Witherfall - Nocturnes And Requiems

Review

Hui…das kann ganz heißer Scheiß werden. Der Name WITHERFALL geistert schon einige Zeit durch die Szene, wenn auch ohne Arbeitsnachweis als Band. Die beteiligten Musiker sind allerdings keine Unerfahrenen. Mit Jake Dreyer (git., u.a. ICED EARTH) und Sänger Joseph Michael (ex-WHITE WIZZARD), sowie dem letztjährig verstorbenen Drummer Adam Sagan (CIRCLE II CIRCLE, INTO ETERNITY) haben zumindest drei Könner das Album eingespielt. Das allerdings schon vor geraumer Zeit. Jetzt endlich erblickt “Nocturnes And Requiems” das Licht der progressiven Power Metal Welt.

Kein Notenschach, oder doch?

Legt man die musikalische Vergangenheit der Akteure zugrunde, könnte ein leicht falscher Eindruck entstehen. WITHERFALL haben mit oben genannten Kapellen nichts gemein, abgesehen vom Herkunftsland. Nein, hier geht es deutlich detailverliebter zur Sache. Komplexe Arrangements bestimmen das Geschehen. Nicht im Sinne von Frickelorgien – wobei die Finger von Herrn Dreyer bei den Aufnahmen schön geglüht haben dürften. WITHERFALL arbeiten mit unzähligen unterschiedlichen Passagen in jedem Song, bringen dabei aber jede Note auf den Punkt. Man muss schon genau hinhören, um diese Offenbarung in ihrer Gänze zu begreifen. WITHERFALL verlieren sich jedoch nicht in unhörbaren Progressive-Parts, sondern nehmen an den richtigen Stellen immer wieder auch den Fuß vom Gas und platzieren akustische Gitarren oder atmosphärische Keyboards (u.a. “End Of Time”) hinter die entsprechenden Parts, sodass man als Hörer nie das Gefühl hat vom Notenschach der Band überrannt zu werden. Apropos Keyboards, die verströmen dezent angenehme PINK FLOYD-Atmosphäre, was absolut ins Gesamtbild von “Nocturnes And Requiems” passt. Gleiches gilt auch für Michael, der sich mit seiner Stimme stets variabel zeigt, sicher durch die Songs führt und zeigt, dass er so viel mehr kann als er bei WHITE WIZZARD zeigen durfte.

Kein Vergleich…außer mit SYMPHONY X

Abwechslung stand offensichtlich ganz oben auf der Agenda während der Aufnahmesessions. Ich finde es ein wenig schwer und auch teilweise unfair hier einen Vergleich zu anderen Bands zu ziehen. Aber wenn es denn sein muss, dann kann man wohl nur die göttlichen SYMPHONY X ins Rennen schicken, wenngleich deren Herangehensweise eine andere ist. Auch auf “Nocturnes And Requiems” kommt man nicht umher, bei jedem Durchlauf neue Nuancen in den Songs zu entdecken, sodass das Album eine gefährliche Langzeitwirkung entfaltet und den geneigten Progressive-Metal-Fan in die Sucht treiben könnte.

Das Debütalbum des Jahres?

Nichts anderes als das Album des Jahres haben die Amis mit “Nocturnes And Requiems” hier in ihrem Genre verbrochen, und man mag dabei gerne vergessen, dass es sich um ein Debüt(!) handelt. Hier kann man in Zukunft sicherlich noch einiges von der Band erwarten. Den kleinen Punktabzug gibt es, weil SYMPHONY X noch einiges melodischer auf ihren Platten zu Werke gehen. Ansonsten sollten Freunde des Genres bedenkenlos zugreifen. So brutal geil war ein Debüt schon lange nicht mehr.

22.11.2017
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