Film - Old

Review

Wird M. Night Shyamalan langsam „Old“? So schwach wie der Scherz sind auch viele seiner Filme. Zwar ist es grundlegend ansprechend, dass der Filmemacher seine Geschichten inzwischen selbst finanziert, doch nicht immer entsteht aus der freien Gestaltung etwas Gutes.

Das Gruseldrama „Old“ wirkt wie ein Schnellschuss. Als hätte Shyamalan aus einer fixen Idee ein ebenso fixes Drehbuch verfasst und die halbgare Story schnell umgesetzt. Was dem Streifen am Ende fehlt, sind inszenatorische Kniffe, eine inhaltliche Tiefe und vor allem besser ausgearbeitete Figuren.

Worum geht es in „Old“?

„Old“ ist eine Adaption der Graphic Novel „Sandcastle“ von Pierre Oscar Lévy und Frederik Peeters. Im Mittelpunkt steht die Familie Cappa: Mutter Prisca (Vicky Krieps), Vater Guy (Gael García Bernal) und die beiden Kinder Trent und Maddox, die von mehreren Darstellerinnen und Darstellern gespielt werden.

Die Cappas fahren gemeinsam in die Ferien und landen schnell mit anderen Gästen auf dem Privatstrand des Urlaubsresorts. Doch die Idylle des pittoresken Eilands ist nur eine Fassade. Die Ehe von Prisca und Guy steht vor dem Ende – die Kinder wissen noch nichts davon. Zudem leidet Prisca an einer scheinbar schweren Erkrankung. Als Trent eine Frauenleiche entdeckt, kehrt sich das Paradiesische für alle nach und nach in Dunkelheit um.

Let’s do the twist

Der Plot ist eindeutig und passt exakt zum wenig einfallsreichen Filmtitel. Alle Anwesenden altern überdurchschnittlich schnell, was vor allem bei den Kindern optisch auffällt. Logisch, dass niemand die Insel verlassen kann – sobald jemand durch den höhlenartigen Tunnel verschwinden möchte, fällt die Person einem fiesen Schwindelanfall zum Opfer und erwacht wieder im Sand. Natürlich funktionieren auch die Mobiltelefone nicht.

Im Hauptteil erleben wir die wachsende Verunsicherung, die hier und da verständlicherweise zu waschechter Panik mutiert. Denn schnell ist klar: Wenn sie keine Lösung finden, empfängt sie der Tod je nach Ausgangsalter innerhalb weniger oder einiger Stunden. Doch woran liegt das?

Wie in jedem Shyamalan-Film warten wir auf den hoffentlich großartigen Twist. Für den Amerikaner ist das Fluch und Segen gleichermaßen. Denn einerseits bleibt das Publikum bis zum Ende am Ball und dabei möglichst interessiert, andererseits kann keine Auflösung mit dem grandiosen „The Sixth Sense“ mithalten, an dem sich trotzdem alle Filme messen – das beweist schon das Marketing.

Viel Durchschnitt, wenig Raffinesse

Nehmen wir „The Visit“ (2015) als Vergleich, denn der Film ist ähnlich: Die Story ist banal und alles läuft darauf hinaus, dass sich der Vorhang lüftet. Selbst die Auflösung war nicht fantastisch, doch im Verlauf punktet der Film mit einigen sehr unterhaltsamen Szenen – und die zwei Kinder sind einigermaßen sympathisch. „Old“ schafft das nicht. Stattdessen nervt der Film mit unausgegorenen Charakteren und sinnfreien Entscheidungen (Schwangerschaft).

Die große Story-Offenbarung, die Antwort auf das quälende „Warum“, ist gar nicht so schlecht. Doch der Wert verpufft, weil der Film zu lange zu belanglos und dann zu schnell vorbei ist.

Idee: Der Twist kommt schon zur Hälfte und anschließend liegt der Fokus mehr auf der Geschichte, die hier sogar eine Menge Potenzial für echte Tiefe hat – allein das Spiel mit der Zeit und dem Sand des Settings serviert etliche Möglichkeiten für symbolträchtige Bilder. Dann würde der Film nicht bloß als Mittel zum Zweck fungieren – für den erhofften Wow-Effekt. M. Night Shyamalan sollte sich endlich selbst aus dieser Schublade befreien.

13.12.2021

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