Threshold - European Journey

Review

Mit den beiden jüngsten Großtaten „March Of Progress“ und „For The Journey“ befinden sich THRESHOLD in einer Höchstform, von der sämtliche anderen namhaften Prog-Metal-Bands derzeit nur träumen können. Kein Wunder also, dass die Briten bei ihren Konzertreisen weniger in ihrer – ebenfalls großartigen – Vergangenheit wühlen, sondern die jüngeren Scheiben ins Zentrum ihrer Setlist rücken. Und weil das auch auf der Bühne stets hervorragend funktioniert, halten sie nun mit „European Journey“ einen Mitschnitt der vergangenen Europa-Tour auf zwei CDs für die Ewigkeit fest.

Akzeptiert man den Fokus auf „For The Journey“ (fünf Songs) und „March Of Progress“ (vier Stücke), gibt es an der Setlist nichts auszusetzen. Weder die beiden „Dead Reckoning“-Überflieger „Slipstream“ und „Pilot In The Sky Of Dreams“ noch die beiden „Subsurface“-Kracher „Ground Control“ und „Mission Profile“ möchte man noch in einem THRESHOLD-Set missen, darüber hinaus gibt es mit „Part Of The Chaos“ einen wieder ausgebuddelten Klassiker vom 1997er „Extinct Instinct“-Album und mit „Long Way Home“ einen Alltime-Evergreen, der zugleich die einzige Überschneidung mit der letzten großen Live-Veröffentlichung „Critical Energy“ von 2004 darstellt.

Die Band agiert auf „European Journey“ extrem souverän und leistet sich keine nennenswerten spieltechnischen Patzer. Dabei mag es geholfen haben, dass THRESHOLD kein einzelnes Konzert mitgeschnitten haben, sondern sich die Rosinen aus mehreren aufgezeichneten Einzelshows herauspicken konnten. Erfreulicherweise hat darunter die Konzertatmosphäre nicht gelitten, so dass „European Journey“ auch bei diesem wohl wichtigsten Bewertungskriterium einer jeden Live-Veröffentlichung eine gute Figur macht. Der Sound gibt trocken und direkt das wieder, was man auch bei den zugehörigen Konzerten in der Mitte des Zuschauerraums zu hören bekommen konnte. Die Publikumsreaktionen sind dabei stets präsent, ohne sich übermäßig ins Rampenlicht zu schieben.

Dort steht ohnehin bereits Frontmann Damian Wilson, der sowohl bei seinem Gesang als auch bei den gleichermaßen kurzen wie sympathischen Ansagen ein gewaltiges Charisma versprüht. Man muss den Kerl einfach lieben und merkt ihm zu jeder Sekunde an, wie glücklich es ihn macht, mit seinen THRESHOLD-Kollegen auf einer Bühne zu stehen. Klar, einen vollwertigen Ersatz für den livehaftigen Konzertbesuch kann auch diese Scheibe nicht bieten, um die Erinnerung an den letzten Direktkontakt wachzuhalten und die Vorfreude auf das nächste Mal zu schüren, leistet sie aber gute Dienste.

08.11.2015
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