Gluecifer - Same Drug New High

Review

Soundcheck Januar 2026# 4

Die Kunst des lässig durch die Hose atmenden Schweinerocks wirkt wie eine simple, intuitive Angelegenheit. Aber allzu schnell schießen Bands, die es darauf anlegen, weit übers Ziel hinaus, geraten dadurch in eine Feedback-Schleife und kommen dann automatisch am falschen Ende der Coolness-Skala heraus. Und dann gibt es Formationen, die es irgendwie einfach drauf haben – so wie GLUECIFER, die mit „Same Drug New High“ ihr an sich schon 2017 eingeleitetes Comeback anno 2026 endlich mit einer neuen Platte krönen. Fürwahr, das hier gegenständliche Exponat gerät zu einem kleinen, gesellschaftlichen Ereignis, schließlich ist hier eine legendäre Formation der skandinavischen Rock-Revival-Welle mit neuem Material am Start, nachdem mit THE HELLACOPTERS eine weitere Ikone des Nordens schon seit einiger Zeit als rockende Wiedergänger die Gegend unsicher machen.

Lange nach Einleitung ihres Comebacks besiegeln GLUECIFER dies mit einem neuen Album

Man mag das Fass aufmachen, dass die Coolness des Rock mit Lemmy zu Grabe getragen worden ist. Und auch wenn diese These durchaus Nährboden für eine fundierte Erörterung bieten würde, findet der Rock, der noch in Leder gehüllt und im mit Kippenqualm und Bierdunst benebelten Kreissaal zur Welt gekommen ist, immer wieder zurück in den Äther, um so richtig lässig ins Gebein zu fahren. Die Standards des Rock haben sich seit dem einstweiligen Ende der hier gegenständlichen Osloer natürlich in alle möglichen Richtungen entwickelt. Von daher ist die Tatsache, dass man auf „Same Drug, New High“ keinen neueren Trends hinterher hechelt, erst einmal beruhigend.

GLUECIFER klingen anno 2026 noch wie junggebliebene Rocker, auch wenn der Zahn der Zeit durchaus seine Spuren hinterlassen hat. Will sagen: Der jugendliche Hüftschwung eines „Basement Apes“ beispielsweise wird nicht angekratzt und man ist im Schnitt generell etwas weniger zackig unterwegs. Kompensiert wird auf „Same Drug, New High“ entsprechend durch fuzzigen, angenehm zeitlos klingenden Rock, der hier mal den ein oder anderen MONSTER MAGNETismus durchscheinen lässt, dort mal den Glam Rock und all seine Derivate aufleben lässt (ganz besonders „I’m Ready“) und generell um Impulsivität bemüht ist. Und im Zentrum kommandiert ein Frithjof Jacobsen Biff Malibu das Geschehen mit angenehmer Präsenz.

Doch auf der Zielgeraden lassen die Osloer Federn

Und so für zwei Drittel der Spielzeit, im Grunde bis einschließlich „Made In The Morning“, klappt das alles auch hervorragend. Hiernach legt „Same Drug, New High“ dann auf die letzten Meter aber doch einen dezenten Flachköpper mit Gesichtsbremse hin. Die Osler leisten sich einen bizarren Schnitzer in „Another Night, Another City“. Die Leads in dem Track klingen einfach grauenvoll und sind so penetrant in den Vordergrund gemixt, dass es den an sich soliden Sleaze-Rocker fast komplett verschandelt. Ebenfalls verwirrend ist der Rausschmeißer „On The Wire“, bei dem GLUECIFER eventuell etwas mit Kraut- und/oder Space Rock experimentieren wollten, aber letztlich nicht den Mut zum Vollzug zeigen konnten. Das passt irgendwie gar nicht zur Draufgänger-Attitüde des Quintetts.

Das, was auf „Same Drug, New High“ funktioniert, funktioniert jedoch gut, weshalb die ersten zwei Drittel der Trackliste auch ein hervorragendes Hallo Wach für die Rock-Meute ist, die sich anno 2026 mal wieder mit passender, musikalischer Begleitung auf den Feuerstuhl (oder anderen fahrbaren Untersatz der Wahl) klemmen möchten. „Armadas“ hat diese wunderbar transzendentale Bridge, die wie aus dem Nichts kommt, „The Score“ wäre ein wunderbarer Track, um aus dem Vorprogramm von MONSTER MAGNET in den Hauptakt überzuleiten und „I’m Ready“ bohrt sich nachhaltig in die Hirnwindungen rein. Sie können’s also. Warum sie auf die letzten Meter dann so Federn lassen, bleibt rätselhaft …

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14.01.2026

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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