Rage Against The Machine - The Collection

Review

Wie doch die Zeit vergeht – es sind schon fast 10 Jahre seit der Trennung von RAGE AGAINST THE MACHINE vergangen, der Band die unbestritten zu den Pionieren einer neuen, bewusst politischen Musikrichtung gezählt wurden. Es war Anfang der 90er, als Zack De La Rocha, Tom Morello, Tim Commerford und Brad Wilk etwas erschufen, was man später als ‚Rapcore‘ oder ‚Funk Metal‘ beschreiben würde: Ein Hybrid aus Hardcore, Rock, Metal, Hip Hop und zahlreichen Latin-Einflüssen. Zum Zeitpunkt ihrer Trennung hatten sie drei Alben veröffentlicht, die sich weltweit mehrere Millionen mal verkauft hatten, und eine beeindruckende Karriere ging viel zu früh zu Ende.

Das war im Oktober 2000. Inzwischen gab es mit AUDIOSLAVE die inoffiziellen Nachfolger (ohne Rocha) und 2007 die Wiedervereinigung der Band für die Bühne. Gitarrist Tom Morello sagte einmal, dass die Songs nichts von ihrer Frische verloren hätten und gerade deshalb live gespielt werden müssten. Damit hatte er Recht, doch Gerüchten und Hoffnungen der Fans auf ein neues Album erteilte er regelmäßig, bis vor kurzem, eine Absage. Ein gegenteiliges Statement von Frontmann Zack, der die Chancen für das erste, neue Album seit 11 Jahren besser denn je sieht, nährt nun wieder die Erwartungen der Fans weltweit.

Wie bei jeder erfolgreichen Band, die so viele Spuren hinterlassen hatte, fand auch die Auflösung von RAGE AGAINST THE MACHINE ein langes Echo. Seit 2000 sind die Alben bereits mehrfach in allen erdenklichen Arten neu aufgelegt wurden (von der Billigvariante bis hin zu biologisch abbaubar…), 2002 gab es bereits von Epic Records eine Best-Of-Box der drei Studioalben – und nun diese Box hier, „The Collection“. Nochmals ein schnödes Best-Of, weil nichts Neues zu erwarten ist? Mitnichten!
„The Collection“ enthält nicht nur die Studioalben „Rage Against The Machine“ (1992), „Evil Empire“ (1996) und „The Battle Of Los Angeles“ (1999), sondern auch das Cover-Album „Renegades“ (2000) welches kurz nach der Trennung veröffentlicht worden war, sowie das Live-Album „Live at the Grand Olympic Auditorium“ (2003) mit den Konzertmitschnitten ihrer letzten beiden Auftritte in Los Angeles am 12./13. September 2000.

Unvergessen ist das furiose Debüt mit Killertracks wie „Bombtrack“ und dem RATM-Song überhaupt, „Killing In The Name“, der dank einer Facebook-Kampagne zu Weihnachten 2009 nachträglich zum ersten Nummer-Eins-Hit der Band wurde. Dazu Morello’s innovative Riffs wie in „Wake Up“, die mindestens ein dutzend Mal von anderen Bands später kopiert worden sind. Vier Jahre später erschien „Evil Empire“, welches durch eine etwas neue Gangart Richtung Hard Rock überraschte und nicht ganz so wild wie das Debüt war. Das tat seinem Erfolg allerdings keinen Abbruch, und Singles wie „Bulls On Parade“ und „People Of The Sun“ sorgten erneut für prächtige Verkaufszahlen.
Danach ließen sich RATM wieder ein paar Jahre Zeit, um 1999 dann wieder mit frischer, ungestümer Energie in Form von „The Battle Of Los Angeles“ zurückzukehren. Auf dem von George Orwells „1984“ inspirierten Album versammelten sich Kracher wie „Born Of A Broken Man“, „Calm Like A Bomb“ oder „Testify“. Virtuose Morello lief hier in meinen Augen zur absoluten Höchstform auf. Die Band betonte ja stets ihr Kredo, nur im klassischen Dreiergespann aus Bass, Gitarre und Schlagzeug zu fahren, ganz ohne Synthesizer oder ähnliche Spielereien. Dass man die nämlich nicht braucht, zeigt Morello auf den Saiten wo er nur kann, und eben gerade auf diesem Album ganz besonders. Unglaublich, was er für Klänge aus seinen Gitarren herausholt.
Einen Monat nach dem letzten Auftritt (der noch drei Jahre im Studio schlummern sollte) verkündete Zack De La Rocha seinen Ausstieg aus der Band, was ein Weitermachen unter diesem Namen einfach unmöglich machte. Jeder der vier Musiker war so sehr mit der Band verbunden, dass kein einziger von ihnen entbehrlich war. RAGE AGAINST THE MACHINE waren traurigerweise Geschichte. Im Dezember 2000 erschien als Abgesang die Cover-Compilation „Renegades“, auf der die Band ihren Helden und Idolen Tribut zollte, darunter u.a. auch solche regelmäßig live gespielten Klassiker wie MC5s „Kick Out The Jams“ oder CYPRESS HILLs „How I Could Just Kill A Man“.
2003 erschien dann das vermeintlich letzte Tondokument einer Band, von der man nicht glaubte, sie noch einmal live erleben zu können. Mit der Reunion vor drei Jahren war zumindest dieser Wermutstropfen hinuntergespült.

„The Collection“ präsentiert all das in einer sehr ansprechenden Hardcover-Box, die wie eine LP-Kiste gestaltet ist. Alle fünf Alben kommen in einer Art Vinyl-Papierhülle mit dem originalen Artwork, die CDs wurden im originalen Layout behalten, außerdem wird jedes Album durch das originale Booklet begleitet. Also kein Billig-Einheitsbrei, wie man ihn nur zu oft als Sonderangebot bekommt, sondern tatsächlich „value for money“, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Box bietet zwar keine Raritäten (wie auf dem nur in Japan veröffentlichten „Live & Rare“), dafür aber eben alle fünf Alben, perfekt für alle Späteinsteiger, die hier unbedingt zugreifen sollten. Was der Box zur Perfektion fehlt, wäre vielleicht ein zusätzliches Booklet mit ausgewählten Fotos quer durch die Bandbiographie, begleitende Linernotes und persönliche Kommentare der Band zu den Alben, etc., selbst wenn man dafür ein paar Euro mehr hätte löhnen müssen.

„The Collection“ lässt alte Zeiten aufleben, mit Musik die nicht alt wird oder unzeitgemäß klingt, und sie macht wieder Hunger auf mehr, vor allem wenn man gleichzeitig CYPRESS HILLs aktuelle Single „Rise Up“ im Ohr hat, bei der kein anderer als Tom Morello das unvergleichbare RATM-Gefühl aufleben lässt.

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14.06.2010

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