Vreid - The Skies Turn Black

Review

Auf ihrem ersten Album seit fünf Jahren geben sich VREID ganz der Zerstörung hin: Da kündet der Albumtitel “The Skies Turn Black” von sich verdunkelnden Himmeln, die Songs zudem von “Chaos”, “Flammen” und einer grollenden Erde (“The Earth Rumbles”). Musikalisch hingegen bleiben sich die fünf Musiker aus Norwegen treu und bieten einen Stilpotpourri, der weniger garstig als das Genannte ist: Ein Teil Sognametal, ein Teil Black’n’Roll, ein paar Seventies-Einsprengsel, ein Hauch Neuerungen.

Sognametal & Stilpotpourri

Ganz traditionell ist der Opener “From These Woods” geraten, mit dem die Musiker ihren Wurzeln huldigen und der ganz nüchtern betrachtet der beste Sognametal-Song seit langem ist: Folkig, zupackend, eine tolle Melodieführung, Gänsehautmomente. Bilder von dunklen Wäldern und Fjorden erscheinen ganz automatisch, selbst wenn man nicht das Video mit den Flugbildern über den Sognefjord gesehen haben sollte.

In eine ganz ähnliche Richtung gehen “Build & Destroy” und “Flammen”, wo VREID ihrer WINDIR-Vergangenheit mit stimmungsvollen Gitarrenarpeggien und viel melodiösem Geschick treu bleiben. Dagegen steht ein “A Second Death” eher in der eigenen pechschwarzen Black’n’Roll-Tradition – und wer hier Kampfflugzeuge vor dem geistigen Auge sieht, liegt sicher nicht verkehrt. Noch ein wenig eigene Vergangenheit: “The Earth Rumbles” beginnt mit einer düster-dräuenden Jon-Lord-Gedächtnis-Orgel und damit an “Milorg”, wo VREID ihren Sound ja mit Seventies-Einsprengeln aufgepeppt hatten. Bleibt “Echoes Of Life”, das mit seinem Klargesang und den unverzerrten Gitarren eher in finnischer Tradition steht als in einer garstigen norwegischen.

VREID wagen den Bruch

Wie sieht es aber mit den in der Einleitung genannten Neuerungen aus? Die gibt es, und offensichtlich gab es innerhalb der Band dazu auch ein paar Diskussionen, wenn der Promotext kryptisch von einer schwierigen Periode spricht, in der “Kommunikation und Ausrichtung geschwankt” hätten. Aber konkret: Mit dem Instrumental “Kraken” begeben sich VREID unter Wasser und liefern einen Kurzsoundtrack zu einem Film über ein Meeresungeheuer, das so auch im Sognefjord existieren könnte. Bilder von Cousteau tauchen unweigerlich auf, und musikalisch streifen die Norweger irgendwie auch JEAN-MICHEL JARRE – abgesehen natürlich vom metallischen Grundgerüst.

Den größten Bruch legen VREID allerdings mit “Loving The Dead” hin – einem flotten, wenngleich unschuldigen Gothic-Rock-Stück mit dem mal lieblichen, mal maliziös fauchenden Gesang von Agnete Kjølsrud plus einem Video, durch das Jackass-Ikone Chris Pontius in gewohnter Weise schwengelt. Gediegen, keine Frage, allerdings bleibt die Frage, ob die beiden letztgenannten Tracks nicht besser als Standalone-Singles veröffentlicht worden wären, da sie sich nicht so recht in den Fluss des Albums einfügen wollen.

“The Skies Turn Black” – und verdunkeln doch nicht alles

Ansonsten machen VREID mit “The Skies Turn Black” allerdings auch nichts falsch: Der Sognametal-Anteil überzeugt, es gibt memorable Momente, zwischendurch sogar Gänsehaut und als Abrundung ist der Sound des Albums schön zupackend (einzig die etwas prominent böllernden Toms hätten etwas dezenter abgemischt werden können). Da mag die Erde zwischenzeitlich mal etwas gegrollt haben, aber mit VREID ist weiterhin zu rechnen.

28.03.2026

- Dreaming in Red -

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