Tulus - Morbid Desires

Review

Fans der personell sich überschneidenden TULUS, KHOLD und SARKE hatten in den letzten Jahren das Luxusproblem, dass diese beständig mit neuen Alben versorgt wurden. Da ist nun ein Bruch. SARKE lösten sich nach „Endo Feight“ (Juni 2024) 2025 auf. Und das letzte KHOLD Werk „Du dømmes til Død“ wurde im März 2024 veröffentlicht. Nun legen TULUS mit „Morbid Desires“ den Nachfolger von „Fandens Kall“ (2023) vor, 35 Jahre nach Bandgründung. Und mit einem Verweis auf ihr Hitalbum „Evil 1999“.

Ein Verweis auf das TULUS-Hitalbum „Evil 1999“

Auf eben jenem findet sich mit „Salme“ ein regelrechter Kultsong, wie das gesamte Album einer der wenigen wirklich großen Momente von TULUS war. Die Norweger rangieren eher in der zweiten Reihe des skandinavischen Black Metals, was sie mit ihrer personellen wie stilistischen Schwesterband (#räusper) KHOLD gemeinsam haben.

Das achte Studioalbum „Morbid Desires“ von Blodstrup, Crowbell und Sarke enthält mit „Salme 2“ also eine Fortsetzung des Stücks. Sind TULUS also jetzt „Evil 2026“?

Sind TULUS „Evil 2026“?

Spoiler: Nein, ist das Osloer Trio Infernale nicht. Alleine schon diesen damals so abgrundtief bösen und hingerotzten Kreischgesang bietet Blodstrup schon seit vielen Jahren nicht mehr. Wie auch der Schwarzstahl zwar noch immer düster und eisig, aber nicht mehr diese pure Bosheit, diesen puren Hass in sich trägt.  Aber zumindest haben die beiden Songs doch einige Gemeinsamkeiten. Das mit stimmungsvollem Synthesizer eingeleitete „Salme 2“ ist in jedem Fall das trvueste Stück norwegischen Black Metals des Albums. Und überrascht im klassischen Klangbild unterkühlter nordischer Raserei dabei trotzdem mit exotischen Flamenco-Passagen, dezent eingesetztem heroischem Klargesang und Folk. Funktioniert richtig gut, auch wenn die neue Version den Zauber des Originals nicht ganz erreicht.

Das folgende, schleppende „Skabb“ recycelt danach etwas aus „Kviteheim“ von jenem oberbösen Kultwerk von TULUS, wirkt aber nicht so stringent und zwingend wie damals. Nicht so rau, nicht so dreckig, aber mit zwischenzeitlich geschickt eingeflochtenen Pianoklängen und akzentuierenden Blast Beats abwechslungsreich und gelungen.

TULUS halten im Grunde an ihrer konservativen Ausrichtung des Black Metals seit ihrer Rückkehr 2006 fest und liefern teuflisch eingängige norwegische Dunkelheit, Black Metal, Black’n’Roll gemischt mit Elementen aus Folk und Punk. Die Norweger setzen auf Konstanz.

Auf Konstanz setzen

Dynamik und Groove im mittleren Tempo mit eingängigen Riffs und Hooks sowie viel Fokus auf dem Bass bestimmen den typischen, grundlegenden TULUS-Sound, eingebettet in zumeist knackigen Stücken. In den schnellen Teilen liefern die Norweger typisches Tremolo-Picking und Blast Beats. Bei aller Attitüde schaffen die Veteranen aber dennoch Platz für atmosphärische Klänge, dezent epische Abschnitte, mitreißende Akustikpassagen und pathetisch gesungene Vokills. Und natürlich das finstere Grollen im norwegischen Tenor. TULUS waren und bleiben kauzig.

Das straighte, eingängige „Tulus“ und das etwas Richtung KHOLD schielende „Vanvidd“ präsentieren die rockigere wie punkigere Seite von… ja TULUS, während „Kistedmed“ ein amtlicher Uptempo-Banger ist. Richtig stark ist aber „Fossgrimens Vakt“. Das von einem Akustikgitarrenintro eingeleitete Stück pendelt zwischen eingängiger Melodie, rohem Black Metal und groovendem Rock.

Das epische, achtminütige Finale „Sabat“ ist neben „Salme 2“ das Highlight auf „Morbid Desires“.  TULUS huldigen hier den Altvorderen BLACK SABBATH auf norwegisch charmante Weise. Doomig schleppend, düstere Atmosphäre, prägnante Riffs, dazu das mächtige Grollen. Genrefremde Elemente wie Mundharmonika, Cowbell und Akustikgitarre sind perfekt eingewoben, sorgen für etwas Farbe im sonst eher tristen Schwarz und machen den Song zu einem der besten der letzten 15 Jahre TULUS.

„Sabat“ ist einer der besten Songs der letzten 15 Jahre TULUS

Im wieder einmal von Andy La Rocque in starkem, authentischen Klangbild eingefangenen „Morbid Desires“ präsentieren sich TULUS linientreu. Zwischendrin gibt es einige Längen, dafür holt bei einigen Stücken der gekonnte Retro-Flair puristisch orientierte TULUS-Fans ab, und „Sabat“ ist einfach richtig stark.

20.03.2026

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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