im Dudelsack-Bereich einen eigenständigen und frischen Sound zu kreieren.

„Musica Nova“ ist das Debütalbum des Quartetts und bereits im letzten Jahr in Eigenregie veröffentlicht worden. Die Scheibe bildet den ersten Teil einer Trilogie, die sich mit dem menschlichen Werden und Vergehen beschäftigt. Dass man sich dabei von philosophischen, wissenschaftlichen und literarischen Texten aus Antike, Mittelalter und Renaissance inspirieren hat lassen, dürften die wenigsten Zuhörer bemerken, denn die meisten der fünfzehn Stücke sind rein instrumental gehalten. Mehr über das Konzept der einzelnen Alben sowie der gesamten Trilogie lässt sich jedoch auf der Band-Homepage erfahren.

Obwohl der Sound unverkennbar mittelalterlich daherkommt, entsteht durch die starke Betonung irischer und vor allem schottischer Folk-Elemente im wahrsten Wortsinne eine neue Art von Musik, die auch über die typische Markt-Szene hinaus ihren Reiz entfaltet. Als ambientige Hintergrund-Beschallung eignet sich die Scheibe für die verschiedensten Stimmungen und auch auch einigen aufmerksamen Hördurchläufen halten die Stücke durchaus stand. Zumindest wenn man Dudelsack-Klänge mag, mangelt es an der Sackpfeifen-Affinität ist ein ausgeprägter Nervfaktor hingegen garantiert und man sollte einen großen Bogen um die Scheibe machen.

Ich persönlich werde CAPUD DRACONIS nicht zuletzt für die musikalische Untermalung zukünftiger Pen&Paper-Rollenspielrunden im Auge behalten, was vermutlich auch ganz im Sinne der Band sein dürfte. So stellt das Stück „Nova“ eine Zusammenarbeit mit Ralf Kurtsiefer dar, der sich unter dem ORKPACK-Banner einen Namen in der deutschen Rollenspiel-Szene gemacht und unter anderem auch den Soundtrack zum (inzwischen übrigens im zweieinviertelstündigen „Rondras Schnitt“ via Youtube veröffentlichen) DSA-Fanfilm „Leuenklinge“ beigesteuert hat. Dass das Stück zu den absoluten Album-Highlights zählt, versteht sich da von selbst.

Ansonsten vermisse ich stellenweise den Gesang, der sich kurz vor Schluss beim mit einem wunderschönen Refrain veredelten „Vagabund“ als angenehm warm und gefühlvoll erweist. So schleichen sich vor allem in der ersten Albumhälfte einige Längen ein, während sich die musikalische Spannung zum Ende hin immer weiter steigert. Aufgrund ihrer Originalität und des hohen technischen Levels, auf dem sich CAPUD DRACONIS bewegen, kann man jedenfalls verstehen, dass die Resonanz auf „Musica Nova“ so groß war, dass man weniger als ein Jahr später bereits den Nachfolger „Musica Divina“ über das geschmackssichere Indie-Label Totentanz Records veröffentlichen kann.

03.06.2011

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