Primordial - A Journey's End

Review

1998 als zweites PRIMORDIAL-Album veröffentlicht, ist „A Journey’s End“ im Vergleich zu seinem Vorgänger „Imrama“ mehr als ein Quantensprung. Die Band war, wenn man Alans Liner-Notes Glauben schenken darf, seit der Veröffentlichung von „Imrama“ durch mehrere Höllen gegangen, hatte sich persönlich hassen gelernt und war daran mehrmals fast zerbrochen. Als sie im Frühjahr 1998 mit den Aufnahmen zu „A Journey’s End“ anfingen, war das Album nicht zur Hälfte fertig, und die Zukunft PRIMORDIALs stand damit komplett in den Sternen.

Genau diese Situation hört man dem Album an. „A Journey’s End“ ist nicht so scheppernd-schwarz wie „Imrama“, sondern durchtränkt von einer elegisch-folkigen, tröpfelnd melancholischen Stimmung. Dazu tragen nicht nur die vielen schwelgerischen 6/8-Takte beispielsweise im Titeltrack oder dem Mammutsong „Bitter Harvest“ bei, sondern auch der fast inflationäre Akustikgitarren-Einsatz. Ebenfalls neu in dieser bewusst eingesetzten Form: Alans cleaner Gesang.
Die sieben Songs des Albums lassen sich in ihrem atmosphärischen Aufbau Zeit, nutzen bereits die unorthodoxen Gitarrenarrangements späterer Alben auf der Basis weiterentwickelter Folk-Harmonien, den charakteristischen Drumstil, den weg vom Black Metal entwickelten Gesamtsound. Was es hier zu hören gibt, ist der Prototyp des Stils, den PRIMORDIAL auch heute noch pflegen und der für mich – das kann ich nicht oft genug sagen – die einzig akzeptable Form von Pagan Metal ist.

Mit dem „Dark Song“ enthält PRIMORDIALs Zweitling einen absoluten Klassiker der Banddiskografie, und der ist bezeichnenderweise eigentlich eine Folkballade. Alles, was an „A Journey’s End“ schön, berührend und bedeutend ist, trägt die Züge einer balladesken Weltsicht. Passend zu seinem Titel ist dieses Album eine Ode an alles, was traurig ist, was ein bitteres Ende hat und was man melancholisch sehen kann. Das macht auch der auf dieser Wiederveröffentlichung exklusive Titel „And The Sun Set On Life Forever“ (der eigentlich der auf das Album folgenden EP „The Burning Season“ entstammt und auf einen Demosong referiert, hier aber thematisch gut passt) noch einmal deutlich. Das halte ich, ganz im Gegensatz zu der grauenhaften, leiernden, übersteuerten Liveaufnahme von einem Konzert in Portugal im Winter 1999 auf der beiliegenden Bonus-CD, für eine schöne Ergänzung des ursprünglichen Albums.

Wenn ich aus dem Fenster schaue, stelle ich fest, dass das regnerische, trübe Wetter und die Herbststimmung sich exakt mit der Atmosphäre dieses großartigen Albums treffen. Sicher ist „A Journey’s End“ keine Platte, die sich für eine eine Bierrunde im Freundeskreis oder zum Hören beim Autofahren eignet. Dafür ist es umso mehr ein verständnisvoller und äußerst treuer Begleiter für die dunkelgrauen Tage des Lebens, der letztlich anhand PRIMORDIALs vorhandener und erfolgreicher Zukunft auch zeigt: diese Reise hat glücklicherweise gar kein Ende. Wer solch einen treuen Begleiter sucht, ist mit der jetzigen, finalen Metal-Blade-Version des Albums wirklich ideal ausgestattet.

16.11.2009
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