Sinsaenum - Repulsion For Humanity

Review

Huch, da ist uns beinahe das neue SINSAENUM-Album „Repulsion For Humanity“ durch die Lappen gegangen. Das zweite Full-Length-Werk der internationalen Supergroup erschien bereits am 10. August 2018 und brachte für Fans des Debüts erst einmal einen Dämpfer mit sich: Attila Csihar (MAYHEM, TORMENTOR und so) hat zu „Repulsion For Humanity“ nur ein paar Backing Vocals beigetragen. Er ist, so offizielles Statement, weiter Teil der Band, konnte aber aufgrund von Verpflichtungen mit seinen anderen Bands nicht so viel zu den Aufnahmen beisteuern, wie er gerne gewollt hätte.

Große Namen, die man mit technischer Perfektion assoziiert

Nun bestehen SINSAENUM ja noch aus einer ganzen Reihe anderer hochkarätiger Musiker, nämlich Sean Zatorsky (DÅÅTH, ehemals CHIMAIRA) am Mikro, Frédéric Leclercq (DRAGONFORCE) an Gitarre und Keyboard, Stéphane Buriez (LOUDBLAST) an der Gitarre, Heimoth (SETH, ehemals VOID) am Bass und Joey Jordison (ehemals SLIPKNOT und MURDERDOLLS) am Schlagzeug. Viele große Namen also, und viele Namen, die man mit technischer Perfektion assoziiert. Das hört man „Repulsion For Humanity“ durchaus an, das Album klingt von Anfang bis Ende nach ganz großer, technischer Kunst bis an den Rand der Perfektion.

SINSAENUM gehen zu technisch vor und lassen die künstlerische Seite außen vor

Dabei ist technische Perfektion natürlich nur eine Seite der musikalischen Medaille, auf der anderen Seite fällt ja auch noch so etwas wie künstlerische Vision ins Gewicht. Darin überzeugen SINSAENUM nicht in der Weise, wie es die Namen der beteiligten Musiker erwarten lassen. Über die Spielzeit von über einer Stunde (!) bieten sie insgesamt zwei oder drei Momente, die wirklich aufhorchen lassen, zum Beispiel wenn die Truppe in „Sworn To Hell“ doomige Parts mit norwegischem Black-Metal-Riffing paart. Zum Großteil besteht „Repulsion For Humanity“ aber aus einer guten Stunde Uptempo, aus einem Bastard aus Black und Death Metal, der meist brutal klingt, aber auch etwas zu sauber, zu technisch und zu leblos.

Technik-Fans werden möglicherweise auf „Repulsion For Humanity“ abfahren

Nun mag jemand, der es eher mit Technik hat, darauf abfahren. Der Verfasser dieser Zeilen jedoch mag seinen Black und Death Metal bekanntermaßen lieber belebt, meinetwegen auch weit von Perfektion entfernt, wenn stattdessen emotional was rüberkommt. Diese Ebene extremen Metals bleiben SINSAENUM auf „Repulsion For Humanity“ weitestgehend schuldig. Das Album klingt, als wären die beteiligten Musiker nur mit dem Kopf, aber nicht mit dem Bauch bei der Sache. Bezeichnend dafür ist der Track „Insects“, der gleich mit einem Gitarrensolo beginnt, das sicherlich wunderbar gespielt ist, keine Frage – das aber insofern Fehl am Platze wirkt, dass es keinerlei weiteren Sinn zu haben scheint als den Selbstzweck.

Wie man das Album findet, hängt von den Erwartungen an Musik ab

Man kommt nicht umhin, zu vermuten, dass „Repulsion For Humanity“ möglicherweise ein spannenderes Album gewesen wäre, hätte Attila Csihar mehr zu sage… ähm, zu singen gehabt. Das hätte der Platte immerhin seinen irrwitzigen Gesang als Mehr-oder-weniger-Alleinstellungsmerkmal spendiert. Nicht, dass Sean Zatorsky seine Sache schlecht macht, das nun wirklich nicht – aber bei Attila reden wir schließlich von einer ganz anderen Liga. Da ich selber kein Tech-Fanatiker bin, kann ich nicht beurteilen, wie du die Platte finden wirst, wenn du zu dieser Fraktion gehörst. Aber klassische Black- und Death-Metal-Fans werden dem zweiten SINSAENUM-Album wohl nicht allzu viel abgewinnen können.

03.12.2018
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