Witherfall - Curse Of Autumn

Review

Soundcheck März 2021# 2

WITHERFALL konnten sich mit ihrem vor drei Jahren erschienenen Zweitwerk “A Prelude To Sorrow” an die Spitze aktueller Edelmetall-Combos spielen und ließen reihenweise offene Münder zurück. Die Zutaten? Power Metal, der die Grenzen zu Melodic Death, Thrash und vor allem Prog regelmäßig überschritt; hervorragende Leistungen der einzelnen Musiker und leider auch eine gehörige Portion Tragik. Die kathartische Eruption “A Prelude To Sorrow” machte von der ersten bis zur letzten Sekunde die Seelenqual von Sänger Joseph Michael und Gitarrenwunderknabe Jake Dreyer über ihren 2016 viel zu jung verstorbenen Schlagzeuger und Freund Adam Paul Sagan spürbar. In seiner Authentizität und Tiefgründigkeit war das Album einmalig – obschon der Preis dafür viel zu hoch war. Wird das neue Album “Curse Of Autumn” nun also die geheilten, die geläuterten WITHERFALL repräsentieren?

WITHERFALL: Melancholie und Wahnsinn bilden weiterhin die Eckpfeiler

Zunächst wäre die Vermutung, WITHERFALL sind nach der Katharsis etwas handzahmer geworden, gar nicht so abwegig. Der Opener “The Last Scar” ähnelt im Riffing eher SYMPHONY X als NEVERMORE und der Chorus ist für WITHERFALL-Verhältnisse geradezu catchy. Eine ganze Schippe Power Metal obendrauf legt sogar das anschließende “As I Lie Awake”, dessen Refrain bisher ungeahnte Stufen der Eingängigkeit erreicht. Zugegeben, das irritiert erst einmal und lässt die Anschluss-Euphorie an “A Prelude To Sorrow” etwas schmälern.

Im weiteren Verlauf von “Curse Of Autumn” sowie nach mehreren Durchläufen wird allerdings klar: Das Album ist durchdacht und erneut als umfangreiches Ganzes konzipiert. Bereits beim epischen “Tempest”, bei dem Bassist Anthony Crawford fantastische Spotlight-Parts hat, zieht die Band die Register, für die sie geliebt wird: Technische Finesse, Vertracktes Songwriting, emotionaler Horror. 1988 hätte James Hetfield übrigens für diese Akustik-Gitarrenparts getötet. Die fließenden Übergänge des höllisch guten Triples “Curse Of Autumn”, “The Unyielding Grip Of Each Passing Day” (hier spielen sie WATCHTOWER und die jungen DREAM THEATER simultan unter den Tisch) und “The Other Side Of Fear” verdeutlichen ein Mal mehr, wie spielerisch es WITHERFALL gelingt, ungeheure Brutalität mit fragiler Verletzlichkeit in Einklang zu bringen – meist gleichzeitig.

WITHERFALL blew them all away …

Das beinahe abschließende “… And They All Blew Away” wiederum könnte prophetischer nicht von der Musik zeugen: Verdammich, wer da nicht awaygeblowt wird, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein respektloser Snob. Der Song, der mindestens (!) die Qualität von DREAM THEATER zu “Awake”-Zeiten hat, ist das absolute Highlight im bisherigen Schaffen von WITHERFALL. Der fünfzehnminütige Übersong deckt sämtliche kompositorischen Stärken der Band ab und spielt sich durch ein Maximum emotionaler Extrema ohne eine Sekunde Langeweile. So endet ein Album, das in “Another Face” und der etwas später erst zündenden, intimen Ballade “The River” die notwendigen Atempausen bietet.

“Curse Of Autumn”: Ein weiterer Meilenstein.

Trotz der enormen Klasse, die “Curse Of Autumn” ohne Diskussion besitzt, kann es dem verstörenden “A Prelude To Sorrow” unter anderem wegen des gewöhnungsbedürftigen Starts nicht ganz das Wasser reichen. Zudem ist auch die von Jon Schaffer (ICED EARTH) erledigte Produktion nicht ansatzweise so druckvoll wie die des Vorgängers. Apropos Jon Schaffer: Der verschwörungsideologisch komplett verloren gegangene Wirrkopf war zum Zeitpunkt der Produktion von “Curse Of Autumn” zumindest in Taten noch kein indiskutabler Terrorist. Jake Dreyer hat inzwischen seine Kündigung bei ihm und ICED EARTH, bei denen er von 2016 bis zum Februar Lead-Gitarrist war, eingereicht. Eine Stellungnahme im Promotext wäre wünschenswert gewesen. Ob Dreyers Entscheidung aus Überzeugung, für bessere Publicity oder aus welchen Gründen auch immer getroffen wurde, vermag man als Außenstehender nicht beurteilen. Solang nicht anders bekannt, sei daher zunächst an das Gute in den WITHERFALL-Musikern zu glauben. Dass Dreyer für den inzwischen immer trivialer werdenden Riff-Rock von ICED EARTH eh schon überqualifiziert war, beweist “Curse Of Autumn” mit Nachdruck.

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07.03.2021

Redakteur

Der metal.de Serviervorschlag

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