Vreid - Lifehunger

Review

Galerie mit 20 Bildern: Vreid – Summer Breeze Open Air 2018

Ein bisschen Schwermut war bei VREID schon immer zu spüren. Wahrscheinlich ist das ganz normal bei einer Band, die es ohne den Tod nie gegeben hätte. Anfang des Jahres 2004 erfror WINDIR-Frontmann Valfar während einer Wanderung durch seine norwegische Heimat. Die restlichen Bandmitglieder gründeten VREID, weil sie einfach weitermachen und dadurch diesen tragischen Verlust überwinden wollten.

Es ist meine Passion„, sagt Bassist Hváll heute, vierzehn Jahre später. „Und ich tue alles, um meiner Passion nachgehen zu können“. Da ist es nur passend, dem achten Album den Namen „Lifehunger“ zu geben. Lebenshunger, so scheint es, ist bei VREID immer noch vorhanden, verleiht Energie und Kreativität. Doch der Hunger auf das Leben verzehrt es eben auch, lenkt uns vom Ende ab, bis irgendwann nur noch die Leere des Todes bleibt. Diesen fatalen Zusammenhang zwischen Leben und Tod herauszustellen, gelingt VREID auf „Lifehunger“ auf textlicher Ebene so gut, wie bisher noch nie in ihrer Karriere.

Der „Lifehunger“ führt in den Tod

Dabei sind Stellen wie „The hunger for life reveals / Only death is real“ natürlich keine lyrischen Meisterwerke, drücken diese Erkenntnis aber klar und wirksam aus. Zur Linderung bleiben nur der Rückzug in den – notfalls rein mentalen – menschenleeren Wald („One Hundred Years“), die Hoffnung auf Frühling und Wiedergeburt nach dem Winter („The Dead White“) oder die Flucht in schwarzmagische Rituale („Black Rites in the Black Nights“). Dass der Mensch in seiner Zeit und Beschaffenheit ohnehin nur unvollständiges Wissen erlangen und niemals vollkommene Weisheit erreichen kann, wusste bereits der antike Philosoph Sokrates, dem die Band mit „Sokrates Must Die“ ein kleines Denkmal setzt.

Zur Musik: VREID präsentieren sich auf „Lifehunger“ ausgereifter und vielseitiger denn je. Gerade am Anfang ihrer Karriere schienen die damals noch jungen Musiker immer ein bisschen auf der Suche nach ihrem Sound zu sein. Normaler Black Metal war nicht genug und es sollte bitte auch nicht zu sehr nach WINDIR klingen und ein Schuss Rock ´n Roll musste auch noch rein. Das Ergebnis waren vereinzelt richtig gute Songs, aber nur selten durchgehend gute Alben.

Der Vorgänger „Sólverv“ wirkte hingegen mehr wie aus einem Guss, war aber auch sehr sperrig. Die Songs waren etwas aufgeblasen und litten zudem unter einem völlig drucklosen Sound. Das musikalische Können der Band ging deswegen leider etwas unter. Mit „Lifehunger“ ist dies zum Glück anders. VREID ist ein ausgereiftes Album gelungen, das immer noch unverkennbar nach der Band klingt, aber auch frischen Wind ins Songwriting bringt. Der klare und druckvolle Sound trägt seinen Teil dazu bei.

VREID haben sich weiterentwickelt

Die Band weiterhin auf den Begriff Black ´n Roll zu reduzieren, greift hier zu kurz. Zumindest der Autor dieser Zeilen hat dabei eher schwungvolle und unkomplizierte Party-Songs im Kopf. VREID hingegen sind auf „Lifehunger“ sehr experimentierfreudig und verbauen auf dem Album verschiedene Einflüsse. Klar, manche Black-Metal-Riffs klingen so, als hätten sie SATYRICON schon vor Jahren verwendet. Andere Parts erinnern an ENSLAVED, ein rockiger Song mit schrägen Keyboard-Tönen wie „Hello Darkness“ an SOLEFALD. Für diesen Song übernahm übrigens SÓLSTAFIR-Frontmann Addi den Gesang, was ihn zusätzlich vom Rest des Albums abhebt. Dennoch fügt er sich weiterhin bestens in das Gesamtalbum ein, sowohl musikalisch als auch lyrisch.

„Lifehunger“ ist ein sehr erwachsenes Album geworden, das genau zum richtigen Zeitpunkt veröffentlicht wird, um den Herbst zu begrüßen. Am Tag ist es noch warm, doch die Nächte werden bereits bitter kalt. Noch wollen wir nach draußen, haben Hunger auf das schwindende Leben, werden aber bald von der Realität des Winters eingeholt. Wahrscheinlich haben wir „Lifehunger“ dann auch schon wieder ein Stück weit vergessen und sind beim nächsten Langspieler angelangt, der uns auf andere Gedanken bringt, vom unvermeidlichen Ende ablenkt. Falls wir uns dessen aber wieder einmal bewusst werden wollen, wartet „Lifehunger“ auf uns – ein Album, das mit jedem Durchgang wächst.

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24.09.2018

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7 Kommentare zu Vreid - Lifehunger

  1. ClutchNixon sagt:

    Prima Review. Danke.
    Der vorgestellte Song macht mir große Lust auf mehr, klingt er doch teilweise gar beschwingt durch ein Riffing, das schon Rotting Christ auf „a dead poem“ sehr gut zu Gesicht stand. Zur Produktion: Die ist der Beweis dafür, daß Druck und BM sehr wohl zusammen gehen. Ich freu mich auf das Album!

  2. Lord Seriousface sagt:

    Oho – (nochmal) eine Neunerwertung für meine Lieblings-Windir-Erben, das schafft doch Vorfreude fürs Album! „Black Rites in the Black Nights“ ist für mich ein echter Grower und der Titeltrack wusste in der Livedarbietung auch zu gefallen. Bin sehr gespannt auf das Album!

  3. nili68 sagt:

    Ich kenne nur die Welcome Farewell komplett, die ich so geht so finde, wie alles andere, was ich sporadisch gehört habe. Die Songs auf Youtube würde ich auch so beurteilen. Mir fehlt da etwas das Besondere. Nur solider Black Metal ist mir nicht genug, da hab‘ ich schon ’n Meter von im Regal. Kann man im Laden aber mitnehmen, wenn man nichts anderes findet..

  4. Lord Seriousface sagt:

    Die 9 Punkte kann ich guten Gewissens unterschreiben! Sehr schönes Album nach typisch Vreid’scher Machart, aber auch mit vereinzelten, dezenten Windir-Gedenkmomenten. Könnte für meinen Geschmack ein wenig länger sein, sonst aber der Hammer. Und mit „Hello Darkness“ haben Vreid sozusagen ihr „Phoenix“ aufgenommen 😉

    9/10
  5. BlindeGardine sagt:

    Ich werfe da mal acht Punkte mit in den Topf, „Lifehunger“ gefällt mir von Vreid als komplettes Album tatsächlich bisher am besten. Interessant an „Lifehunger“ ist, dass sie tatsächlich stellenweise so etwas wie positive Vibes in ein Black-Metal-Album eingebaut haben. Die fast schon postrockigen Momente zwischendurch muten zwar etwas komisch an, insgesamt ist „Lifehunger“ aber ein durchaus interessantes und eigenständiges Teil geworden.

    8/10
  6. Watutinki sagt:

    Mir würde es gefallen, wenn nicht ständig diese Lead Gitarren Ausbrüche wären, aber das gehört wohl zum Stil der Band. Schade, ansonsten technisch einwandfrei und atmosphärisch. Aber mir hat auch schon Windir nicht gefallen, ist dann einfach nicht mein Geschmack, obwohl der Grunstock schon sehr geil klingt. Eine Wertung wäre unfair, daher belassen wir es beim Kommentar.

  7. Bluttaufe sagt:

    VREID sind VREID und immer für Überraschungen gut. Man kann den VREID’schen Sound auch nicht auf ein Album reduzieren. Ein neues VREID Album ist wie eine Wundertüte. Die letzten Alben hatten ja nichts mehr mit den arschcoolen Black ’n‘ Roll der Anfangstage am Hut. Man kann mich jetzt steinigen aber auf der fast schon unschwarzmetalischen und komplexen „V“ hatten VREID für mich ihren Höhepunkt, nur um danach mit der „Welcome Farewell“ wieder mit Minimalismus zu punkten.
    Ich besitze „Lifehunger“ noch nicht, aber was ich bisher hörte kann sich sehen lassen.
    WINDIR war ja schon immer Valfar´s Kind. Einflüsse lassen sich nicht leugnen aber – mal abgesehen von „Solverv“ – gingen VREID weitestgehend eigene Wege.
    VREID hatten schon immer traditionelle Metalriffs und Leads im Gepäck. Daher kann ich den letzten Kommentar nicht ganz nachvollziehen. Und mit soliden BM hatten VREID auch nichts am Hut, liebe(r) nili!
    Das Album wird die Tage gekauft und dann gibt es eine Bewertung mit Punkten.