Long Distance Calling - Avoid The Light

Review

LONG DISTANCE CALLING kommen aus Mannheim, Münster und Dortmund, sind relativ jung und spielen Rockmusik. So viel als Vorabinformation. Metallisch angehaucht ist ihr Sound für Hirn, Herz und Hörvergnügen eine wahre Delikatesse. Ihren Ruf mit „Satellite Bay“ noch aufbauend, sind sie jetzt mit „Avoid The Light“ am Start. Einem Nachfolger, welcher Überzeugungsarbeit allererster Güte leistet, sofern man überhaupt noch davon reden kann. Denn einmal reingehört, entwickelt der sogenannte Postrock-Sound über das gesamte Album hinweg eine Eigendynamik, die ihres Gleichen sucht.

Mit „Satellite Bay“ spielten sie sich warm, testen sich selbst und lieferten ein durchweg solides Album ab. Nun ist es für sie wohl an der Zeit vollends durchzustarten. Ein erster Blick auf die Uhr verrät, dass es sich bei knapp einer Stunde Spielzeit „nur“ um sechs Songs handelt, das kann ja heiter werden. Heiter wird es nicht sofort, eher ruhig und sphärisch beginnen sie bei „Apparitions“, um sich in den kommenden zwölf Minuten zu entfalten, auszubreiten und den Hörer mitzunehmen auf eine musikalische Reise, der er sich nur schwerlich entziehen kann. Ambient-geschwängerte Momente halten Einzug, ein Auf und Ab der Gefühle wird dargeboten, bis das Stück zum Ende hin noch mal regelrecht ausbricht und offene Münder zurücklässt.

Die besagten zwölf Minuten sind schneller um als man denkt und eben noch auf der rockigen Space-Autobahn unterwegs, schieben sie bei „Black Paper Planes“ ihre progressiv-härtere, jedoch nicht minder verspielte und fesselnde Seite an die Oberfläche. Rein theoretisch fehlt bei „359°“ das letzte Quäntchen, faktisch ist aber alles vorhanden, was auch diesen emotional-melancholischen Fall zum Highlight werden lässt. Daran anschließend, allerdings mit etwas mehr Durchzugskraft scheint es für LONG DISTANCE CALLING ein Leichtes die Hörerschaft während „I Know You, Stanley Milgram!“ nicht in den Alltag zu entlassen.

Musikalische Exzellenz so weit das Auge reicht. Man vermisst nicht einmal die Vocals, sofern man nicht von deren Existenz ausgegangen ist, denn einzig „The Nearing Grave“ wird unter Zuhilfenahme von Jonas Renkse (KATATONIA) stimmlich unterlegt. Auch das finale Stück „Sundown Highway“ kommt gänzlich ohne Stimme aus, was auch hier keinen Abbruch tut, denn der Aufbau vom emotionalen Beginn bis hin zum tosenden Finale lässt fast keine Wünsche offen. TOOL und A PERFECT CIRCLE lassen nicht nur bei diesem Stück grüßen

LONG DISTANCE CALLING gehören offiziell zur Gattung jener Bands, die dem Postrock zugeodnet werden. Dieser Begriff passt einfach nicht in mein Weltbild. Doch wenn das so sein soll, dann sind sie wesentlich intensiver, reifer, emotionaler und professioneller als so manch andere Vertreter dieses Genres. Das ist instrumentaler Rock mit progressiven und psychodelischen Einflüssen. Und zwar von der sensationellen Sorte! Auf den Versuch das noch zu toppen bin ich echt gespannt!

23.04.2009
Exit mobile version