Rob Zombie - The Zombie Horror Picture Show

Review

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Angestaubte Optik, Titel, die sich epileptisch über den Bildschirm zittern, Grobkörnigkeit. Willkommen im Zeitalter von Blu-Ray und High Definition! Aber das ist eben Rob Zombie. Da werden Smartphones und Co. auch in den Filmen gern mal gegen bald Vergessenes eingetauscht. Schön. Falls schon jemand mit halbem Herzkasper quer überm Stuhl hängt: Keine Sorge, wo Blu-Ray draufsteht, ist natürlich auch viel glasklares Bildmaterial drin. Auch bei Zombie. Nur eben nicht ganz und gar, ein bisschen Retro muss immer sein – so wie bei seiner Show.

„Show“ ist das Stichwort. Bei vielen Acts ein wesentlicher Bestandteil, um die Musik zu unterstützen, bei anderen, um von ihr abzulenken. Gut, die qualitative Einstufung der Diskographie ist ja grundsätzlich auch eine subjektive Angelegenheit, fest steht aber, dass Rob Zombie mitsamt seinen Musikern zu den Bands gehört, die ordentlich Entertainment auf die Bühne bringen. KISS, SLIPKNOT, GWAR, RAMMSTEIN, CRADLE OF FILTH und selbstverständlich ALICE COOPER, dessen Horrorshows wohl am ehesten Inspiration für Zombie waren – alle genannten Combos (und noch viele mehr) reichern ihre Auftritte durch Feuerflammen, fulminante Farben, furchteinflößende oder fantasievolle Fratzen und mehr an. Auch hier gibt es die gesamte Palette und das kommt in ordentlicher Lautstärke am heimischen TV schon ziemlich gut rüber: Pyros donnern, Bühnenbild und Deko beeindrucken, die Kostüme sind mitunter fabelhaft, immer kreativ und zum Teil verstörend, Masken und Make-up reihen sich da gekonnt ein, Instrumente werden zu obskuren Gebilden umgestaltet, im Hintergrund flackert es beachtlich von übergroßen Videoleinwänden, das Farbenspektrum ist ganz allgemein berauschend, Seifenblasen fliegen und zerplatzen, monströse (auch in Bezug auf die Größe) Figuren staksen animatronisch über die Bühne, Lichteffekte zerren die Aufmerksamkeit mal hier, mal dort hin – oder kurz: „The Zombie Horror Picture Show“.

„The greatest horror show of them all“ steht auf dem Cover, das durch 70er-Flair und ein paar knallige Farben ganz typisch illustriert ist. Ein Booklet fehlt leider. Und das ist nicht alles. Wo sind die Extras? Bis auf eine Galerie ist da nichts. Die präsentiert zugegebenermaßen einige nette Schnappschüsse – auch neben und hinter der Bühne – und kann mit einem wahren Foto-Highlight aufwarten, das Alice Cooper in illustrer Runde zeigt, insgesamt kann die Beurteilung dahingehend aber nur mit einem enttäuschten „mager“ ausfallen. Nicht jede bildhafte Live-Veröffentlichung muss notgedrungen massig Zusatzmaterial bieten, nur stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis einfach nicht, wenn man einen reinen Konzertfilm mit anderen Releases vergleicht. Die Idee, hier aufs Wesentliche zu reduzieren, mag ja passen. Nur muss man dann auch beim Preis ein paar Kröten zurückhüpfen.

Werfen wir also einen Blick auf das, was man geboten bekommt. Zunächst einmal reichlich Live-Material, das an zwei Locations in Texas aufgenommen wurde: im Cynthia Woods Mitchell Pavilion (am 03. August 2013) und im Gexa Energy Pavilion (am 04. August 2013). Zum Start wird der Titel „The Zombie Horror Picture Show“ nach dem inzwischen vermutlich obligatorischen „A Rob Zombie Film“ flimmernd in alter Qualität, die an frühe Horror- und Trash-Filme erinnert, präsentiert. Es folgt eine kurze Hinter-der-Bühne-Sequenz, in der die Musiker zur Stage gehen. Auch hier in beabsichtigt minderer Bildqualität, die während des Konzerts immer mal wieder eingesetzt wird (ein entsprechender Zusatz, der sich wie ein Warnhinweis für notorisch Digitalisierte liest, steht auch auf dem Backcover: „Programme contains both high-quality video and low-quality video mixed throughout for artistic reasons“). Weitere Aufnahmen abseits des Live-Materials kommen später ebenso zum Zuge; sie zeigen Rob Zombie und sein Gefolge in Backstage-Situationen oder liefern atmosphärische Schnipsel, die Erinnerungen an seinen meisterhaften Spielfilm „Haus Der 1000 Leichen“ wecken.

Das Konzert an sich wurde eindrucksvoll gedreht und sehr ansehnlich geschnitten. Dynamische Kameras haben sowohl auf als auch vor der Bühne etliche Momente eingefangen, die dem Ganzen eine Menge Leben einhauchen – Moshpits, hüpfende Brüste, gereckte Fäuste, gute Laune, ein zurechtgeschminkter Captain Spaulding im Publikum und, und, und. Im Mittelpunkt steht selbstverständlich ein prächtig aufgelegter Rob Zombie, der ständig unterwegs ist und zwischen Headbangen und verrückten Tanzeinlagen wechselt (da dreht man sich auch mal wie ein Kleinkind im Kreis oder verwendet das Mikrofon als Genitalimitat, um die elektrisierte Luft zu vögeln). Gitarrist John 5 spielt die US-Hymne in der Zwischenzeit mit dem Mund – kann auch nicht jeder. Insgesamt werden dem Zuschauer viel Bewegung, massig Schnitte und Perspektiven sowie ungewöhnliche Blickwinkel geboten. Und das alles passt nahezu perfekt zur energetischen Darbietung der gesamten Band. Überblendungen und andere Effekte wie Dopplungen tun ihr Übriges. Starke Aufmachung! Da fügt sich die Setlist mit Abstrichen ein, denn ein paar Knaller fehlen, und mit Songs wie „Black Sunshine“, „Pussy Liquor“, „Demonoid Phenomenon“, „Let It All Bleed Out“ und dem vielleicht metallischsten Rob-Zombie-Song „Feed The Gods“ wäre sie noch runder gewesen. Und genau dieses unrunde Gefühl lässt einen nicht los. Auf visueller und technischer Ebene bietet „The Zombie Horror Picture Show“ einen fantastischen Konzertfilm, den Fans frenetisch feiern sollten. Dass die Feature-Sektion auf der anderen Seite fehlt, ist hingegen mindestens schade und maximal eine mittelschwere Frechheit – immerhin ist es seine erste Live-DVD-Blu-Ray. Somit bleibt die Kaufempfehlung aus.

11.06.2014

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