Winter of Life - Parentheses

Review

Okay, ich gebe zu, ich hab mich bei diesem Review verdammt schwer getan. Man sollte meinen, es wäre einfacher eine 40 minütige Gothplatte italienischer Herkunft zu rezensieren, aber so wie es scheint kann man an dieses Ding wirklich nur dialektisch rangehen. Also auf, diskutieren wir los!
These: ‚Parenthesis‘ ist ein liebevoll verspieltes Gothalbum, das zwischendurch immer wieder durch ohrwurmige Melodien aufgelockert wird und für ein Debut ein enormes Potential erkennen lässt.
Antithese: ‚Parenthesis‘ ist völlig überladen, bei Liedern von über 8 Minuten bleibt keine einzige Melodie am Ende im Ohr hängen, die Texte sind etwas holprig verfasst, und die Sänger sind beide irgendwie gesichtslos.
These: Das mit den Sängern ist so eine Sache… Die Gruntparts sind zugegebenermaßen anfangs gewöhnungsbedürftig, aber die clean gesungene Abschnitte wirken so schüchtern und vermummt, dass sie hervorragend mit der melancholischen Gesamtstimmung des Albums harmonieren.
Antithese: Ja, eine melancholische Gesamtstimmung ist eindeutig vorhanden, jedoch fließt sie irgendwie an einem vorbei und lässt den Hörer nach der Spieldauer mit leeren Händen zurück. Komplexe Songstrukturen in Ehren, aber griffige Melodien müssten schon drin sein.
These: Die Melodien sind gar nicht so schlecht, aber sie werden relativ schnell abgewechselt und gehen wie im Barock ineinander über. Eine Ausnahme gibt es aber: Die kurzen akustischen Parts klingen großartig und demonstrieren dank dem hörbaren Experimentiergeist auch die verspielte Dynamik der Scheibe.
Antithese: Ja, aber auch ohne im Ohr hängen zu bleiben.
These: Das ist richtig, aber die kurzen Intermezzi in denen jeder so irgendwie macht was er will und nach wenigen Sekunden wieder zur Gesamtband zurückkehrt, verstärken nur das ausgeprägte ‚Stream of Consciousness‘ Bild dieses Albums.
Antithese: Aber nur melodisch! Die Texte sind eher einheitsbreiig.
These: Auch das ist richtig. Es handelt sich eben um eine junge italienische Band, die im Englischen wohl noch keine sooo großen Ausdrucksfähigkeiten hat. Für eine Eigenproduktion ist aber Booklet und Cover gut gemacht.
Antithese: Naja, wenn auch ziemlich dünn. Aber das sind Nebensächlichkeiten, kommen wir zum Fazit!
–> Synthese: ‚Parentheses‘ ist ein ambitioniertes Projekt einer Band, die in diesen 40 Minuten ein großes Potential aufweist und eine schöne Gedankenwanderung demonstrieren. Die melancholische (unkitschig intonierte) Grundatmosphäre ist toll rübergebracht und mit Leib und Seele zelebriert worden, selbst wenn dadurch die Melodien auf der Strecke bleiben. Kompromissbereit gibt das 7 Punkte und die Hoffnung auf das nächste Album!

10.04.2005

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