Rob Zombie - The Great Satan
Review
Alben aus dem Hause ROB ZOMBIE sind an sich ja nicht zu bierernst zu nehmen. Allerdings hat der Augenzwinker-Faktor im Rahmen der vergangenen Veröffentlichungen mit ihren Wortsalat-Titeln und überladenen Coverartworks schon überhand genommen hin zum Punkt, dass die Campiness vermehrt ablenkte, anstatt den sicher angestrebten Unterhaltungswert zu liefern. Es hatte gewiss seinen Charme, man muss aber auf Empfängerseite einen Gaumen für so etwas haben. Mit diesem Wissen im Hinterkopf behaltend lässt der im Vergleich zu den vergangenen Platten erfreulich entrümpelt wirkende Titel des neuen Albums „The Great Satan“ schon auf das zu Hörende neugierig werden. Das Coverartwork – heuer in Schwarz-Weiß-Optik – weist immer noch den Grindhouse-Charme auf, aber deutet schon mal subtil an, wohin die Reise anno 2026 geht.
Hat ROB ZOMBIE etwa schlechte Laune gehabt?
Relativ zügig nimmt die Platte mit dem Opener „F.T.W. 84“ Fahrt auf und drückt sogleich auf die Tube. Und direkt hat man das Gefühl, dass der gute Herr Cummings bei der Entstehung des Materials scheinbar richtig miese Launge gehabt haben muss, denn der Track drückt aggressiv und ohne große Gesten oder Abseitigkeiten ins Gesicht. Der Sound gemahnt teilweise an die frühen „Hillbilly Deluxe“-Tage, aber ein bisschen gediegener und weniger bombastisch. Hier kommen ein paar echt knackige Grooves raus, gerade auf der Zielgerade drückt das Teil in die Nackenmuskulatur. Und tatsächlich würde sich dieser Ersteindruck als prophetisch erweisen, denn „The Great Satan“ bleibt weitestgehend bei der roheren Stange.
Diese neue (oder: wiedergefundene) Aggressivität hat den Nebeneffekt, dass die neuen Songs seltener um größere Hooks herum zirkulieren und etwas mehr auf den denkwürdigen Schlag in die Visage abzielen, den sie kraft Simpeleffizienz („Punks And Demons“) trotzdem souverän landen – das gipfelt im bissigen Anderthalbminüter „The Black Scorpion“. Klassische Hook-Monster der Marke „(I’m A) Rock’N’Roller“ oder „Out Of Sight“ gibt es dennoch. Diese Stücke sind ziemlich geschickt in der Trackliste verteilt und lockern das Geschehen immer wieder gewinnbringend auf. Und apropos Trackliste: Die ist dieses Mal gar nicht mal so von allzu vielen Interludes durchzogen wie der direkte Vorgänger zum Beispiel. Es scheint, als habe sich ROB ZOMBIE hier wirklich mal wieder auf den Hosenboden gesetzt und der Musik den Vorrang in seinem Schaffen eingeräumt.
„The Great Satan“ wirkt wie ein Schritt in die richtige Richtung
Dass man anno 2026 nicht mehr so viel Abwechslung in den Sound einbringt wie zuletzt managt ROB ZOMBIE eigentlich sogar ganz gut. „The Great Satan“ bleibt bei den offensiv nach vorne gehenden Leisten unter Reduktion der zuvor noch anwesenden Elemente aus Blues, Southern Rock und anderem Zeug. Sie tauchen hier und da mal auf wie in „Sir Lord Acid Wolfman“ mit seinem pornotauglichen Hüftschwinger-Rhythmus oder „Revolution Motherfuckers“ mit diesem massiven Arena-Flair, assistieren aber mehr als dass sie in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt werden. Angesichts der erhöhten Aggressivität hinter den Songs war das allerdings auch die richtige Entscheidung – die Eklektik des Vorgängers hätte das Endergebnis vermutlich eher zerfahren wirken lassen.
Wo sich der Herr Cummings ein wenig verzettelt, ist das Songwriting, das nicht immer 100%ig den Druck nach vorne unterstreicht. Bei schleppendem Tempo muss nun mal etwas mehr Gewichtung auf die Details gelegt werden. Solche Tracks können nicht ähnlich stringent nach vorne geschrieben werden wie die Uptempo-Nummern, sonst kommt so ein Schnarcher wie „The Devilman“ heraus. Und egal wie viele seltsame Effekte er über „Unclean Animals“ drüber wabern lässt, es macht den fußlahmen Track nicht besser. Zwei Stinker und gerade mal drei Interludes in einer ansonsten grundsoliden Trackliste sind aber eine ziemlich gute Ausbeute für ein neuzeitliches ROB ZOMBIE-Album und ein gutes Argument, der Platte eine ernsthafte Chance zu geben. „The Great Satan“ wirkt tatsächlich wie ein Wink in die richtige Richtung. Natürlich ins Gesicht und so …
Rob Zombie - The Great Satan
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Crossover, Industrial Metal |
| Anzahl Songs | 15 |
| Spieldauer | 38:40 |
| Release | 27.02.2026 |
| Label | Nuclear Blast Records |
| Trackliste | 1. F.T.W. 84 2. Tarantula 3. (I’m A) Rock ‘N’ Roller 4. Heathen Days 5. Who Am I 6. Black Rat Coffin 7. Sir Lord Acid Wolfman 8. Punks And Demons 9. The Devilman 10. Out Of Sight 11. Revolution Motherfuckers 12. Welcome To The Electric Age 13. The Black Scorpion 14. Unclean Animals 15. Grave Discontent |
