Kavrila - Transcend
Review
Die Meister der EPs sind zurück. Nicht nur haben KAVRILA den großartigen Zyklus der „Rituals“-EPs bereits 2021 abgeschlossen, in der Zwischenzeit wurde mit „Heretics I“ erst im letzten Jahr schon wieder eine neue, erneut vielversprechende Serie begonnen. Trotzdem hatten die Hamburger offenbar auch noch Zeit um endlich einen neuen Longplayer fertig zu bekommen. Es wurde auch Zeit, immerhin hat „Mor“ bereits fünf Jahre auf dem Buckel. Funktioniert der eigenwillige KAVRILA-Sound auf „Transcend“ auch wieder auf voller Länge?
KAVRILA – Fluch und Segen
Mit eigenwillig sind dabei zunächst einmal die Shouts von Fronter Alex Bujack gemeint, die gleichzeitig Fluch und Segen sind. Kaum jemand schafft es wohl, dauerhaft so dermaßen angepisst zu klingen, allerdings klingt das Ergebnis auch nicht unbedingt variantenreich, weshalb die Kunst von KAVRILA seit jeher darin bestand, trotz aller Sperrigkeit den Signature-Sound immer in irgendeiner Form spannend zu halten.
Natürlich wissen die meisten, dass das bislang hervorragend gelang und schon „Kinship“ geht mit seinem noisigen Intro direkt ordentlich auf den Sack, bevor das Quartett sofort seine Qualitäten und auch seine Eigenständigkeit im Bereich des hardcore-lastigen Sludge ausspielen kann. Doomiges Tempo, melodische Clean-Gitarren und angefressene Hardcore-Shouts passen nicht zusammen? Und wie sie das tun. Innerhalb von knapp vier Minuten schaffen es KAVRILA sowohl traurig, wütend und verzweifelt zugleich zu klingen.
In Sachen Sound geht es auf „Transcend“ nicht ganz so roh zu, wie auf „Heretics I“, die ja aber auch extra mit einem Vier-Spur-Tonbandgerät aufgenommen wurde. Es bleibt zwar staubig-trocken, dennoch dürfen die Songs auf „Transcend“ sich in alle Richtungen entfalten, klingen häufig sogar erstaunlich warm, loten wieder ein wenig mehr die ebenfalls schon seit langem vorhandene doomige Seite der Band aus, weshalb sich die Platte auch hervorragend als Herbst-Soundtrack eignet, obwohl Songs wie „Tenacity“ auch ordentlich aufs Fressbrett geben.
Die elf Songs gehen nicht nur tatsächlich meist direkt ineinander über, sondern bilden auch in Sachen Songwriting einen hervorragenden Fluss. Langweilig wird es dabei eigentlich nie, der ständige Wechsel zwischen fast schon eingängiger Melodiösität und heftigen Ausbrüchen sorgt dafür, ohne dabei berechenbar zu werden. Einzelne Songs heraus picken? Fast unmöglich. „Transcend“ will im Ganzen genossen werden, wobei Genuss wohl der falsche Ausdruck für die Tour de Force ist, die sich dem Hörer eröffnet, wenn man sich vollends auf die Platte einlässt.
Emotionale Achterbahnfahrt – „Transcend“
KAVRILA entfernen sich erneut nicht all zu weit von ihren Wurzeln und öffnen ihren Sound trotzdem gerade so weit für neue Einflüsse – in diesem Fall vor allem aus Doom, klassischem Heavy Metal und Rock’n’Roll – dass „Transcend“ in der Diskographie äußerst eigenständig daherkommt. Mehr Emotionen, mehr Melodien, ohne sich auch nur im Mindesten irgendwo anzubiedern oder gar weichgespült zu klingen.
„Transcend“ ist eine emotionale Achterbahnfahrt, die einen sofort einsaugen kann, aber trotzdem immer wieder neue Details bereit hält, um über 40 Minuten die volle Aufmerksamkeit des Hörers einzufordern. Falls irgendjemand dachte, dass KAVRILA so langsam alles gesagt haben: Hier kommt der dicke Mittelfinger für Euch!
Kavrila - Transcend
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Doom Metal, Post-Hardcore, Post-Metal, Sludge |
| Anzahl Songs | 11 |
| Spieldauer | 42:33 |
| Release | 06.11.2026 |
| Label | Supreme Chaos Records |
| Trackliste | 1. Kinship 2. Domino 3. Heavy Breathing 4. Exhume 5. Defaced 6. Tenacity 7. Sway 8. Detention 9. The River 10. Cleansing 11. A Friend |
