Vltimas - Something Wicked Marches In

Review

Achtung, Achtung, Supergroup-Alarm: VLTIMAS setzen sich aus niemand geringerem als David Vincent (Vocals, Ex-MORBID ANGEL), Rune „Blasphemer“ Eriksen (Saiteninstrumente, AURA NOIR, Ex-MAYHEM) und Flo Mounier (Drums, CRYPTOPSY) zusammen. Bei der Erwähnung dieser Namen wird wohl jedem, der ein bisschen Kenntnis von extremen Metal-Spielarten hat, das Wasser im Munde zusammenlaufen. Und es kommt noch besser: Das Debütalbum der Formation, „Something Wicked Marches In“, ist seit ein paar Wochen erhältlich.

„Something Wicked Marches In“ hält, was das Line-up verspricht

Und das klingt, wie man es bei den beteiligten Musikern erwarten würde: Finster und leicht vertrackt, auf höchstem technischen Niveau gespielt, aber nicht verkopft, sondern stets auf den Song und – vor allem – die Atmosphäre ausgerichtet. Das Trademark-Riffing aus Blasphemers Händen ist das ganze Album über zu hören, und ja, natürlich erinnern manche Parts an die mittleren, von Mr. Eriksen maßgeblich mitkreierten MAYHEM-Alben. Durch den einzigartigen Gesang von David Vincent gesellt sich NATÜRLICH eine gewisse MORBID ANGEL-Stimmung hinzu, und wer schon immer wissen wollte, wie cool eine Mischung aus MAYHEM und MORBID ANGEL wäre: Die Antwort lautet „Something Wicked Marches In“.

Abgerundet wird das VLTIMAS-Prinzip durch das ebenso einzigartige wie eigenwillige Drumming des Monsieur Mounier. Wer sich zunächst unsicher ist, wie gut die oben beschriebene Mischung der Extreme-Metal-Könige mit technischem Hyper-Drumming à la CRYPTOPSY funktioniert, der sei beruhigt: Genau wie auch Blasphemer stellt Flo Mounier sein Können in den Schatten der Kompositionen, beweist an den richtigen Stellen sein Talent und hält sich andernorts songdienlich zurück.

VLTIMAS reißen an jeder zweiten Ecke im Vorbeigehen Genre-Grenzen ein

Damit könnten VLTIMAS nicht nur das riskanteste Extreme-Metal-Release der letzten Jahre veröffentlicht haben, sondern übrigens auch eines der eigenständigsten. Genre-Grenzen sprengt das Trio an jeder zweiten Ecke im Vorbeigehen, aber ohne dass es großartig auffällt und die Hörer aus dem Fluss reißt. Hier erinnert „Something Wicked Marches In“ eher an Old-School-Death-Metal-Großtaten, dort beschwört das Riffing des Blasphemers eher Black-Metal-Momente herauf, und wieder woanders rückt Flo Mounier das Material in Richtung Tech Death. Das alles wohlgemerkt, es sei nochmal darauf hingewiesen, ohne dass es stört oder gar nach Stückwerk klingt.

„Atmosphäre“ und „Gänsehaut“ sind die Schlagwörter, unter denen dieses Album eingeordnet gehört

Wichtiger als das Subgenre-Hopping ist jedoch die Atmosphäre, die beachtliche Stimmung, die VLTIMAS mit diesem Prinzip heraufbeschwören. Von Eingängigkeit kann man im Rahmen dieses Albums nicht wirklich sprechen, und trotzdem schrauben sich die markanten Blasphemer-Riffs und der einzigartige David-Vincent-Gesang blutig in die Gehörgänge, nur um sich dort mit Widerhaken festzusetzen. Gänsehaut ist vorprogrammiert, und zwar immer, wenn VLTIMAS ihre infernalische Mischung aus Black und Death Metal ganz besonders fies und durchdringend spielen.

„Something Wicked Marches In“ ist dementsprechend ein Album, das unter die Haut geht. Ausfälle gibt es keine, genauso wenig finden sich darauf Hits. Das VLTIMAS-Debüt will sich als großes Ganzes verstanden wissen, ein einziges, rund 38-minütiges Atmosphäre-Monster. (Und dennoch gibt es Momente wie in „Monolilith“, die gewissermaßen hitverdächtig sind.) Vielleicht ist „Something Wicked Marches In“ damit nicht das Extreme-Metal-Album des Jahres, schließlich sind andere Bands deutlich hörerfreundlicher, aber es ist eines der interessantesten und spannendsten Angelegenheiten, die man in diesem Bereich hören wird – dieses Jahr zumindest.

22.07.2019
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