Horse The Band - A Natural Death

Review

Wo andere Bands des Genres fast zwingend Tod, Mord und Verstümmelung im Namen führen, verhelfen fünf junge Herren aus Kalifornien nun endlich dem Pferd zum längst verdienten Ruhm in der Szene. Passend dazu haben HORSE THE BAND ihre Scheuklappen nieder gelegt: Sie pfeifen auf musikalische Einpferchungen und zwinkern auf ihrem zweiten Album „A Natural Death“ mit mindestens drei Augen. Als Nintendo-Core definieren sie selbst ihren Musikstil – was aber, wie auch die naive, doch mehr schlechte Wild-West-Collage und der ebenso dümmlich-naive Bandname, allzu harmlose Assoziationen weckt.

Achtung, Achtung! Diese Band ist eine zweischneidige Klinge. Einerseits legen sie derart viel Selbstironie an den Tag, machen sich über alles und jeden lustig, dass es fast schon weh tut. Auf der anderen Seite sind sie viel zu clever, verfügen über ein außerordentliches musikalisches Talent, als dass man es wagen dürfte, ihre Musik als reine Lachnummer abzutun. Dieses Paradoxe, das ihrer Musik anhaftet, ist erfrischend und auch ein nötiger Gegenpol zu dem, was zurzeit in der Mosh-Death-Core-Szene geboten wird.

Richtig genretypisch ist hier gar nichts. Zwar changieren sie zwischen Metalcore und feistem Geballer, flechten aber in ihr tiefdruckvolles Riff-Gewitter ganz, ganz fiese, käsige Kinder-Keyboards ein. Da sind sie nicht die ersten, die Lärm und ulkige Töne miteinander kombinieren. HORSE THE BAND sind aber wiederum mehr daran interessiert, originale Gameboy- und SuperNintendo-Sounds zu verwenden, was ihrem kruden Gebräu ein hohes Maß an Authentizität verleiht. Sicherlich, ich muss es betonen: „A Natural Death“ ist nicht der Innovation letzter Schluss. X-Mal gehörte Metalcore-Breakdowns, das dröge Ableiern altbekannter Schemata, nerven auch hier und die ellenlangen Ambient-Intermezzi (oder wie man das auch immer nennen mag!) stören den Albumfluss doch gehörig. Immerhin hat die Platte eine Spielzeit von üppigen 55 Minuten, da hätte man sich schon einige Spielereien verkneifen können.

Doch genug des Mäkelns. Der Rest ist klasse. Sehr abwechslungsreich sogar. „Murder“ klingt wie der Endgegner, gegen den man nicht antreten möchte, „New York City“ funkelt und knallt wie ein Feuerwerk. Euro-Wave ist der zentrale Fluchtpunkt von „Sex Raptor“, welcher in einer geschmackssicheren Disco Tanzflächen füllen würde. Die absolute Krönung in Sachen Debilität ist „Kangarooster Meadows“. Da haben die Kalifornier wohl auf die falschen (richtigen?) Drogen gesetzt. Mann, Mann, Mann. Wer hier nicht ausrastet, na, dann weiß ich auch nicht.

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18.05.2008

Der metal.de Serviervorschlag

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