
Heaven & Hell
Breaking Out Of Heaven 2007 - 2009
Special
Wie wäre die Geschichte von BLACK SABBATH wohl verlaufen, wenn Ronnie James Dio nicht am 16. Mai 2010 an Magenkrebs gestorben wäre? Hätte es eine Reunion mit Ozzy Osbourne gegeben? Wie hätte ein potenzielles Abschiedskonzert wie im vergangenen Jahr in Birmingham ausgesehen? Das lässt sich nicht beantworten – die Geschichte verlief, wie sie verlief. Vielleicht können Dio und Ozzy heute irgendwo gemeinsam auf ihr Lebenswerk anstoßen.
Nachdem zuletzt die Ozzy-Ära im Fokus stand, beleuchtet ein neues Boxset den Ausflug der Band in die Dio-Jahre unter dem Namen HEAVEN & HELL zwischen 2007 und 2009.
HEAVEN & HELL und BLACK SABBATH – different but the same?
Tony Iommi erklärte, dass sie nicht als BLACK SABBATH touren wollten, als das Angebot für eine Tour mit Ronnie James Dio kam. Zwei Jahre zuvor war die Band noch im Ozzy-Line-up unterwegs gewesen, und man wollte Fans nicht verwirren. Außerdem wollte man sich mit Dio am Mikrofon auf die von ihm eingesungenen Alben konzentrieren – ohne den Namen BLACK SABBATH musste man auch nicht „Paranoid“ oder „Iron Man“ spielen. Für Iommi war es das erste Mal seit den 1970er-Jahren, dass er diese Songs bei einem Gig nicht live spielte.
So entstand die erste große Veröffentlichung der Band: das Doppel-Livealbum „Live From Radio City Music Hall“.
Aller Anfang ist live
2007 erschien die Doppel-Livescheibe „Live From Radio City Music Hall“ und ließ bei Fans der Dio-Ära von BLACK SABBATH kaum Wünsche offen. Neben vielen Liedern von „Heaven & Hell“, „Mob Rules“ und „Dehumanizer“ waren auch die beiden neuen Songs „The Devil Cried“ und „Shadow Of The Wind“ enthalten.
Ronnie James Dio hört man seine damals 65 Jahre nicht an, und auch die Band spielt präzise zusammen. Das Konzert ist trocken und gut abgemischt, und die Virtuosen nutzen jede Gelegenheit für Spielereien oder zusätzliche Soli. In knapp zwei Stunden liefern die vier Musiker in der New Yorker Radio City Music Hall eine Lehrstunde der dienstältesten Heavy-Metal-Band.
HEAVEN & HELL sind „The Devil You Know“
Der Ex-Kollege Christian verlor zum Release vor 17 Jahren nicht nur positive Worte über das Debüt, das zugleich ein Comeback war. Doch wie ist „The Devil You Know“ gealtert?
HEAVEN & HELL Geldmacherei vorzuwerfen, wäre unsinnig: Alle Beteiligten hatten bereits genug Geld für einen ruhigen Lebensabend, und der neue Name besitzt ohnehin weniger Strahlkraft als BLACK SABBATH. Unterm Strich ist „The Devil You Know“ ein ungezwungenes Album alter Weggefährten, die wieder zusammengefunden haben.
2007 beschlossen die vier Musiker auf Tour, sich danach zusammenzusetzen und neue Songs zu schreiben. Entsprechend organisch klingt „The Devil You Know“, und der augenzwinkernde Titel sorgt zusätzlich für ein Schmunzeln. Dass auf dieser Neuauflage die drei ursprünglich für die Compilation „The Dio Years“ aufgenommenen Songs „The Devil Cried“, „Shadow Of The Wind“ und „Ear In The Wall“ enthalten sind, ist ein schönes Extra.
Wenn die ersten SABBATH-Alben die Initialzündung für Heavy- und Doom Metal waren, liefert „The Devil You Know“ den Beweis dafür, warum: schwere Riffs, klagender, erhabener Gesang und eine sakral-düstere Grundatmosphäre. Das Album bündelt, was schon 1980 „The Mob Rules“ ausgezeichnet hat – ein unverzichtbares Zeitdokument.
„Neon Nights – Live In Wacken“ – Dios letzter Deutschland-Auftritt
Der Auftritt von HEAVEN & HELL beim Wacken Open Air 2009 war besonders, denn es war Ronnie James Dios letzter Auftritt in Deutschland. Danach folgten nur noch ein Gig in Großbritannien und einige in den USA. Die Band spielte zur besten Zeit auf einer der Hauptbühnen.
Das Set ist mit 75 Minuten kürzer, aber dennoch hörenswert. Die Stücke aus der BLACK-SABBATH-Ära sind bekannt, doch mit „Fear“, „Bible Black“ und „Follow The Tears“ sind auch drei Songs vom Album „The Devil You Know“ vertreten. Der Sound ist bombastischer und lauter abgemischt als auf dem Livealbum von 2007 und die Location dürfte jedem Metalfan ein Begriff sein.
Zu diesem Zeitpunkt war Dio noch nicht offiziell diagnostiziert und man merkt ihm keine Schwäche an. Der körperlich kleine Großmeister des Heavy Metal liefert einen Auftritt, der sich zu keiner Sekunde wie ein Abschied anfühlt.
Das Boxset „Breaking Out Of Heaven 2007 – 2009“ und seine Inhalte
Die Clamshell-Box aller HEAVEN-&-HELL-Veröffentlichungen ist etwas größer als DIN A5 und hochwertig gestaltet. Die vier CDs und die Blu-ray stecken in Digisleeves und verfügen – ähnlich wie Vinyl – über einen Kunststoffschutz, der Kratzer verhindert.
Dazu gibt es ein über 50 Seiten starkes Booklet mit Anekdoten und Zitaten aus der aktiven Zeit von HEAVEN & HELL sowie darüber hinaus. Zahlreiche Fotos und ein Poster runden das Paket ab. Insgesamt wirkt das Set hochwertig und nicht wie ein bloßer Cashgrab. Dass die ehemals nur auf DVD erhältlichen Livekonzerte nun ein HD-Upgrade bekommen haben, ist zeitgemäß und begrüßenswert. Wer bislang nichts von HEAVEN & HELL besitzt, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Mehr zu Heaven & Hell
| Band | |
|---|---|
| Stile | Heavy Metal |
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Jannik Kleemann
































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