Europe - Come This Madness

Review

Vielleicht ist es ja der ewigen „The Final Countdown“-Nostalgie und den regelmäßigen Touren geschuldet, dass „Come This Madness” nicht als das Comeback empfunden wird, das es eigentlich ist. Schließlich liegt das letzte EUROPE-Studioalbum „Walk The Earth“ bereits neun Jahre zurück. Einerseits. Andererseits haben es die schwedischen Hardrocker auch nicht nötig, ständig neue Scheiben rauszuhauen, und vielleicht ist es ja ganz gut, einfach mal innezuhalten und die Kräfte zu bündeln. Das ist ihnen jedenfalls – Spoiler! – gut gelungen.

Comeback mit „Come This Madness”?

„Come This Madness” verbindet die großen Felder, auf denen EUROPE seit jeher geerntet haben. Da wäre der haarspraybetonte Hardrock zu nennen, wie in der vorab veröffentlichten Single „Cult Of Ignorance“, bei dem die Schweden Eingängigkeit und Stadiontauglichkeit zeigen, einen cool pumpenden Bass inklusive. Der Titeltrack zeigt wiederum die Liebe zu Siebziger-Hardrock und DEEP PURPLE (und mit einem jungen David Coverdale am Mikro). „This Time Of The Year“ steht wiederum für den Hang zur Ballade und Hymnenhaftigkeit: Erst eine pianounterlegte Strophe, um dann im Refrain die Stimme und die Stimmung aufzudrehen.

EUROPE wirken dabei erwachsen, ohne zu ernst zu agieren: Die Arrangements sind rund und ausgeklügelt, die Gitarrensoli nicht bloßes Beiwerk, die Synthiesounds changieren zwischen Hammond und Achtziger-Cremigkeit, wobei sich auch die sinfonischen Einsprengsel gut in den Gesamtsound einfügen. Außerdem lassen die Schweden selbstreferenzielle Let-The-Good-Times-Rock-The-Night-Plattitüden außen vor. Und ist es verkehrt, ihnen sogar leichte Progressivität zu bescheinigen, wie im abschließenden „Nothing Can Follow This“?

EUROPE bündeln ihre Stärken

„Come This Madness” zeigt zudem eine recht hohe Trefferdichte: Jeder der Songs hat seine Berechtigung, wobei sich die livetauglichen Kracher allerdings eher auf der ersten Albumhälfte tummeln. Dennoch: Füller sucht man vergebens. Kurzum: Wenn Ihr bislang etwas mit EUROPE anfangen konntet, und dabei ist es egal, ob das der Stoff aus den Achtzigern oder die bluesbetonten Phasen sind, hört rein. „Come This Madness“ kann was, macht Spaß und qualifiziert sich auch abseits der Singleauskopplungen und der Gastauftritte von Tobias Forge (GHOST) und Mikael Åkerfeldt (OPETH), vom spaßigen Promiaufgebot im „Cult Of Ignorance“-Video mal ganz abgesehen.

30.09.2026

- Dreaming in Red -

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