
STAGHELM ist das Atmospheric-Black-Metal-Projekt des britischen Einzelkämpfers Oxylus. Ein Album hat er bereits unter diesem Namen aufgenommen, sowie ein weiteres mit dem Vorgängerprojekt ULM. Mit „Natura Semper Praevalet“ folgt nun also das zweite Album als STAGHELM.
Mit STAGHELM auf zum verträumten Waldspaziergang
Wer angesichts des Bandnamens und eines so bedeutungsschwangeren Titels wie „Die Natur setzt sich immer durch“ nun an Baumschmuser-Black-Metal denkt, liegt damit goldrichtig. Zugegebenermaßen ist Naturromantik im Atmospheric Black Metal ja nun auch kein sonderlich ungewöhnliches Thema und Oxylus geht diesbezüglich gleich in die Vollen. Die drei zwischen 9 und knapp 13 Minuten langen Tracks sollen nämlich den Wald jeweils aus einer von drei verschiedenen Perspektiven beleuchten und diese musikalisch umschreiben: Majestät und Schönheit, Macht und Zorn sowie Trostlosigkeit und Tod.
Los geht es mit „These Winds Know My Name“, welches sich der Majestät und Schönheit des Waldes widmet. Der Song baut sich ganz langsam mit einem ruhigen Gitarrenmotiv, flächigen Synthesizern und begleitet vom Rauschen des Windes (was auch sonst) auf. Erst nach drei Minuten setzen überhaupt Schlagzeug und getragene metallische Riffs ein, der ebenfalls erst spät einsetzende Kreischgesang ordnet sich dem schwelgerischen instrumentalen Fundament weitestgehend unter und wirkt so ebenfalls mehr wie ein Rauschen aus der Natur. Erst im letzten Drittel geht das Stück nach einem sanften Pianopart etwas mehr aus sich heraus und versprüht mit majestätischen Riffs und angezogenem Tempo eine Welle der Euphorie. Das von STAGHELM angepeilte Feeling findet hier also eine durchaus gelungene Umsetzung.
Ähnlich verhält es sich mit „Wrath Of The Barked Ones“, welches nach einem ebenfalls recht ausgedehnten aber etwas dramatischeren Aufbau unter schwedisch anmutenden Leadgitarren und mit ordentlich angezogenem Tempo deutlich mehr nach vorne geht. Auch hier finden sich ruhige, leicht entrückte Momente, die von verheißungsvollen Spoken-Word-Passagen begleitet werden, bevor wieder im stürmischen Gallop und mit treibenden Schwedenmelodien nach vorne geprescht wird. Auch hier wird Oxylus der Repräsentation von der Macht und dem Zorn der Natur (gemessen am musikalischen Gesamtbild von STAGHELM) gerecht.
„Natura Semper Praevalet“ fängt die angepeilten Stimmungen weitestgehend gut ein
Allein „Altar Of Oblvion“ will nicht so wirklich nach Trostlosigkeit und Tod klingen. Zwar vermittelt das Stück in seinen ausufernden ruhigen Parts über weite Strecken ein Gefühl tiefer Melancholie. Grade der von melodischen Leadgitarren, majestätischen Riffs und tiefen Growls dominierte Mittelteil transportiert aber eher Erhabenheit und Kampfeslust, wohingegen die Nummer zum Ende hin wieder mehr zum Schwelgerischen tendiert. An sich aber trotzdem ein schöner Song, bei dem lediglich der Klargesang ein wenig nervt.
Insgesamt ist STAGHELM mit „Natura Semper Praevalet“ ein schönes Atmospheric-Black-Metal-Album gelungen, welches die angepeilten Stimmungen weitestgehend gut einfängt, dabei aber nicht ganz um die Fallstricke des Genres herumkommt. Denn wie das bei dieser Art von Atmospheric Black Metal häufig der Fall ist, setzt auch die Musik von Oxylus nicht unbedingt auf Hooks und Eingängigkeit, sondern mehr auf das Erleben des Momentes. Dadurch eignet sich das Album wunderbar als Begleitung für lange, verträumte Waldspaziergänge, springt einen aber zwischen den vielen ähnlich gearteten Projekten auch nicht unbedingt an. Daher muss man es schon immer wieder zielgerichtet und bewusst herausgekramen und hören, weil es ansonsten möglicherweise einfach vorbei rauscht und zwischen zwingenderen Alben in Vergessenheit gerät.

Hans Völkel





























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