Green Lung - Necropolitan

Review

GREEN LUNG beziehen sich mit „Necropolitan“ auf die „Magnificent Seven“. Das sind sieben viktorianische Friedhöfe, im Herzen Londons platziert und mittlerweile vom Zahn der Zeit veredelt. Welch ein exorbitant geschickter semantischer Kniff! Einerseits buddelt die Band so einen gediegen gruseligen Gothic-Rahmen für ihr viertes Album aus der Historie ihrer Heimatstadt.

GREEN LUNG ziehen die Assoziationskette zu

Andererseits ziehen GREEN LUNG mit den überwucherten Ruinen die Assoziationskette gnadenlos zu: Die Natur holt sich das Ihre just an den prunkvollen Stätten menschlicher Vergänglichkeit zurück und es entsteht eine grüne Lunge im Zentrum eines früh- und spätkapitalistischen Brennpunkts. Das Ganze besingen zudem Typen, denen man individuell zutraut, den eigenen Bandnamen über die Sportzigarette umzusetzen.
Die Nadel hat noch nicht mal Anstalten gemacht, den Plattenteller anzuvisieren, und man ist schon mit dem Poe (unter dem Arm) in die Schlaghose geschlüpft, um dem süßen Blatt hinter dem Mausoleum oder auf den Balkon die Aufwartung zu machen.

„Necropolitan“ ist prinzipientreu

„Necropolitan“ enttäuscht als Soundtrack zu dieser Sause nicht. GREEN LUNG gebären weiterhin eine prinzipientreue Variante des harten Siebziger-Rock, die sich forsch immer wieder als Metal aufführt. Der Reiz ihrer Musik erwächst konkret aus der Kombination verdienter und längst heiliggesprochener Elemente: doom-dunkle Seventies-SABBATH-Grundsubstanz inklusive Ozzy-Vocals wird mit DEEP-PURPLE-Soli – sowohl der Orgel als auch der Gitarre – individualisiert und mit der Wucht Birmingham’schen Achtziger-Stahls ausgerüstet.

Das Ganze huldigt den Großen

Die „Necropolitan Line“ huldigt Jon Lord und Ritchie Blackmore am offensten, hohe Gillan-Schreie werden ebenso angedeutet; der Clou: Das Triebwerk stammt aus dem Hause HELLACOPTERS und ermöglicht die ansatzlose Beschleunigung.
„Ozymandias“ gibt sich als okkult-rockende IRON MAIDEN mit Gewichten an den Beinen und vertont, so wird geraunt, ein 200 Jahre altes Sonett von Percy Bysshe Shelley.
Riley Pinkerton von CASTLE RAT leitet „Alostrael (Be My Babalon)“ gesprochen ein und „Together In Death“ mag eine Mörder-Power-Ballade sein.
Darüber hinaus gibt es viel angenehm Erwartbares, mit ordentlich Hingabe heraufbeschworen. Allerdings auch einiges, an das man sich dereinst vielleicht nicht mehr detailliert erinnern wird. Mit einem Fuß im Grab, die Lunge vor dem letzten Akt, aber das Herz voller Rock.

04.09.2026
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